Die großen Fragen der Liebe Was tun, wenn er sie weder haben noch loslassen will?

Von
ZEITmagazin Nr. 17/2017

Die Frage: Zwischen Diana und Klaus läuft seit rund zwei Monaten nichts mehr. Sie haben sich einvernehmlich getrennt, er wollte sich nach einigen Monaten Beziehung doch nicht binden. Diana ist aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt gezogen. Manchmal chatten die beiden noch auf WhatsApp. Eines Abends schreibt Diana eher beiläufig, dass sie jemanden kennengelernt habe. Ihre Nachricht erreicht ihn auf der Autobahn. Er fährt rechts ran, nimmt eine Sprachnachricht auf und schickt sie ihr. Mehr als drei Minuten schreit er da in sein Handy und beschimpft sie: Ob sie ihn verletzen wolle und dass er schon immer gewusst habe, dass sie ein "leichtes Mädchen" sei. Diana fragt sich, was sie antworten und wie sie mit ihren noch vorhandenen Gefühlen für ihn umgehen soll.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Klaus ist wütend, weil er neidisch ist auf Diana und ihren neuen Lover. Ich muss bei solchen Berichten immer an ein Experiment des norwegischen Zoologen Thorleif Schjelderup-Ebbe denken: Lässt man ein Huhn zu einem großen Haufen Weizen, frisst es, bis es satt ist. Lässt man nun ein zweites Huhn zu dem ersten, sucht das erste Huhn das zweite zu vertreiben, und beginnt noch einmal zu fressen. Klaus hat aufgehört, Diana zu begehren, ist aber nicht fähig, sie einem Rivalen zu gönnen. Hat er gedacht, dass sie wartet, bis er Ersatz gefunden hat, und erträgt die Kränkung nicht, wenn sie ihm zuvorkommt? Oder ist hier die Tiefenschicht des Reptilienhirns am Werk, auf die Hühner und Menschen wenig Einfluss haben? Diana sollte warten, bis Klaus sich beruhigt. Wenn ihm etwas an ihr liegt, wird er sich wieder melden.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Die Seele des Psychologen. Ein autobiografisches Fragment" (Orell Füssli)

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de.

Kommentare

0 Kommentare Kommentieren