Stil Die Stirn bieten

© Peter Langer
ZEITmagazin Nr. 34/2017

Bei den Schauen von Chanel für den kommenden Herbst trugen alle Models Stirnbänder. Manche silbern glänzend, manche mit Perlen und Glitzersteinen bestickt. Alle so teuer, dass man von dem Gesamtwert der bei der Show offerierten Stirnbänder ein Haus kaufen könnte. Auch Gucci schmückte seine Models mit Stirnbändern. Bei Miu Miu gibt es Stirnbänder, die aussehen wie Turban-Kopfschmuck aus den zwanziger Jahren. Das alles muss nicht bedeuten, dass das Stirnband wirklich im kommenden Herbst ein großes Ding wird. Aber es lohnt sich auf jeden Fall, über das persönliche Verhältnis zum Stirnband nachzudenken.

Es gibt grundsätzlich drei Arten von Stirnbändern. Das wärmende Stirnband aus Strick, mit dem jeder Mensch aussieht wie ein Skihase. Irgendwie niedlich, gleichzeitig fällt es schwer, die richtige Frisur dazu zu finden, denn so ein kuscheliges Stirnband verwuschelt einfach alles. Für Männer hat das Winter-Stirnband keinerlei Vorteile gegenüber einer Mütze, da das Stirnband ausgerechnet die Stelle offen lässt, die man am liebsten verdecken würde: die Tonsur nämlich, wo der Haarausfall beginnt. Dann gibt es noch das Frottee-Schweißband, wie es die schwedische Tennislegende Björn Borg gern trug und das zur Standardausrüstung von Jane Fonda zählte, als diese Aerobic in die Welt brachte. Dieses Band hat einerseits mehr als 30 Jahre überstanden. Andererseits ist es aber eines der ganz wenigen Accessoires der Sportswear, das noch immer außerhalb einer Sportanlage als untragbar gilt. Wer mit Tennisschuhen ins Büro geht, macht einen sportlichen Eindruck. Wer im Büro ein Frotteeband trägt, würde als Spinner gelten. Wobei Frotteebänder auf dem Platz nicht weniger sinnvoll sind als gute Schuhe.

Und dann ist da noch das schmückende Stirnband. Es ist leider fast vollständig der Frau vorbehalten. Sie kann es wie ein Haarteil tragen oder als um den Kopf gebundenes Tuch. Für den Mann ist das schmückende Stirnband dagegen so gut wie ein Tabu. Der letzte, der es tragen konnte, war Sylvester Stallone in Rambo II, und der hat im Film jeden erschossen, den er mit dem Stirnband ausgerüstet traf. Er musste sich also keiner wirklichen Stilkritik seines Gegenübers stellen. Dabei ist das Stirnband eine durchaus männliche Erfindung. Man trug es in Japan einst unter dem Helm, um beim Kampf den Schweiß aus dem Gesicht zu halten. Noch heute ist das sogenannte Hachimaki ein Talisman: Man trägt es in wichtigen Situationen als Glückssymbol und Motivationshilfe. Studenten etwa binden es sich beim Lernen um und fühlen sich dann konzentrierter. So wäre ein Stirnband am Ende doch geeignet und schön fürs Büro: ein Accessoire für den konzentrierten Angestellten.

Kopfsache: Stirnband von Chanel

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