Unter Strom Mirko Borsche lernt Gitarre spielen nach Erinnerung

Von
ZEITmagazin Nr. 33/2017

Mit sieben war ich in ein Mädchen verknallt, das nebenan wohnte und unheimlich gut Klavier spielen konnte. Ich war leider musikalisch vollkommen ungebildet. Einmal hat sie mir den Flohwalzer beigebracht, was ich toll fand, weil ich ihr nah sein konnte. Zu mehr habe ich es auf dem Klavier allerdings nicht gebracht.

Dabei wollte ich eigentlich gern ein Instrument spielen können. Der Typ mit der Gitarre am Lagerfeuer sein, der mit seinen fünf Akkorden die Mädels beeindruckt. Aber leider habe ich das versäumt. Und so dachte ich, vielleicht ist der Jamstik meine letzte Chance: eine Art digitale Gitarre, mit der man, zumindest wird sie so beworben, Gitarre spielen lernen kann. Der Jamstik ist aus leichtem Kunststoff, hat fünf Bünde, sein Ton wird in dem Tablet oder Computer erzeugt, mit dem man ihn per Bluetooth oder USB-Kabel verbinden kann. Als Anfänger habe ich mir die kostenlose App "fourchords" runtergeladen, mit der man auf dem Jamstik Songs spielen lernen kann. Sie zeigt einem visuell, wie man für einen bestimmten Akkord die Finger auf die Saiten halten muss. Eigentlich einfach, aber natürlich lernt man so nicht, nach Noten zu spielen, sondern nur nach visueller Erinnerung. Der Klang erinnerte mich eher an ein Cembalo, und er ertönte leicht zeitversetzt, was irritiert. Zudem glaube ich, dass man mit einer richtigen Gitarre, die zumindest für Anfänger ja nicht unbedingt mehr kosten muss, am Lagerfeuer irgendwie den besseren Auftritt hinlegt.

Mein größtes Problem an der Sache war aber ich selbst: Mir fehlt die Geduld zum Üben. Und das, obwohl ich Musik über alles liebe. Vielleicht liegt es genau daran: Weil ich weiß, wie schön Musik sein kann, ertrage ich es einfach nicht, mir selbst beim Stümpern zuzuhören.

Technische Daten

Länge: 42 cm

Gewicht: 850 g

Saitenmaterial: Stahl

Preis: 289 Euro

Kommentare

34 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren