Unter Strom Mirko Borsche versucht, sich selbst zu fotografieren – von oben aus der Luft

ZEITmagazin Nr. 24/2017

Es ist der Lauf der Dinge: Was gestern noch total angesagt war, ist heute normal und morgen altbacken. Früher oder später erwischt es jeden Trend. Und bald ist womöglich das – wie soll ich es ausdrücken? – klassische Selfie dran, also das Arm-ausstrecken-Selfie. Und das modernere Selfie, das mit dem Stick, gleich noch dazu. Denn gegen das neueste Ding sehen beide erst mal alt aus: das Air-Selfie.

Zumindest auf den ersten Blick fand ich die Idee cool: eine Minikamera, an deren Ecken vier Propeller sitzen, mit denen die Kamera wie eine Drohne in die Luft aufsteigen kann, um Bilder von oben zu schießen und diese dann aufs Smartphone zu schicken. Sieht in dem Promo-Video superlässig und einfach aus. Man transportiert die fliegende Kamera in einem gemeinsamen Handycover mit dem Smartphone, die beiden sind etwa gleich groß. Ganz praktisch. Aber dann wird’s kompliziert: Ich habe 20 Minuten gebraucht, um zu verstehen, wie man die beiden Geräte miteinander verbindet. Als es dann endlich losgehen konnte, war der Akku leer. Als der wieder voll war, musste ich die Geräte erst mal erneut miteinander mit einem langen Passwort verbinden. Dann war es gar nicht so leicht, die fliegende Kamera zu steuern – und nach zwei Minuten war der Akku schon wieder leer ... Für ein spontanes Bild hätte man den unvergesslichen Moment jetzt schon eine Stunde lang konservieren müssen, um ihn aufzunehmen. Und weil ich nicht richtig verstanden habe, wann die Kamera auslöst, hatte ich am Ende auf meinem Handy eine Menge vollkommen sinnloser Fotos: 15 Bilder meiner Sonnenbrille während des Aufladens, in dutzendfacher Großaufnahme mein Gesicht beim Verbinden der Geräte. Ich glaube, Arme und Sticks werden wohl noch eine gewisse Schonfrist bekommen.

Technische Daten

Größe: 6,8 x 9,5 x 1,1 cm
Gewicht: 61 g
Kamera: 5 Megapixel
Preis: 275 Euro

Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren