© Chris Saunders für ZEITmagazin

Südafrika Starker Auftritt

Die südafrikanischen Pantsula-Gruppen sehen aus wie Popbands, sind aber keine. Der Fotograf Chris Saunders hat die Tänzerinnen und Tänzer in den Townships besucht Von
ZEITmagazin Nr. 30/2017

Pantsula ist ein Tanz, doch manchmal drückt Pantsula sich auch in bloßen Blicken aus. Zum Beispiel auf dem Foto der vier rot-weiß gekleideten jungen Männer auf Seite 29: Sie posieren wie eine Band, mit verschränkten Armen, und schauen weg von der Kamera, in die Ferne. Stolz und selbstbewusst. Das Weiß ihrer Hemden, Hosen und Schuhe strahlt, obwohl sie, wie fast alle Pantsula-Tänzer, im Freien tanzen, auf den sandigen Straßen der Townships Südafrikas.

Das Wort Pantsula ist Zulu und heißt übersetzt "wie eine Ente watscheln". Der Tanzstil wurzelt in den Fünfzigern, in der Jazzszene der Township Sophiatown in der Nähe von Johannesburg. Das Bild der watschelnden Ente aber täuscht: In Wahrheit ist Pantsula explosiv, eine spektakuläre Mischung aus Stepptanz und Breakdance.

In den siebziger und achtziger Jahren breitete sich Pantsula in Südafrika aus. Die strahlend bunten Anzüge und die Exaltiertheit der Posen und Schritte galten nicht nur als cool, sondern in Zeiten der Apartheid auch als Zeichen der Selbstbehauptung angesichts der Unterdrückung durch die weiße Bevölkerung.

Das Bedürfnis nach Selbstbehauptung besteht in den Townships noch heute. Denn auch wenn mit der Präsidentschaft Nelson Mandelas nach der ersten demokratischen Wahl Südafrikas im Jahr 1994 die Apartheid endete, blieben die Lebensbedingungen in den von Schwarzen bewohnten Townships ärmlich. Pantsula ist dort mittlerweile die vorherrschende Jugendbewegung.

Zu einer Pantsula-Crew zu gehören ist für einen jungen Menschen zwar kein richtiger Job, kann für ihn aber ein besseres Leben bedeuten, als es viele der Nachbarn führen: ein Leben ohne Alkohol und Drogen, eines, in dem man auf sich und seinen Körper achtet. Ein Leben, in dem Menschen einem für das, was man tut, Applaus spenden.

Der Fotograf Chris Saunders ist fünf Jahre lang durch Townships gereist, um Pantsula-Gruppen zu fotografieren. Er sah ihnen dabei zu, wie sie täglich stundenlang gemeinsam auf Straßen und in Hinterhöfen trainierten. Saunders’ Fotos zeigen die Auftritte der Pantsula-Gruppen als schillernde Lichtblicke in karger Umgebung. An der Recherche war auch die Deutsche Daniela Göller beteiligt, die die Pantsula-Kultur an der University of Johannesburg erforscht.Im Mittelpunkt von Pantsula steht nicht die Musik – mal Pop, mal Housemusik –, sondern die Tänzer, die Männer und Frauen, und ihre Fähigkeiten.

Und als wollten sie ihre Coolness noch unterstreichen, tragen viele von ihnen strahlend weiße Handschuhe wie einst Michael Jackson. Ihre ausgestreckten Finger wirken darin wie Ausrufezeichen.

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