Unter Strom Mirko Borsche reist mit vielen elektronischen Geräten in die USA und sieht Funken sprühen

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Manche vermissen bei langen Reisen deutsches Brot, andere deutsche Steckdosen. Bei der Vielzahl der mitgeführten Geräte sind letztere auch wichtiger denn je.
ZEITmagazin Nr. 40/2017

Meine Generation ist ja in dem Bewusstsein groß geworden, dass alles, was cool ist, aus den USA kommt: die neueste Musik, die besten Klamotten – einfach alles, was die Zukunft verkörpert. Das war eine unumstößliche Gewissheit. Ich fahre seit Jahren regelmäßig in die USA, weil meine Frau Amerikanerin ist und ihre Familie dort lebt, und mit jeder Reise verliere ich dieses Gefühl ein bisschen mehr. Meistens liegt das an Details. Zum Beispiel an der US-Steckdose. Früher waren im Urlaub Steckdosen nicht so wichtig – man brauchte sie höchstens mal für den Reiseföhn. Aber mittlerweile steigt die Anzahl der technischen Geräte im Familiengepäck mit jedem Jahr an: Smartphones, Tablets, Laptops – leider schaffen wir es nicht, uns im Urlaub zumindest von einigen dieser Geräte zu trennen. So kommt man im Urlaub dauernd in Kontakt mit Steckdosen, und in den USA löst das bei mir immer ein ungutes Gefühl aus. Der Adapter zum Beispiel, um den sich im Urlaub alle rangeln, sitzt nie richtig fest in der Dose, dauernd muss ich nachprüfen, ob der Strom ankommt. In diesem Sommer habe ich mir ein US-Ladekabel gekauft, aber auch damit saß der Stecker locker, genau wie jener an der Schleifmaschine, mit der ich meinem Schwiegervater einen Nachmittag lang zur Hand ging. Scheint also ein grundsätzliches Problem der Dosen zu sein. Ab und an bekam ich einen gewischt, wenn ich ein Gerät anschloss, manchmal sah ich zwischen Dose und Stecker kurz Funken sprühen. Ich hatte dauernd Angst: Fackele ich jetzt die Bude ab? Man könnte es so zusammenfassen: Andere vermissen auf USA-Reisen das deutsche Brot, ich vermisse die deutsche Steckdose. Das Gerangel um den Adapter hat sich übrigens in diesem Urlaub erledigt: Er ist einer Steckdose zum Opfer gefallen und durchgeschmort.

Kommentare

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In Frankreich haben wir dieses Problem pragmatisch gelöst: Überall Schukosteckdosen installiert. Elektrogeräte sind in Deutschland eh günstiger da die MwSt nicht so hoch ist.

Dieses Vorgehen taugt für die USA allerdings nicht: Dort gibt's "nur" 110V, die aber mit 60Hz statt 50Hz. Da würden Steckdosen die übrlicherweise für 230V/50Hz genutzt werden bestimmt zu Dramen führen.

Nicht mehr oder weniger Dramen als mit einem Adapter. Natürlich muss das verwendete Gerät mit der Spannung und Frequenz klarkommen. Die für moderne elektronische und elektrischen Geräte verwendeten Schaltnetzteile tun das. Bei nem Föhn läuft der dann eben auf halber Kraft und ne Deutsche Glühbirne leuchtet deutlich dunkler. Manche LED-Lampen mögen nur 230V, aber auf Reisen hat man selten Lampen dabei.

Musste diese Erfahrung in den letzten vier Wochen in den USA auch immer wieder machen. Deren Steckdosen sind mechanisch betrachtet einfach schlecht. Dafür aber wahrscheinlich simpel herzustellen und einzubauen.

Dass ein Adapter jedoch auf Grund einer fehlerhaften Steckdose durchschmort, finde ich nicht plausibel. (Der Adapter selbst besteht ja "nur" aus zwei passiven Stücken Draht. Wie soll das elektrisch gehen?) Da scheint mir eher der eigentliche Adapter defekt gewesen zu sein.