Mystik Zauberhafte Mode

ZEITmagazin Nr. 32/2017

Die Aufklärung ist schön und gut – aber gleichzeitig ist sie auch eine Zumutung, denn sie lässt das Metaphysische einfach links liegen und bleibt uns Antworten auf existenzielle Fragen trotzdem schuldig: Warum begehren wir? Wofür leben wir? Was kommt danach? Und was soll das alles überhaupt? Vieles ist natürlich geklärt und ein für alle Mal entzaubert – trotzdem beschwört die Mode immer mal wieder die magischen Symbole und zitiert das Geheimnisvolle. Warum ist das so?

Seit Langem bedienen sich Designer okkulter Embleme. Schon Coco Chanel hatte ein Faible für Glücksbringer und sammelte mit Leidenschaft esoterische Bücher, auch Christian Dior glaubte an Übersinnliches. Der Totenkopf war ein beliebtes Stilmittel des verstorbenen Designers Alexander McQueen und ist es noch bei Philipp Plein. Auch bei Givenchy waren schon Totenköpfe zu sehen. Sie stehen für die Macht über Leben und Tod. Was ja in gewisser Weise auch ein Wesenszug der Mode ist, die die Illusion ewiger Jugend heraufbeschwört. Ohnehin sind Mode und Mysterium eng verwandt. Man kann unmöglich zaubern, ohne dabei eine bestimmte Kleidung zu tragen. Ohne Zylinder kein Kaninchen, ohne Hogwarts-Krawatte kein Harry Potter.

Wer immer sich mit einer mystischen Aura umgeben möchte, braucht also dringend die entsprechende Garderobe. Die Mode des kommenden Herbstes eignet sich gut dazu, denn sie hält vieles bereit, was man für ein kultisches Erlebnis gut gebrauchen könnte. Bei Alexander McQueen sah man auf den Modenschauen Looks mit bunten Bändern, was sich auf einen Brauch aus Cornwall bezog, einer frühen Hochburg der Hexerei, wo man magische Bäume schmückte. Bei Dior setzte die Designerin Maria Grazia Chiuri auf die Inszenierung der Models auf dem Laufsteg als Hexen und ließ kleine magische Motive wie die Symbole von Tarotkarten in ihre Couture-Kleider einsticken. Und Prada bringt eine Schmuckkollektion mit Tiersymbolen auf den Markt, die von Talismanen inspiriert sind.

Offenbar passt die Hexe gut in unsere Zeit. Man stellt sie sich als Person mit magischem Wissen und Kontakt zu uralten Mächten vor. Noch dazu orientieren sich Hexen nicht an Schönheitsidealen und sind schon gar nicht daran interessiert, irgendwelchen Männern zu gefallen. Ein solches Wesen scheint modernen Sehnsüchten zu entsprechen. Zum aktuellen Trend sei angemerkt, dass die Hexe als Wesen immer ein Konstrukt der Männerwelt war. Es diente als Rechtfertigung, um Frauen die grausamsten Dinge anzutun, die man sich nur vorstellen kann. Rettung brachte erst die Aufklärung.

Foto: Peter Langer / It´s magic: Talisman-Schmuck von Prada aus Silber und Holz

Kommentare

11 Kommentare Kommentieren

"Hexe als Wesen immer ein Konstrukt der Männerwelt"?? Hier spricht Bibi Blocksberg, im Brustton der Entrüstung, bei Brünhilde! Niemals, ich betone: niemals, hat die "Männerwelt" (püüh, was für eine eindimensionale Sichtweise!) die selbstbestimmte Daseinsweise von mir und meinen VorfahrInnen geschaffen. Das ist eine impertinentpatriachalische Unterstellung, die voller Geschichtsvergessenheit die uralten Kenntnisse und Riten aus einer vorchristlichen Ära einfach weg ... nun ja, zaubern will. Allein schon mein Name "Hagazussa" stammt aus Zeiten, wo Elbinnen die wahren Stäbchen der Weissagung warfen, während ihre Brüder, diese tumben Söhne Odins, sich bei den Runen verschnitzten. "Haugatjös" (altnorweg.) heißt "das Waldmädchen" - wie "Hagustalt" der unverheiratete Waldbewohner war (ha, Hagestolz!). Die Sage, wonach ich auf einer Dachlatte (hag?!) durch die Lüfte reise, ist Geschwätz unverständiger Vögel - mein Begleiter heißt "Hugi" und ist ein kluger Rabe (ha, Haugi!).
Ach ja, "Genderwahn-Schleuse" kann nur jemand schreiben, dem eben dieser Rabe ins Hirn gesch... hat (liebe Schwester netiquette, bitte um Nachsicht - Du würdest doch keiner kleinen Hexe das Wort entziehen).