Stil Kopf hoch

ZEITmagazin Nr. 24/2017

Wann haben wir nur aufgehört, Bademützen zu tragen? Früher waren sie im Wasser Pflicht, ohne Kappe pfiff der Bademeister einen aus dem Becken. Heute sind sie fast verschwunden. Wir schwimmen lieber in Becken, in denen Haare treiben, als eine Kappe aufzuziehen. Menschen fühlen sich unwohl mit Badekappe, sogar lächerlich. Dabei sehen Köpfe mit nassem Haar nicht unbedingt besser aus als Köpfe mit Kappen. Wie schmückend nasses Haar ist, hängt nämlich sehr von der Beschaffenheit des Haares ab. Generell gilt: Nur ein Kopfbewuchs, der trocken gut aussieht, ist auch bei Nässe eine Freude. Zudem sorgt die Bademütze dafür, dass wir länger schwimmen können. Denn dabei entweicht viel Wärme über den Kopf, und eine Kopfbedeckung hilft, die Wärme zu bewahren.

Die Bademütze hat eine lange Tradition. Ende des 19. Jahrhunderts tauchten die ersten wasserabweisenden, aus Gummi gefertigten Exemplare auf. Sie dienten nicht nur der Hygiene, sondern auch der Keuschheit. Offene Haare galten selbst in Badeanstalten als unzüchtig. In den 1920er Jahren kamen modische Aspekte ins Spiel: Jetzt schmückte die den Kopf fest umschließenden Kappen ein attraktives Kinnband. Später waren Bademützen häufig mit Musterungen versehen und hatten einen exzentrischen Look. In den fünfziger und sechziger Jahren wurden sie dann mit künstlichen Blüten- oder Blätter-Applikationen dekoriert und wurden zum festen Bestandteil der Badegarderobe. Erst in den siebziger Jahren, als lange Haare plötzlich in waren, verschwand die Badekappe als Mode-Accessoire. Fortan war sie Ausstattungsmerkmal für Leistungsschwimmer. Heute sind Schwimmbäder aber keine Orte mehr für Sportler, es sind Planschanstalten mit 32 Grad Wassertemperatur und angeschlossener Wellnessabteilung. Das hat der Schwimmmütze den Rest gegeben. Niemand möchte so aussehen, als sei er die nächste deutsche Olympiahoffnung, wenn er in Wirklichkeit nur rumplanscht oder ein paar gemütliche Feierabendrunden dreht.

In dieser Saison kehrt die Badekappe nun als reich verziertes Accessoire für die Abendgarderobe zurück. Etwa bei Miu Miu und Dolce & Gabbana, in einer reduzierten Variante auch bei Maison Margiela. So können wir wieder ausprobieren, wie gut man eigentlich mit einer solchen Kopfbedeckung aussehen kann. Natürlich auch im Schwimmbad. Nur ins Wasser gehen sollte man mit den neuen Modellen nicht.

Foto: Peter Langer, Auch trocken schön: Kappe von Miu Miu, 1.500 Euro

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