Gesellschaftskritik Über Käsebrote

© Pascal Le Segretain/Getty Images
ZEITmagazin Nr. 34/2017

Manche Dinge scheinen ja nur ganz langsam in die Köpfe der Menschen zu sickern. Zum Beispiel die Tatsache, dass einige Frauen und Männer nicht Frauen oder Männer lieben, sondern Frauen und Männer. Man muss es anscheinend wieder und wieder erklären. So war die Schauspielerin Kristen Stewart einst mit ihrem Filmkollegen Robert Pattinson zusammen, später mit Alicia Cargile, momentan ist sie mit dem Model Stella Maxwell glücklich. Aber sie würde auch wieder Männer daten, erklärte Stewart vor Kurzem: "Manche Leute wissen, dass sie Käse-Sandwiches mögen, und essen sie jeden Tag bis ans Ende ihres Lebens." Sie aber wolle alle möglichen Köstlichkeiten ausprobieren: "Wenn ich einmal Käse-Sandwich habe, denk ich: 'Das war cool, was gibt’s als Nächstes?'"

Gefühle werden ja oft mithilfe von Vokabeln aus der Kulinarik umschrieben. Es scheint irgendwie eine tiefe Ähnlichkeit zwischen der Liebe und der Aufnahme von Nahrung zu geben. Maurice Sendak, der Autor des Kinderbuchs "Wo die wilden Kerle wohnen", erzählte einmal, er habe einem kleinen Jungen zum Dank für dessen Fanpost eine Karte gezeichnet und zugeschickt. Wenige Tage später erhielt er einen Brief von der Mutter des Jungen: Dieser habe sich so über die Karte gefreut, schrieb sie, dass er sie einfach aufgegessen habe. Der Junge hat die Karte seines Lieblingsautors zum Fressen gern gehabt.

Insofern passt Stewarts Vergleich zwischen Essen und Liebe schon mal ganz gut und leuchtet auch dem Begriffstutzigsten ein: Klar, jeden Tag Käsebrot, das geht gar nicht! Ich will auch mal Rühreier oder Spaghetti bolognese oder Kaviar auf Canapés! Botschaft angekommen: Kristen Stewart liebt eben heute Männer und morgen Frauen und dann vielleicht wieder Männer. Gesunde Mischkost, sozusagen.

Andererseits lässt Stewarts Käsebrot-Metapher doch auch ein paar existenzielle Fragen offen: An wen denkt sie, wenn sie Käsebrot sagt? Was hat das Käsebrot verbrochen, dass es für die Langeweile stehen muss? Wäre jeden Tag Sushi so viel besser? Und vor allem: Bin ich selbst vielleicht ein Käsebrot?

Leider wissen wir nicht, ob der immer etwas milchgesichtige Robert Pattinson sich die letzte Frage gestellt hat, als er Stewarts Erklärung hörte. Pattinson ist übrigens seit einer Weile verlobt. Immerhin ist das doch eine Nachricht, die Hoffnung macht: Des einen Käsebrot ist des anderen Sahneschnitte.

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