Küchenklassiker Ein Lob auf schusselige Bäcker, vergessliche Kinder und unfähige Lehrlinge!

Diese Küchenklassiker verdanken wir ihnen. Von und
ZEITmagazin Nr. 17/2017

Tarte Tatin

Die Tarte Tatin, der umgekehrt gebackene Kuchen mit Früchten (unten Früchte, oben Teig), stammt aus dem Restaurant des Hotels Tatin in Lamotte-Beuvron en Sologne in Frankreich. Dort wurde sie in den 1880ern erfunden, angeblich so: Stéphanie Tatin erwartet eine Gruppe von Jägern, die zum Essen kommen wollen, ist überarbeitet, will rasch noch einen Apfelkuchen backen und vergisst in der Eile, dass sich in der Form, in der sie die Äpfel backt, noch gar kein Teig befindet. Als sie den Fehler bemerkt, rettet sie den Kuchen, indem sie die Äpfel mit einem Teigboden bedeckt. Am Ende dreht sie das Ganze um.

Riesling Spätlese

Die Erfindung der Spätlese ist das Resultat eines Fehlers in der Kommunikationskette, wie man heute sagen würde. Im Oktober 1775 wollen die Benediktinermönche auf dem Johannisberg am Rhein längst mit der Weinlese beginnen. Ihnen fehlt jedoch die Erlaubnis des Fürstabts in Fulda. Die Reiter, die das erforderliche Papier bringen sollen, verspäten sich erheblich. Als sie endlich eintreffen, sind die Rieslingtrauben an den Rebstöcken schon überreif, nicht wenige sogar verfault. Die Mönche ernten sie trotzdem noch und machen daraus einen Wein. Wie sich herausstellt, einen besonders guten.

Eis am Stiel

Frank W. Epperson ist der Erfinder des Eises am Stiel. Patentieren ließ er es 1924, aber erfunden hat er es nach eigener Aussage schon fast zwanzig Jahre früher, im besten Eis-am-Stiel-Alter, mit elf Jahren. Der Junge aus Kalifornien hatte auf der Veranda mit Mineralwasser und Brausepulver experimentiert, um Limonade herzustellen. Er ließ das Ganze draußen stehen, vergaß es, es kam eine ungewöhnlich kalte Nacht, und am nächsten Morgen hatte er statt einer neuen Limonadensorte das Eis am Stiel erfunden. Wobei es damals streng genommen noch ein Eis am Löffel war.

Nachos

Der Nacho-Klassiker, Tortilla-Chips mit Jalapeños und mit Käse überbacken, wurde nicht etwa in einer Studenten-WG-Küche erfunden, sondern sehr wohl in einem Restaurant. Als 1943 eine Gruppe amerikanischer Touristinnen das Restaurant von Ignacio Anaya in der mexikanischen Kleinstadt Piedras Negras besucht, hat der Besitzer ein Problem: Sein Koch fehlt, und er selbst kann gar nicht kochen. Kurzerhand schmeißt er zusammen, was er in der Küche findet, eben: Tortilla-Chips, Käse und Jalapeños. Seitdem ist das Gericht als Nachos bekannt – Nacho ist die Kurzform für Ignacio.

Weißwurst

Angeblich war es ein gewisser Sepp Moser aus München, Wirt in der Bierwirtschaft Zum Ewigen Licht, der die Weißwurst erfand. Der Legende nach gehen ihm an einem Montag im Februar 1857 die Schafsdärme aus, um seine Bratwürste zu herzustellen. In der Not benutzt er Schweinsdärme, den Fehleinkauf eines Lehrlings. Er fürchtet, diese Haut könne reißen, wenn er sie brate. Drum kocht er seine Wurst. Ob das so war? Ein Münchner Stadtarchivar hat berechtigte Zweifel, schreibt in einem Aufsatz aber auch, man könne nicht beweisen, dass der "Moser Sepp" die Münchner Weißwurst nicht erfunden habe.

Kaiserschmarrn

Eine ganze Vielzahl von Legenden erklären, wie der Kaiserschmarrn erfunden wurde. Eine dieser Legenden berichtet von einem Missgeschick, wonach ein einfacher Pfannkuchen, zubereitet für den österreichischen Kaiser Franz Joseph I., dem Koch misslingt: Der Pfannkuchen ist zu dick oder gerissen. Um seinen Fehler zu vertuschen, zerteilt der Koch den mangelhaften Pfannkuchen in viele Stücke, bestreut ihn mit Puderzucker und richtet ihn mit Rosinen an. Seinen Namen bekam das Gericht, weil es ein Schmarrn gewesen sei. Ob die Anekdote ebenfalls ein Schmarrn ist, lässt sich nicht mehr herausfinden.

Kommentare

25 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren