© Silvio Knezevic

Wochenmarkt Zum Glück gibt es Linda

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ZEITmagazin Nr. 35/2017

Es gab eine Zeit, da hat dieses Land über Kartoffeln gestritten. Ist schon eine Weile her. Ich erinnere mich vage. Es war das Jahr 2005, und Gerichte sollten klären, ob die Sorte Linda noch angebaut werden dürfe. Der Besitzer des Patents auf ihr Saatgut wollte sie vom Markt nehmen, was ihr Ende gewesen wäre. Die Freunde der Linda argumentierten, keine Kartoffel schmecke so gut wie sie. Die andere Seite dagegen gab zu bedenken, dass die Linda zu empfindlich sei für den Kartoffelmarkt, weil sie sich offenbar nicht so gut lagern lässt, und überhaupt: Kartoffel ist Kartoffel, und gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Die Fronten waren klar: Aroma versus Ökonomie, Lust versus Vernunft. Gewonnen hat David, also die kleine, gelbe, saftige Kartoffel. Sie ist aber auch toll. Man kann es mal ausprobieren: Wenn man mit ihr zum Beispiel einen Salat zubereitet, wie diesen reduzierten salade niçoise, könnte es passieren, dass die Leute am Tisch sich hinterher über Kartoffeln unterhalten.

Die Kartoffeln in Salzwasser gar kochen, schälen und in Scheiben schneiden. Das Dressing anrühren: Die Knoblauchzehe im Mörser zerstampfen, Anchovis fein hacken, beides mit Senf, Essig und fein gehackten Kapern verrühren. Unter Rühren Olivenöl dazugießen, bis die Soße sämig ist. (So eine rohe Knoblauchzehe ist köstlich, aber die Konsequenzen sind ja bekannt – muss man selbst entscheiden, wie schlimm man es findet, ein bisschen zu stinken.) Dressing über die Kartoffeln gießen. Bohnen in Salzwasser gar kochen, mundgerecht zerteilen, zu den Kartoffeln geben. Eier der Länge nach vierteln, zusammen mit dem Schnittlauch auf dem Salat anrichten.

Salat mit Kartoffeln, grünen Bohnen und Ei

Zutaten für 4 bis 6 Personen: 1 kg Kartoffeln, Salz, 1 Knoblauchzehe, 1 EL gehackte Anchovis, 2 TL scharfer Senf, 3 EL Weinessig, 1 EL gehackte Kapern, 5 EL Olivenöl, 500 g grüne Bohnen, 4 hart gekochte Eier, 1 EL gehackter Schnittlauch

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