Unter Strom Mirko Borsche erlebt als Apple-Fan eine Enttäuschung mit dem neuen MacBook

© Apple
Mirko Borsche wurde als Grafiker mit Apple-Produkten sozialisiert. Mit dem neuesten MacBook fühlt er sich jedoch wie ein Kleinkind im Sandkasten.
ZEITmagazin Nr. 14/2017

Vielleicht hätte aus mir ein zweiter Bill Gates werden können. Mit meinem ersten Computer, einem C64, habe ich mir mit 13, 14 Jahren das Programmieren beigebracht und mit einem selbst programmierten Spiel sogar einen Wettbewerb gewonnen. Der Preis: ein Workshop für die Programmiersprache Pascal. Eine Woche lang durfte ich mit anderen Nerds auf einer Hütte in Österreich programmieren. Aus unerfindlichen Gründen bin ich von dieser Erfolgsspur abgewichen und Grafiker geworden. Tja.

Man könnte denken, dass ich seither aus Neid unbewusst alles boykottiere, was aus dem Haus Microsoft stammt. Aber dass ich ausschließlich Apple-Produkte besitze, hängt ebenfalls mit meinem Beruf zusammen. Als Grafiker wurde ich mit dem Mac sozialisiert. Viele Programme, die wir im Studium nutzten, gab es für den PC nicht. Ich bin bis heute beim Mac geblieben, in dem Glauben, dass er noch immer viel moderner ist als ein PC. Deswegen habe ich mich gefreut, als ich das neue MacBook Pro testen durfte. Bis ein technikaffiner Freund zu Besuch kam, der Industriedesigner ist. Als ich ihm den Touch Bar des MacBooks vorführte, einen Bildschirmstreifen, der oberhalb der Tastatur sitzt und auf dem man durch Berührung bei bestimmten Programmen Zusatzfunktionen aufrufen kann, lachte er mich aus. Und holte seinen Laptop raus, ein ThinkPad Yoga von Lenovo, das man zum Tablet zusammenklappen kann. Es hat einen Touchscreen. Doppelt so viel Arbeitsspeicher. Und kostet viel weniger. Ich fühlte mich wie ein Kind im Sandkasten, das neidisch auf das Nachbarskind ist, weil es den tolleren Bagger hat. Ich benutze also weiter mein altes MacBook. Und verdränge den Gedanken, was ich machen werde, wenn es seinen Geist aufgibt.

Technische Daten

Bildschirmdiagonale: 13"
Arbeitsspeicher: 8 GB
Festplatte: 256 GB SSD
Preis: 1.999 Euro

Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren