© Silvio Knezevic

Wochenmarkt Ein Kuchen zum Hineinlegen

Von
ZEITmagazin Nr. 34/2017

In der wunderschön gelegenen Stadt Sedona in Arizona gibt es ein von der Vogue empfohlenes Café, das unter anderem Schokoladenpudding aus Avocadopüree und Donuts aus Maismehl und Kokosöl anbietet, die aber leider nach Blumenerde schmecken. Man muss natürlich längst nicht mehr bis Sedona fahren, um solchen Gerichten zu begegnen. Jeder soll essen, worauf er Appetit hat – aber die Art, nach der in manchen dieser Frei-von-irgendwas-Restaurants mit den absurdesten Ersatzzuckern und -fetten gekocht wird, hat leider oft den Qualitätsstandard kindlicher Versuchsküchen. Vor allem ist sie sehr verkrampft, wozu unter anderem das Vokabular beiträgt, mit dem Gerichte wie besagte Donuts beworben werden: enzyme-rich, uncooked, truly raw, was auch immer das heißen soll. Sie schmecken trotzdem nicht!

Da ist einem dieser Aprikosenkuchen doch viel sympathischer. Er ist verwandt mit dem Clafoutis und kommt ohne Mehl aus. Hauptsächlich besteht er aus Mandeln und Aprikosen. Dass er so gesund ist, kann allerdings nur Zufall sein, schließlich ist seine Heimat, die Provence, keine für modische Schlankheitsküche bekannte Region. Sie werden sich in diesen Kuchen hineinlegen wollen wie in ein sonnenbeschienenes Lavendelfeld, nach dem er übrigens auch ein bisschen schmeckt, aber nur ein bisschen. Das Rezept stammt aus dem großartigen Kochbuch Genießer unterwegs – Provence: Rezepte und kulinarische Notizen aus dem Jahr 2003, leider kann man es nicht mehr kaufen, wahrscheinlich wurde es von veganen Kochbüchern vom Markt verdrängt.

Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Eine Tarte-Form mit Butter einfetten und mit Puderzucker bestäuben. Die Mandeln mit den Eiern, der zerlassenen Butter, dem Puderzucker, Salz, Honig und den Lavendelblüten verrühren und in die Tarte-Form füllen. Aprikosenviertel daraufsetzen. 35 Minuten lang backen, dabei die Form nach der Hälfte der Zeit um 180 Grad drehen, damit der Kuchen gleichmäßig gebräunt wird.

Aprikosenkuchen mit Lavendel

Zutaten für eine Tarte-Form mit 28 cm Durchmesser: 2 TL Butter und Puderzucker für die Form, 220 g gemahlene Mandeln, 3 Eier, 90 g zerlassene und abgekühlte Butter, 3 EL Puderzucker, 1 Prise Salz , 90 g Lavendelhonig, 1 TL abgezupfte Lavendelblüten, 12 Aprikosen, entsteint und geviertelt

Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Ich habe den Kuchen heute mit "reifen" Aprikosen aus Frankreich gebacken. Sie haben immer noch mehr Aroma als die türkischen Zuckeraprikosen, die ich einfach nur süß finde. Wirklich aromatische Aprikosen gibt es nur in Südfrankreich, der Wachau und Südeuropa, wo die Früchte reif gepflückt werden können. Der Kuchen ist lecker, braucht allerdings viel Süße, weil die Aprikosen zwar orangefarben leuchten, aber leider nach dem Backen recht sauer sind. Der Teig erscheint mir etwas trocken-krümelig und könnte optimiert werden. Insgesamt aber ein schöner Augustkuchen!