Stilkolumne Alle unter einen Hut

© Peter Langer
ZEITmagazin Nr. 14/2017

Der Bucket-Hat für den Herrn ist zurück, also: der Eimerhut. Wir sehen ihn in rot kariert bei Gucci, glänzend schwarz und in Weiß mit buntem Druck bei Fendi – und wundern uns ein bisschen. Ist der Eimerhut nicht für Generationen ein Un-Hut gewesen? Der Bucket-Hat zeichnet sich durch seine runde, etwas amorphe Form und die abfallende Krempe aus. Man sieht mit ihm aus, als hätte man gerade einen Eimer Wasser über den Kopf bekommen. Während ein Hut seinen Träger normalerweise stattlicher, größer und breiter wirken lässt, ist der Bucket-Hat eher dazu geeignet, das in jedem Mann schlummernde Deppenpotenzial freizulegen. Vor allem ist der Eimerhut im Tourismus eingesetzt worden. Man trägt ihn bei Reisen in Länder, in denen die Umweltbedingungen so fordernd erscheinen, dass keine Rücksicht auf Äußerlichkeiten genommen werden kann. Wenn die Sonne brennt und der Schweiß rinnt, wünscht man sich einen Eimer aus Baumwolle auf dem Kopf, der die Sekrete aus der Nackenfalte saugt und das Haupt vor UV-Strahlung schützt. Wer so einen Hut trägt, will nicht attraktiv sein, sondern einfach nur durch den Tag kommen, ohne dass ihm die Birne kocht.

Interessanterweise war das Verhältnis zum Eimerhut schon früher sehr pragmatisch. Der Hut stammt nämlich aus der Fischerei. Er entstand Ende des 19. Jahrhunderts und wurde aus rohem Wollfilz hergestellt. Das in der Wolle enthaltene Wollwachs machte ihn wasserabweisend. Er war der ideale Begleiter durch Regen und Gischt. Dass der Bucket-Hat später auch außerhalb extrem feuchter Bedingungen getragen wurde, lag daran, dass er leicht zusammenzuknüllen ist und so in jede Tasche passt. Er ist also praktisch. In den sechziger Jahren wurde der Hut bekannt, weil Bob Denver ihn in der TV-Serie Gilligans Insel trug. Der Plot der Sitcom passt perfekt zu seinem Einsatzprofil. Wer auf einer einsamen Insel strandet, braucht keinen schönen Hut. Es kann ja niemand vor einem weglaufen.

Der Eimerhut machte aber tatsächlich auch eine Karriere als Mode-Accessoire. Einige Musiker und Popstars begannen, das Teil aus Ironie zu tragen – wohl um zu beweisen, dass nicht einmal eine derart schlimm aussehende Kopfbedeckung ihrer Coolness etwas anhaben kann. So trugen in den neunziger Jahren Oasis und Sticky Fingers Eimerhüte. Er wurde auch zum Lieblingsaccessoire der Rapper. Pharrell Williams trug den Bucket-Hat genauso wie Rihanna. Und auf diese Weise wurde dieser Hut, der nie modisch sein wollte, zur Mode. Was zu begrüßen ist, denn Männer brauchen dringend wieder etwas auf dem Kopf. Und mit irgendeinem Hut muss man ja anfangen.

Foto: Peter Langer / Eimerweise Stil: Bucket-Hat von Moncler

Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Ich trage diesen Hut schon seit Jahrzehnten. Voller Stolz und immer farblich meiner restlichen Kleidung unangepasst. Einzig für längere Wanderungen bei starker Sonnenstrahlung nehme ich einen anderen Hut, einen mit breiter Krempe um die Stirn und Nacken zu schützen. Hier verwende ich einen Boonie Hat, der wird auch bald wieder modisch sein.
Natürlich ist meine Kopfbedeckung auch ein Statement.

"...denn Männer brauchen dringend wieder etwas auf dem Kopf."
Aber ganz unbedingt. Warum, weiß ich zwar genau so wenig wie der Autor, aber doch- ich stimme zu. Vielleicht habe ich ja irgendwann etwas auf den Kopf bekommen (hier werden einige zustimmen, ich weiß), doch ich kann mich nicht erinnern. Egal. Ich stimme zu, zwei Doofe- ein Gedanke.
Und wenn es nur ist, um "das in jedem Mann schlummernde Deppenpotenzial freizulegen".