Schönheitstrends Körpersprache

ZEITmagazin Nr. 29/2017
Früher gab es Make-up, den Beauty-Salon und Botox. Heute gibt es unzählige Begriffe, die keiner mehr versteht. Ein kleines Lexikon der Körperoptimierung. Von

Ab-Crack, der: vertikal vom Brustbein bis zum Bauchnabel verlaufender Graben, im medizinischen Fachjargon Linea alba genannt. Besitzerinnen eines Ab-Cracks verfügen meist über eine tief im Bauch liegende Sehnenplatte sowie wenig bis gar kein Unterhautfettgewebe. Es gilt die Instagram-Rechnung: weniger Unterhautfettgewebe = mehr Likes. Zu den prominentesten Trägerinnen eines Ab-Cracks zählen Bella Hadid und Emily Ratajkowski. Der Ab-Crack gilt als Nachfolger der → Thigh-Gap.

Contouring, das: von der Kardashian-Familie kultivierte, nicht invasive Modellierung des Gesichts, die eine schlankere, mitunter latent verhungert wirkende Form zum Ziel hat. Mithilfe eines "Contouring-Stiftes" wird das Gesicht entlang der zu modellierenden Stellen, etwa Wangenknochen und Nasenflügel, markiert und die aufgetragene Farbe anschließend in wischartigen Bewegungen mit einem Pinsel verteilt. Die Sichtung mehrerer YouTube-Tutorials und/oder die Teilnahme an einem Kunst-Leistungskurs verbessern nachweislich die Qualität des Ergebnisses.

Detox, der: in der Regel kurzfristige Form der Askese mit dem Ziel, Körper und Geist von toxischen Eindringlingen zu reinigen. Detox erfordert die Eliminierung bestimmter Lebensmittel und/oder Angewohnheiten, die für die Kontamination verantwortlich gemacht werden, wie etwa Nikotin-, Zucker-, Kohlenhydrat-, Alkohol- oder Internetkonsum. Bei besonders aufwendigen Detox-Kuren, die etwa feste Nahrung oder das Berühren eines Smartphones verbieten, spricht man von "Detox-Challenge".

Kryotherapie, die: kräfte- und nervenschonende Alternative zu konventionellen Methoden des Fettverlusts (Bewegung, gesunde Ernährung), die durch die Kältebehandlung kälteempfindlicher Fettzellen erzielt wird. Zu den verschiedenen Formen der Kryotherapie zählt das Betreten einer Kryosauna, in der Therapieteilnehmer für wenige Minuten bei Temperaturen von bis zu minus 160 Grad Celsius schockartig tiefgekühlt werden, was einen kurzfristig angeregten Stoffwechsel und damit erhöhten Energieaufwand zur Folge hat. Geeignet für Menschen, die früher glaubten, Saunagänge machten schlank.

Microblading, das: Tätowieren zusätzlicher Härchen unter Einsatz eines skalpellähnlichen Instruments, das Striche in die Haut einritzt, die anschließend mit Farbe ausgefüllt werden. Trotz der mit dem Microblading verbundenen Schmerzen wird die Prozedur von Feministinnen wie Lena Dunham befürwortet. Buschige Augenbrauen lassen den Betrachter auf uneingeschränkten Haarwuchs bei der Trägerin schließen und werden daher als Teil der Befreiung von traditionellen Schönheitsidealen wie etwa der Ganzkörperenthaarung betrachtet. Für diese Theorie unerheblich ist, ob der üppige Augenbrauenwuchs tatsächlich unkontrolliert und natürlich ist.

Post-Baby-Makeover, das: Kombination diverser postnataler Eingriffe, auch invasiver Art, die der Restauration des mütterlichen Körpers nach dem Wochenbett dienen. Der Begriff ist eine Erweiterung des Makeovers, eines aus Highschool-Filmen der neunziger Jahre bekannten Verfahrens, bei dem eine meist unbeliebte Minderjährige von kundigen Mitschülerinnen eine neue Frisur, eine Beinrasur sowie einen neuen Bekleidungsstil verpasst bekommt (vgl. z. B. Clueless, 1995).

Thigh-Gap, die: durch vorteilhaften Knochenbau sowie günstige Beckenstellung und Fettverteilung an den Oberschenkeln herbeigeführte Lücke, die sich unterhalb des Schritts zwischen den Oberschenkeln auftut. Ein geschickt gewählter Winkel beim Fotografieren kann die Optik der Thigh-Gap zusätzlich optimieren. Die Thigh-Gap gilt, ähnlich wie der → Ab-Crack, unter NutzerInnen sozialer Netzwerke (insb. Instagram) als Beleg für ein kontrolliertes Essverhalten und Selbstkontrolle im Allgemeinen.

Undone-Look, der: mühelos wirkendes, das heißt durch viel Mühe herbeigeführtes Erscheinungsbild insbesondere der Haare, das durch den Einsatz diverser kosmetischer Produkte wie Trockenshampoo und Lockenstab erzielt wird. Ziel des Undone-Looks ist die Illusion gerade aus dem Bett gestiegener Schönheit; nicht zu verwechseln ist der Undone-Look mit tatsächlich mühelosen Erscheinungen, etwa der von Michel Houellebecq. Zu den Risiken und Nebenwirkungen des Undone-Looks zählt ein verstärkter Talggeruch, da für ein gelungenes Ergebnis vom Haarewaschen abgeraten wird.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Diskutieren Sie mit.