Harald Martenstein Über Sprachguillotinen

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ZEITmagazin Nr. 37/2017

Im Deutschlandfunk war ein Interview mit dem Sprachwissenschaftler Jürgen Trabant zu hören. Er hat sich mit der Geschichte der politisch korrekten Sprache beschäftigt. Offenbar ist die politische Korrektheit in ihrer modernen Form ein Kind der Französischen Revolution. Es handelt sich um eine Idee der Jakobiner. Damals wurden zum Beispiel die Monate umbenannt. Monatsnamen wie "August" oder "Juli" erinnern an römische Kaiser, jede Erinnerung an die verdammenswerte Zeit der Kaiser und Könige sollte getilgt werden. Also hieß es fürderhin "Heißmonat", "Keimmonat" oder "Nebelmonat". Die Jakobiner haben übrigens auch die Guillotine als Argument in den politischen Diskurs eingeführt. Ein wichtiges Argument für die Guillotine war die soziale Gerechtigkeit. Die Strafe der Enthauptung ist vor der Revolution ein Privileg des Adels gewesen, und damit es in Frankreich sozial gerechter zugeht, sollte auch das gemeine Volk in den Genuss dieses Privilegs kommen.