Gesellschaftskritik Über Trennungssätze

© Patrick Seeger /dpa
ZEITmagazin Nr. 20/2017

Es ist Frühling, die Vögel zwitschern in den schönsten Klingeltönen. Und wir steigen wieder von unseren Gipfeln der Verzweiflung herab und haben Tränen der Rührung in den Augen, das liegt an so schönen Meldungen wie diesen: Die Ochsenknechts heiraten wieder!, lesen wir zum Beispiel in den Illustrierten, und während wir grübeln, ob lediglich ein Ausrufezeichen diesem Sachverhalt angemessen ist, ob wir da wohl vorbeischauen dürfen und woher überhaupt dieses Cabrio-Gefühl kommt, das uns im Frühjahr immer ergreift, schalmeien wir "Amore, Amore", und das gar nicht schlecht. Leider lesen wir mit einem Auge weiter, und plötzlich zieht wieder tiefster November in unser Herz: Der Olympiasieger Fabian Hambüchen trennt sich von seiner Freundin Marcia Ev. Nun erscheint uns allerdings die Tatsache tröstlich, dass Fabian Hambüchen ein anständiger Mensch ist, und anständig wird hier bitte korrekt ausgesprochen, nämlich mit spitzem "st". Der Olympiasieger hat nämlich die Trennung so begründet: "Manchmal passt es, manchmal passt es halt nicht." Wo sonst Sätze fallen wie "Künftig wollen wir uns um unsere eigenen Karrieren kümmern", wo noch Wochen in WhatsApp-Gruppen nachgetreten wird und wo die Worte "unüberbrückbare Differenzen" so peitschen wie der Warentrenner, den jemand im Discounter vorwurfsvoll aufs Band knallt – da finden wir Hambüchens Pragmatismus vorbildlich. Wenn uns das Leben nasse Wolldecken auf die Schultern legt, wollen wir alle es ja zumindest mit guten Haltungsnoten überstehen.

Manchmal passt es, manchmal halt nicht – wo trifft dieser Satz nicht überall ins Schwarze! Bei bunten Socken zum Anzug, dem Schnaps nach dem Aufstehen, Black Metal beim Romantik-Dinner und der Mutter auf der Schraube. Es ist der Satz eines Optimisten, der nicht die innere Kündigung kennt, sondern nur die innere Gehaltserhöhung, und der weiß, dass auf ein trauriges Manchmal auch wieder ein fröhliches folgen wird. Ein Spruch, den man fürderhin in Gold rahmen und mit einem durchaus längeren Festakt einweihen sollte, mit Blaskapelle und interessantem Buffet aus variantenreichem Mischgemüse. Wir werden Sie zu gegebenem Zeitpunkt einladen. Und falls Sie bedauerlicherweise nicht können sollten, wissen Sie jetzt, was Sie sagen können, ohne Anstoß zu erregen, ohne Geschrei und Abmahnungen. Wir werden nicht böse sein.

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