© Bruno Staub

Hopper Penn "Ich hasse es, wenn alle Augen auf mich gerichtet sind, aber ich kann meine Miete davon bezahlen"

Hopper Penns Eltern sind Hollywood-Legenden. Deshalb tut es ihm gut, bis heute in einem Pizzaladen zu arbeiten. Warum will er jetzt doch zum Film? Von
ZEITmagazin Nr. 37/2017

Von Montag bis Freitag nimmt Hopper Penn in Lamonica’s NY Pizza Bestellungen auf. Bei Lamonica’s gebe es die beste Pizza in Los Angeles, wenn man eine im Stil der Ostküste suche, sagt er. Der Teig werde in Brooklyn angerührt und danach verschickt, weil es für den Geschmack wichtig sei, das Leitungswasser zu verwenden, das aus dem Hudson River gewonnen wird. Hopper weiß das, weil er dort selbst in der Küche gearbeitet hat. Er sei ein guter Koch, meint er, allerdings ein bisschen zu langsam für einen Pizzaladen, in dem die Gäste nicht gerne warten. Also arbeitet er nun im Service.

Es gäbe wohl einfachere Möglichkeiten für Hopper Penn, an Geld zu kommen. Sein Vater ist Sean Penn, der Hollywood-Schauspieler, seine Mutter ist Robin Wright, die Präsidentengattin Claire Underwood in der Serie House of Cards. Hopper Penn ist selbst Schauspieler, seit einigen Wochen ist er in dem Antikriegsfilm War Machine auf Netflix zu sehen, zusammen mit Brad Pitt und Tilda Swinton. Gerade hat er in Kanada gedreht. Er ist ein neues Gesicht in Hollywood. Und in New York hat ihn vor Kurzem eine große Modelagentur unter Vertrag genommen. Trotzdem bringt er den Leuten, die im Lamonica’s an den bunten Bistro-Tischen sitzen, Pizza.

Hopper Penn müsste nicht arbeiten. Aber was heißt schon müssen? Es tue gut, einer Arbeit nachzugehen, sagt er. Arbeit gebe Struktur und liefere einen Grund, morgens aufzustehen. "Ich will mich nicht daran gewöhnen, Filme zu machen und für ein paar Tage mehr Geld zu bekommen, als wenn ich wochenlang im Lamonica’s gearbeitet hätte. Das ist lächerlich. Ich möchte nicht wochenlang herumhängen und nichts zu tun haben. Ich will eine Arbeitsroutine."

Hopper Penn ist einerseits ganz am Anfang. Er ist 24 Jahre alt, gerade hat er seine erste Hauptrolle im Film Puppy Love gespielt, einem Liebesdrama des kanadischen Regisseurs Michael Maxxis. Er hat mit seiner Schwester Dylan für eine Kampagne der Marke Fendi gemodelt. Aber Hopper Penn war auch schon fast am Ende.

Wenn man ihm begegnet, fällt einem zuerst die Melancholie in seinem Blick auf. Und dann seine Freundlichkeit. Dabei wird er in den Boulevardmedien gerne als "Bad Boy" bezeichnet, weil er aufdringlichen Autogrammjägern schon mal den Mittelfinger zeigt. Er ist freundlich, aber nicht auf die abgeklärte, superprofessionelle Hollywood-Teflon-Art, sondern auf eine Weise, wie man nett zu Leuten ist, damit sie auch nett zu einem selbst sind. Hopper Penn ist offenbar jemand, der nicht möchte, dass andere etwas Schlechtes von ihm denken. Seine Bewegungen sind etwas linkisch, als wisse sein Kopf manchmal nicht, wohin mit dem Rest vom Körper. Ständig spielt er mit einem Buch herum, er hat sich angewöhnt, unterwegs zu lesen: Tennessee Williams, Collected Stories.

Wenn man sich mit Hopper Penn treffen will, bekommt man zuvor einen Anruf von seinem Agenten: Hopper wolle keinesfalls nach seinen Eltern gefragt werden. Er wolle nach vorne schauen und nicht zurück. Die Botschaft: Hopper Penn ist aus dem Schatten seines Vaters herausgetreten.

Dieser Schatten ist riesengroß. Er liegt über der ganzen Stadt. Wir treffen uns im Pink Motel, einer stillgelegten Motelanlage aus den achtziger Jahren, die gerne als Filmset genutzt wird. Zuletzt hat hier Netflix die Serie Glow gedreht. Die Serie handelt von einer Gruppe von Wrestlerinnen im Hollywood der Achtziger. In einer Szene rechtfertigt eine Darstellerin gegenüber ihrer Kollegin das durchschnittliche Äußere ihres Geliebten: "Wen hast du erwartet? Sean Penn?" Wenn man also in einem Drehbuch ein männliches Sexsymbol der achtziger Jahre braucht, das heute jeder noch kennt, nimmt man Sean Penn. Der Mann, der mit Madonna zusammen war und mit Robin Wright und mit Scarlett Johansson und mit Charlize Theron. Da fällt es nicht leicht, Hopper nicht mit seinem Vater in Beziehung zu setzen. Sogar sein Name Hopper Jack Penn zitiert das Leben seines Vaters. Er ist zusammengesetzt aus den Namen von Seans einstmals besten Freunden Dennis Hopper und Jack Nicholson.

Hopper und seine Schwester Dylan wuchsen nördlich von San Francisco auf. Ihre Mutter schenkte ihnen eine Kindheit ohne den Trubel des Filmgeschäfts. Eine ganz normale Familie sei man gewesen, hat Hopper einmal gesagt. Er ging mehr oder weniger regelmäßig zur Schule und war ziemlich gut auf dem Skateboard. Es war wohl auch die stabilste Phase im Leben von Sean Penn. Die Ehe hielt 13 Jahre. Er und Robin Wright trennten sich, kamen wieder zusammen und trennten sich wieder. Die Kinder kamen schlecht damit zurecht, besonders Hopper. "Ich dachte nur, wollt ihr mich und meine Schwester eigentlich verarschen? Entscheidet euch endlich: Trennung oder zusammenbleiben. Ich war ziemlich sauer", sagte er einmal in einem Interview. An seiner Schule fiel er wegen Medikamentenmissbrauchs auf.

Es sollte für Hopper noch schlimmer kommen. Nach der Scheidung zog Robin Wright mit ihren beiden Kindern nach Los Angeles. Hopper war 16, und seine Mutter wollte ins Filmgeschäft zurück.

Sean Penn, 57, ist Schauspieler und Filmregisseur. Er erhielt für seine Rollen in "Mystic River" und "Milk" zwei Oscars und wurde weitere drei Mal als Hauptdarsteller nominiert. Hier rechts im Bild mit Sohn Hopper bei den Filmfestspielen in Cannes 2016. © Valerie Hache/AFP/Getty Images

Kurz nach dem Umzug war Hopper mit Freunden unterwegs. Er war einer der Jungs, die nicht viel richtig gut konnten – aber virtuos auf dem Skateboard waren. Sie saßen auf der Ladefläche eines Pick-ups und fuhren durch die Straßen von Los Angeles, als Hopper im Auto hinter ihnen zwei Mädchen von seiner Schule auffielen. Sie waren "heiß", fand er, er wollte ihnen zeigen, dass er auch heiß war. Auf der Kuppe eines Hügels schwang er sich mit seinem Board von der Ladefläche des fahrenden Autos und raste den Hügel hinab. "Ich wurde zu schnell, ich begann zu schlingern", erinnert er sich. Dann stürzte er. Er blutete aus einer Kopfwunde. Die Mädchen haben nicht einmal angehalten.

Er sagte seinen Freunden, dass er okay sei, und fuhr mit dem Board weiter zu seinem Vater, der in der Nähe wohnte. Sean Penn brachte ihn sofort ins Krankenhaus. Dort untersuchte man den Jungen und gab Entwarnung: keine ernsten Verletzungen. Die Ärzte gaben ihnen Schmerzmittel mit. In den folgenden Tagen war Hopper wieder bei seiner Mutter, klagte über schlimme Kopfschmerzen. Sie fragte sich, wie es sein könne, dass es ihm trotz seiner Medikamente so schlecht gehe. Sie brachte ihn in ein anderes Krankenhaus, und hier stellte man fest, dass der Schädel gebrochen war und das Gehirn anschwoll. Hopper musste sofort der Schädel geöffnet werden, um den Hirndruck zu verringern. "Sie sagten, wenige Stunden später wäre ich ins Koma gefallen oder gestorben." Was hat er aus dieser Erfahrung gelernt? "Versuche niemals, eine Frau zu beeindrucken", sagt er.

Es gibt Ereignisse, die sind für Menschen Wendepunkte im Leben. Für Sean Penn war Hoppers fast tödlicher Unfall ein Wendepunkt nach oben. Das hat er einmal in einem Interview erklärt. Seitdem lebe er bewusster. Er gründete eine Stiftung, um Erdbebenopfern in Haiti zu helfen. Für seinen Sohn war es ein Wendepunkt nach unten. Er konnte nun eine ganze Weile nicht Skateboard fahren, hatte aber auch nichts anderes zu tun. Er zog von zu Hause aus. Er nahm Kokain und, als es einmal kein Kokain gab, Crystal Meth.

Um zu verstehen, was für ein Typ Hopper in diesen Jahren des Erwachsenwerdens war, lohnt ein Blick auf seine Tattoos. Er trägt sie überall am Körper. Er hat sich etwa die Michael-Jordan-Silhouette, eine kleine Basketballer-Figur, wie man sie auf Nike-Sneakers sieht, tätowieren lassen. Dabei spielt er gar kein Basketball. Es war ein Spaß mit Freunden, purer Unsinn. Ein anderes Tattoo ist das Logo eines Skateboard-Labels, das einem Freund gehört. Er trägt auch den Namen seiner Ex-Freundin auf der Haut. ("Ich glaube, irgendwie lieben wir uns noch immer.") Und das Wort Leo, weil Löwe sein Sternzeichen ist. Es findet sich auch eine niedliche Schildkröte unter seinen Tattoos. Die hat er sich stechen lassen, als er mit seiner Schwester in Paris war. Seine Schwester hatte sich das gewünscht. So einer ist Hopper. Ein bisschen Skate-Outlaw, ein bisschen Anarcho. Und auch einer, der so stark an die Liebe glaubt, dass er sie auf seiner Haut verewigt. Und der sich eine Schildkröte tätowieren lässt, weil seine große Schwester das schön findet. So gutmütig ist er. Und so verletzlich.

Die Freunde, die er in dieser Zeit hatte, waren nicht die Richtigen. Sie gaben ihm jedenfalls zu wenig vom Richtigen und zu viel vom Falschen, vor allem Drogen. "Man fühlt sich schlecht und denkt sich, warum soll ich mich nicht gut fühlen?", sagt er über sie. Alles wird scheinbar einfach und dabei in Wirklichkeit aussichtslos. Ein knappes Jahr war Hopper Penn Meth-abhängig.

Kommentare

1 Kommentar Kommentieren