Gesellschaftskritik Über die Trauer nach der Trennung

© Rich Fury/Getty Images
ZEITmagazin Nr. 17/2017

Brad Pitt kommt einfach nicht darüber hinweg, dass er kein Teil von Brangelina mehr ist. Jetzt hat sich der Hollywoodstar in ein Atelier zurückgezogen, um unter der Anleitung des britischen Bildhauers Thomas Houseago seine Trauer über das Scheitern seiner Ehe mit Angelina Jolie in eine Skulptur zu bannen. Bis zu 15 Stunden täglich, so hört man, bannt er vor sich hin. Diese Trauerarbeit wirft unweigerlich Fragen auf. Erstens: Müssen wir uns nun noch mehr Sorgen um Brad Pitt machen? Wer Thomas Houseago googelt, sieht mächtige, oft kopflose Bronzefiguren, die leidend in der Welt rumstehen. Ihr Anblick ist bestens geeignet, seelisches Leid schlimm zu verschlimmbessern. Wer deprimiert in Houseagos Atelier reingeht, kommt womöglich depressiv wieder raus. Und zweitens: Was ist eigentlich mit den Männern los?

Nur zur Erinnerung: Brad Pitt spielte zuerst den furchtlosen Schläger in Fight Club, dann in Troja den muskelbepackten Achilles und später in Inglourious Basterds den messerschwingenden, von Indianern abstammenden Nazi-Skalpierer. Und im wahren Leben war er mehrfach "the sexiest man alive". Man darf also festhalten: Brad Pitt ist ein Traum von einem männlichen Mann.

Ein solcher hätte früher nach der Trennung von seiner Frau eine Flasche Whiskey getrunken, einmal kurz und bitter gelächelt, die Trennung mit einem "Na und?" kommentiert, vielleicht noch schnell ein Hotelzimmer zertrümmert, sich dann aber nach der nächsten Frau umgesehen und sie natürlich auch gekriegt. Die Trauer durch Töpferarbeiten zu besiegen, das hätte ein Mann wie Brad Pitt den Pullunderträgern aus Rosamunde Pilchers Filmen überlassen.

Ist es also vorbei mit dem männlichen Geschlecht, wenn selbst eines seiner männlichsten Exemplare so hoffnungslos verweichlicht ist? Welchen Trauerarbeiten werden sich andere Männer aus Hollywood unterziehen? Müssen wir in dieser Kolumne bald über einen männlichen Star herziehen, der unter Christos Anleitung alte Hochzeitsfotos verpackt? In Wahrheit gibt es gar nichts zu lästern über die von Brad Pitt gezeigte Weichheit. In Zeiten, in denen vermeintliche echte Kerle wie Trump, Putin oder Erdoğan die mächtigsten Jobs der Welt besetzen, weisen Pitts Bastel-Exerzitien einen hoffnungsvollen Weg. Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn diese echten Kerle versuchten, ihre Probleme, statt sie wegzubomben, einfach wegzutöpfern.

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