Unter Strom Mirko Borsche lässt seinen Sohn eine Smartwatch für Kinder ausprobieren

Foto VTech
ZEITmagazin Nr. 19/2017

Ich habe hier ja schon einige Smartwatches ausprobiert, die mich alle nicht überzeugt haben. Ich mag mir einfach nicht sagen lassen, ich sei zu wenig gelaufen, und ich muss auch nicht ständig wissen, wie schnell mein Puls schlägt. Wahrscheinlich bin ich einfach zu bockig für diese Geräte. Oder zu alt. Denn mein kleiner Sohn, neun Jahre alt, ist da ganz anderer Meinung. Ein paar Tage lang durfte er die Kidizoom Smartwatch 2 ausprobieren, eine Smartwatch für Kinder, mit der man fotografieren, Videos drehen und Sprachaufnahmen machen kann, die eine Stoppuhr hat, einige Spiele, einen Fitnesstracker und so weiter. Mein Sohn fand das natürlich super. Ein bisschen zu super, für meinen Geschmack. Denn ganz ehrlich: Wozu muss ein Kind seine Schritte zählen? Der kleine Mann ist eh ständig am Rennen. Gehen, glaube ich, sieht er als Zeitverschwendung.

Mirko Borsche

Creative Director des ZEITmagazins, schreibt jede Woche die Kolumne Unter Strom.

Auf mich machte die Uhr eher den Eindruck, kein Spielzeug, sondern eine Art Einstiegsdroge zu sein, damit er für den Rest seines Lebens denkt, dass er ohne Smartwatch nicht mehr auskommt. Und ich kann nicht kontrollieren, wann und wie viel er sich mit der Uhr beschäftigt, denn sie ist einfach immer dabei – in der Schule genauso wie beim Spaziergang. Dabei braucht er den ganzen Quatsch gar nicht, es macht ihm genauso viel Spaß, stundenlang im Hörspiel Der kleine Hobbit zu versinken oder Der Herr der Ringe zu lesen und anschließend beim Spaziergang im Wald Stöcke zu suchen, aus denen man ein Schwert basteln kann. Ich finde, diese Uhr ist kein Gerät, das man Kindern an die Hand geben sollte. An den schmalen Handgelenken wirkt sie eh monströs. Zum Glück werden alle Testgeräte nach wenigen Tagen wieder zurückgeschickt, somit war das Thema schnell vergessen.

Technische Daten

Größe: 4,6 breit, 21,3 cm lang (inkl. Band) und 1,5 cm dick
Gewicht: 100 Gramm
Batterie: B109 (nicht inkl.)
Preis: 49,99 Euro

Hinweis d. Red.: Im Originalartikel gab es leider falsche Größenangaben. Wir haben das korrigiert.

Kommentare

1 Kommentar Kommentieren

Technikverweigerer :)
Ich habe nun vier solcher Uhren in Gebrauch. Zwei weitere haben neue Besitzer gefunden. Grundsätzlich ist man durchaus selbst Herr über sich, seine Uhr, erhobene Daten und deren Verwendung. Wenn ich meine Uhr als normale nutzen möchte, dann bleibt eben Bluetooth aus und ich schaue mir die Daten des Fitnesstrackers einfach nicht an. Für mich zählen die Vorteile dann, wenn ich sie will und brauche.
Haben sie eigentlich eine Türklingel zuhause? Was machen sie mit der, wenn sie nicht gestört werden wollen?