Helmut Schmidts Hamburg Galerie Herold

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Es war 1983, erinnert sich Rainer Herold, "da ist er eines Tages unangemeldet aufgetaucht, ein Sicherheitsbeamter draußen, einer drinnen". Helmut Schmidt betrat Herolds Galerie, damals noch in der Poststraße, schaute sich um und fand Gefallen an einem Gemälde des eher unbekannten Malers Paul Bollmann, einer Hafenszene, die ihn an ein Bild des Franzosen Albert Marquet erinnerte. "Das hat er bei mir erworben", sagt Rainer Herold. Für 3.000 bis 4.000 Mark.

Von diesem Tag an riss das Gespräch über die Kunst zwischen dem Ex-Kanzler und dem Galeristen drei Jahrzehnte lang nicht mehr ab. Elf Bilder hat Schmidt bei Herold gekauft. Sie fanden ihren Platz in Schmidts Langenhorner Haus, wo an den Wänden die Bilder dicht an dicht hingen: Emil Nolde, Paula Modersohn-Becker, Otto Modersohn, Oskar Kokoschka, Bernhard Heisig. Eine sehr persönliche Sammlung, zusammengetragen von einem Politiker, der als Pragmatiker galt, aber ohne Kunst, Musik und Literatur nicht leben und arbeiten konnte.

Zweimal zog die Galerie Herold um, von der Poststraße an den Loogeplatz in Eppendorf, dann zurück in die Innenstadt, wo sie heute in den Colonnaden ihre Räume hat, gleich hinter dem Hotel Vier Jahreszeiten. Am Loogeplatz kamen Helmut und Loki Schmidt einmal kurz vor Weihnachten zu einer Vernissage. Ihr Blick fiel auf ein Gemälde von Ernst Eitner, Gründungsmitglied des Hamburgischen Künstlerclubs von 1897: ein Dampfer auf der Binnenalster, vor der Silhouette der Stadt in der Abendsonne. "Das haben sie sich zu Weihnachten geschenkt."

War ein Bild erworben, machte sich Rainer Herold damit auf den Weg nach Langenhorn. "Das wurde dann ein bisschen zelebriert." Kaffee und Kuchen standen schon bereit. "Ich habe das Bild ausgepackt. Wir haben uns eine halbe Stunde unterhalten. Und dann haben wir an der Wand einen Platz gesucht. Am Ende hat mir Loki immer selbst gemachtes Quittengelee geschenkt."

Im November 2005 kamen zur Eröffnung der neuen Räume in den Colonnaden unangekündigt auch die Schmidts. Sie nahmen auf dem roten Barocksofa Platz, 400 bis 500 Gäste standen um sie herum. Rainer Herold begrüßte alle, dankte den Schmidts für ihr Kommen: Er sei nur ein bisschen enttäuscht, dass Loki ihm kein Quittengelee mitgebracht habe.

Am nächsten Tag erschien Helmut Schmidts Fahrer in der Galerie und überreichte eine Tüte mit Quittengelee-Gläsern.

"Wir mochten uns", sagt Rainer Herold. Über Politik sei nie gesprochen worden. Schmidt habe ein gutes Gefühl für Kunst gehabt. "Bei ihm spielte der Bauch eine Rolle. Da ich auch ein Bauchmensch bin, haben wir uns gut verstanden." Dachte Schmidt über einen Kauf nach, hieß es entweder: Nee, kann ich mir nicht leisten. Oder: Schicken Sie mir die Rechnung. "Meist hieß es: Schicken Sie mir die Rechnung."

Heute steht in der Galerie eine Bronze-Skulptur von Helmut Schmidt. Gleich wenn man reinkommt, links. Der Maler und Bildhauer Rainer Fetting hat sie geschaffen. Er hat die Skulptur ein wenig angemalt, auf die Spitze der Zigarette in Schmidts linker Hand hat er gelbe und rote Farbe getupft. So als glühte sie noch.

In jeder ZEITmagazin-Hamburg-Ausgabe stellt unser Kolumnist Matthias Naß einen Lieblingsort von Helmut Schmidt vor.

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