Ich habe einen Traum Klaus Voormann

"Bis heute träume ich oft von meinem Freund George Harrison"
© Klaus Voormann
ZEITmagazin Nr. 33/2017

Ich hatte in meinem Leben mit vielen sehr berühmten Musikern zu tun, und die meisten Leute denken, dass es sich irgendwie unwirklich anfühlen muss, wenn man mit solchen Menschen zusammen ist. Das tut es aber nicht. Surreal habe ich immer nur den Wirbel gefunden, der um diese Leute gemacht wird.

Deren Realität hat sehr oft nichts mit irgendwelchen Träumen zu tun. Als ich damals, Anfang der sechziger Jahre, in Hamburg die Beatles kennenlernte, war ich zum Beispiel geschockt, zu sehen, wie sie dort wohnten: in einem kleinen Zimmer im Bambi-Kino in der Nähe der Reeperbahn. Das war wirklich eine Besenkammer ohne Fenster, in der ein paar Matratzen lagen, von der Decke hing eine Glühbirne herab. Heute ist es kaum noch vorstellbar, dass die Beatles mal so gelebt haben.

Damals war die Reeperbahn noch eine gefährliche Gegend. Wenn ich zum Kaiserkeller ging, um einen Auftritt der Beatles zu sehen, standen da harte Burschen mit schwarzen Lederjacken und Schlagringen herum. Ich hatte erst Angst, reinzugehen, habe mich dann aber doch getraut. Das war alles ziemlich real und derbe. Wenn es dort mal zu Schlägereien kam, ging es richtig ab. Weil meine Freunde und ich wirklich nur wegen der Musik gekommen waren, taten sich die Kellner und Türsteher in brenzligen Situationen zusammen, um uns zu beschützen. Die Band brachte sich dann immer schnell in irgendeiner Ecke in Sicherheit.

Bis heute träume ich oft von meinem Freund George Harrison. Was genau in diesen Träumen passiert, habe ich beim Aufwachen meistens schon wieder vergessen. Ich weiß nur, dass er in meinen Träumen jung ist, er sieht etwa so aus wie in den siebziger Jahren. Vermutlich träume ich einfach deshalb häufiger von George als von den anderen drei Beatles, weil ich mehr mit ihm zu tun hatte. Mit George und Ringo hatte ich zwar schon 1963 eine Weile in ihrer Londoner Wohnung gelebt, wirklich nahe kam ich George aber erst später, nach dem Ende der Beatles. Da wohnte ich dann eine Weile in seinem Anwesen Friar Park in Oxfordshire. Wir sind dort immer in seinem Garten spazieren gegangen, und er erzählte mir dabei von seinen Problemen. Wann immer er in späteren Jahren bei mir in der Nähe war, meldete er sich, und dann trafen wir uns.

Wirklichkeit und Träume haben sich in meinem Leben oft vermischt. Vielleicht empfinde ich jetzt das im Alter auch nur intensiver als früher. Aber ich habe tatsächlich schon Sachen erlebt, von denen ich später nicht mehr so genau sagen konnte, ob ich sie geträumt habe oder ob diese Sachen wirklich passiert sind.

Zum Beispiel war ich mal mit Elton John und Ringo Starr in einem riesigen Flugzeug. Die Sessel waren rausgenommen worden, und stattdessen stand da ein schön gedeckter Tisch mit weißer Tischdecke, an dem wir gemeinsam aßen. Ich erinnere mich gut daran – bin mir aber nicht sicher, ob es wirklich passiert ist.

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