Eltern-Kind-Rituale Über Eltern-Kind-Rituale

© Luke MacGregor/Reuters
ZEITmagazin Nr. 16/2017

Nicht alle Eltern begreifen, dass ihre Kinder irgendwann mal "groß" sind und man ihnen keinen Schal mehr umbinden muss, wenn sie aus dem Haus gehen. Diese Ignoranz kann ein bisschen lästig sein. In schweren Fällen auch ziemlich unerträglich.

Umso erstaunlicher sind die beiden Fotos, die Arnold Schwarzenegger kürzlich postete. Auf beiden ist er selbst zu sehen, wie er seinem Sohn Patrick die Haare schneidet – einmal, als dieser ein Kind war, einmal heute, als Erwachsenem. Zu den Bildern setzte Schwarzenegger die Zeile: Manche Dinge ändern sich nie.

Nun könnten diese Bilder Abwehrreflexe beim Betrachter auslösen, nach dem Motto: lässt seinen Sohn nicht erwachsen werden, muss sich als Übervater aufspielen, will bestimmen, "wie das Kind rumläuft". Doch seltsamerweise hat man nicht das Gefühl, dass Schwarzenegger seinen 23-jährigen Sohn zum kleinen Mann degradiert. Vielleicht liegt es daran, dass der Vater auf dem Bild so wirkt, als wolle er bloß keinen Fehler machen – und mit seinen 69 Jahren auch schon ein bisschen tattrig aussieht, gar nicht mehr der Terminator, sondern eher ein besorgter alter Mann. Jedenfalls hat das Bild nichts Beklemmendes, eher etwas Rührendes – die Beflissenheit des Vaters, die Lässigkeit des Sohnes, die sagt: Papa macht das schon. Dabei geht es ja immerhin um seine Frisur, also darum, wie er einige Zeit lang aussehen wird, doch der Sohn scheint die Situation zu genießen.

Das ist das Seltsame im Verhältnis zu den Eltern: Auf der einen Seite sollen sie einen nicht wie ein Kind behandeln, wenn man es nicht mehr ist. Auf der anderen Seite haben viele Erwachsene die Sehnsucht, dass es einfach mal wieder so ist wie früher. Als noch Ostereier für einen versteckt wurden, man abends Geschichten vorgelesen bekam, tagsüber bekocht wurde und vor der Fahrt in den Sommerurlaub höchstens überlegen musste, welche Hörspielkassetten man mitnehmen würde. Als sich noch die Eltern um alles gekümmert haben.

Offenbar haben die beiden Schwarzeneggers ein Ritual gefunden, mit dem sie die alten Zeiten ab und an wieder aufleben lassen können, ohne sich dabei gegenseitig zu etwas zu machen, was sie nicht mehr sind. Alle vier bis sechs Wochen ist ja vielleicht auch ein guter Rhythmus für ein bisschen Vater-Sohn-Nostalgie.

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