Die großen Fragen der Liebe Muss sie etwas gegen das Dreiecksverhältnis unternehmen?

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ZEITmagazin Nr. 33/2017

Die Frage: Lisa ist mit einem verheirateten Mann zusammen, der mit seiner Frau zwei Kinder hat und mit ihr eine Web-Agentur führt. Lisas Freundin Petra streitet deshalb öfter mit ihr. Aber Lisa verteidigt ihren Liebhaber Georg: "Er kann sich nicht trennen, das würde ihn die Kinder kosten und finanziell ruinieren. Er schläft nicht mehr mit seiner Frau. Ich muss ihm Zeit lassen!" Solche Beziehungen seien immer ein Fehler, sagt Petra. Lisa meidet künftig das Gespräch mit Petra. Petra erschrickt sehr, als sie erfährt, dass Lisa eine Überdosis Tabletten geschluckt hat, weil Georgs Frau hinter ihr Verhältnis kam und Georg seither den Kontakt verweigert. "Was habe ich falsch gemacht, dass du mir nichts von deiner Verzweiflung erzählt hast?", will Petra von Lisa wissen.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Wann brauchen wir mehr den Trost unserer Freunde als in den Krisen, die wir uns selbst geschaffen haben? Moralische Ermahnungen mögen gut gemeint sein, aber sie haben oft auch eine vertrackte Beigabe von Eitelkeit und Besserwisserei. Petra ist Lisa nicht gerecht geworden. Wer sich verliebt und in die stürmischen Gewässer der heimlichen Liebe gerät, braucht eher Freunde mit trockenen Handtüchern als kalte Duschen, die an seiner riskanten Situation nichts bessern. Kein nachdenklicher Freund würde zu solchen Dreiecksbeziehungen auffordern, aber wenn sie nun einmal Schicksal geworden sind, hat die Suche nach dem kleineren Übel Vorrang. Wir wissen nicht, ob Petras Empathie Lisa vor ihrem verzweifelten Schritt bewahrt hätte. Angebracht wäre sie auf jeden Fall.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Zuletzt erschien sein Buch "Die Seele des Psychologen. Ein autobiografisches Fragment" (Orell Füssli)

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