Ich habe einen Traum Salvador Sobral

"Meine Gesundheit ist fragil, was sich auch in meinen Träumen niederschlägt"
© Miguel Manso
ZEITmagazin Nr. 41/2017

Ich träume in zwei Sprachen: mal auf Portugiesisch und manchmal auf Spanisch, weil ich lange in Barcelona gelebt habe. An die meisten meiner Träume erinnere ich mich nicht im Detail, ich weiß nur, dass sie oft erotisch sind.

Meine Gesundheit ist fragil, was sich auch in meinen Träumen niederschlägt. Das ist wohl auch der Grund, warum ich regelmäßig vom Fußball träume. Früher habe ich viel Fußball gespielt. Ich war Verteidiger und träumte davon, eines Tages für Benfica Lissabon aufzulaufen. Aber Krankheiten, über die ich nicht reden mag, machten es für mich vor zehn Jahren unmöglich, weiter Sport zu treiben. In meinen Träumen bin ich allerdings immer noch fit und spiele weiter Fußball. Das sind wirklich großartige Träume! Wenn ich morgens nach einem geträumten Fußballspiel wach werde, bin ich immer sehr glücklich.

Ganz anders geht es mir mit einem wiederkehrenden Albtraum, in dem ich meine Stimme verliere. Dieser Traum setzt mir besonders zu, weil es auch in Wirklichkeit immer mal wieder vorkommt, dass ich meine Stimme verliere und nicht singen kann. Diese Angst ist völlig real, ich hatte sie auch vor dem Finale des Eurovision Song Contest in Kiew. Zum Glück hat dann doch noch alles geklappt. Bei diesem Wettbewerb aufzutreten, das war kein Traum von mir. Im Gegenteil, ich fand die ganze Sache eher merkwürdig. Ich ließ mich aber zur Teilnahme überreden mit dem Argument, dass es eine Chance sei, ein größeres Publikum für meine Musik zu finden.

In der Nacht vor dem ESC-Finale habe ich überhaupt nicht geschlafen. Zum einen, weil ich so aufgeregt war, zum anderen aber auch, weil in meinem Hotel morgens um sieben ein Handwerker mit einer Bohrmaschine loslegte. Hinzu kam noch eine andere Sache: Mich beschäftigte, dass Kiew ein surrealer Ort war für so einen überdrehten Gesangswettbewerb. Immerhin ist die politische Lage in der Ukraine immer noch angespannt. Ich hatte an dem Abend das Gefühl, nicht in Kiew zu sein, sondern in einer kunterbunten Eurovision-Traumblase, in der alles schön und falsch und austauschbar war.

Ich fand das so unwirklich, dass ich mich, sooft es ging, mit dem portugiesischen Team in unserem Raum hinter der Bühne versteckte. Draußen wollte an jeder Ecke jemand ein Selfie mit mir machen. Seit meinem ESC-Sieg gibt es Menschen, die mich im Restaurant beim Essen filmen. Ich bin doch kein Zootier!

Mit einem Großteil der Musik, die beim ESC lief, konnte ich auch nichts anfangen. Viele der Songs wirkten so, als ob sie einem "Wie schreibe ich einen Hit?"-Ratgeber entsprungen wären. Es waren schlichte Lieder mit viel Feuerwerk.

Was für mich dann doch ein Traum war: dass ich den Wettbewerb mit einem Lied in portugiesischer Sprache gewonnen habe. Ich glaube, man muss diese Sprache gar nicht beherrschen, um zu verstehen, wie emotional aufgeladen dieser Song ist. Hätte ich ihn auf Englisch gesungen, hätte er wahrscheinlich seinen Zauber verloren.

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"Ganz anders geht es mir mit einem wiederkehrenden Albtraum, in dem ich meine Stimme verliere. Dieser Traum setzt mir besonders zu, weil es auch in Wirklichkeit immer mal wieder vorkommt, dass ich meine Stimme verliere und nicht singen kann."
Ich empfehle klassischen Gesangsunterricht kombiniert mit Estill Voice Training Technik.
Hat bei mir Wunder gebracht.