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Sofa der Simpsons Zum Lachen auf die Couch

Das Sofa der Simpsons ist das berühmteste Möbelstück der Welt. Aber wie konnte es dazu kommen? Von
ZEITmagazin Nr. 41/2017

Was ist das überhaupt für ein Sofa? Eine Familiencouch, etwa drei Meter breit, mit drei Sitzkissen und zwei wulstigen Armlehnen. Schlicht, aber gleichzeitig amerikanisch-rustikal. Es ist mit braunem Stoff überzogen: einem dicht gewebtem Kettsamt vielleicht, oder Cord. Auf alle Fälle ist es ein abriebfestes Gewebe, denn es sind keinerlei Gebrauchsspuren sichtbar. Und das, obwohl das Sofa der Simpsons seit fast dreißig Jahren ständig strapaziert wird: Es wird darauf ferngesehen, gegessen, geschlafen, gezetert und geliebt. Das Leben der Familie ist praktisch nicht denkbar ohne dieses Möbelstück. Es ist das bekannteste Sofa der Welt. Konkurrieren könnte höchstens noch die Couch Sigmund Freuds, die in dessen ehemaligem Haus im Londoner Stadtteil Hampstead steht. Aber wer weiß schon, wie genau Freuds Couch aussieht? Das Sofa der Simpsons hingegen hat fast jeder vor Augen.

Trotzdem ist über dieses Möbelstück kaum etwas bekannt, außer dem Namen des Designers: Matt Groening. Den ersten großen Auftritt hatte das Simpsons-Sofa am 14. Januar 1990, in der ersten Folge der Zeichentrickserie The Simpsons. Zum ersten Mal versammelte sich die knallgelbe Familie in der Anfangssequenz vor dem Fernseher: Bart, Maggie, Lisa und Marge lassen sich auf die Couch plumpsen, am Schluss kommt Homer dazu – wodurch Bart wieder aus den Kissen geschleudert wird und direkt vor dem Fernseher landet. Aufmerksame Beobachter hatten die Couch allerdings auch schon vorher entdecken können: In einem Pilotfilm der Simpsons, der in der Vorweihnachtszeit 1989 ausgestrahlt worden war, sitzt Marge auf dieser Couch und schreibt Weihnachtsbriefe an die Verwandtschaft ("Maggie kann schon laufen, Lisa bekommt tolle Noten in der Schule, und Bart ... wir lieben Bart"). Und noch vor diesem Pilotfilm waren die Simpsons im US-Fernsehen zu sehen, nämlich in Form von kurzen Einspielern in der Tracey Ullman Show. Auch dort konnte man Bart dabei beobachten, wie er sich auf einem speckig wirkenden Sofa fläzt und sich davor drückt, seiner Schwester beim Aufräumen zu helfen. Dass zu so einer Familie wie den Simpsons ein Sofa gehört, war also schon lange klar, bevor aus der dysfunktionalen Familie eine Serie wurde.

Etwa 600 Folgen der Simpsons sind bislang gesendet worden. Und für die meisten wurde ein eigener Couch-Gag geschrieben. Oft wird dem Sofa dabei böse mitgespielt: Es bricht unter dem Gewicht der Familie in den Boden ein oder fliegt auseinander. Es wird von Einbrechern gestohlen oder von einem Riesenfuß zertrampelt. Einmal zerteilen die Simpsons es sogar mit Karateschlägen.

Es gibt auch Gags, in denen die Couch ein Eigenleben entwickelt. In einer Szene fängt sie an zu springen wie ein Rodeopferd, als die Familie darauf Platz nimmt. In einer anderen nehmen die Simpsons in Raumfahrtanzügen auf ihr Platz – und sie startet wie eine Rakete. Die Couch kann sich auch plötzlich in einen Reißwolf verwandeln und die Familie in Streifen schneiden. Oder sie mutiert zum Schleudersitz. Und einmal dient sie sogar dem bereits erwähnten Sigmund Freud als Arbeitsmöbel, der neben der Couch auf die neurotische Familie wartet. Sie taucht auch kurz in einem Bild auf, das von Magritte sein könnte: "Ceci n’est pas un couchgag." Es ist wirklich das tollste Sofa der Welt.

In einer Folge entwickelt es nicht nur ein Eigenleben, es stirbt sogar – und wird im Garten begraben unter einem Grabstein mit der Inschrift "Couch, 1989 bis 2009". Die Simpsons gehen dann zu einer Pferdekoppel, wo viele junge Sofas auf kurzen Beinchen herumhoppeln, und suchen sich dort ein neues aus. Bald darauf ist das alte Sofa allerdings wieder da, lebendiger denn je. Es flieht in großen Sprüngen aus dem Wohnzimmer, versteckt sich im Wald, liefert sich mit den Simpsons eine Gondelverfolgungsjagd in Venedig und wird erst in der Erdumlaufbahn von der wütenden Familie gestellt.

Wer allerdings Hintergrundinformationen über das Simpsons-Sofa in Erfahrung bringen will, stößt schnell an Grenzen. In der Produktionsfirma der Simpsons ist man für Anfragen zu diesem Thema nicht zu erreichen. Der Erfinder des Sofas, Matt Groening, gibt keine Interviews dazu. Der Haussender Fox verweist auf den Sender ProSieben, der für Anfragen betreffs der Serie in Deutschland zuständig sei. ProSieben weiß nichts über das Sofa. Schließlich lässt sich dann doch noch der Executive Producer der Simpsons, Al Jean, der die Serie von Beginn an begleitet hat, dazu hinreißen, einige Fragen per E-Mail zu beantworten.

ZEITmagazin: War es immer klar, dass im Zentrum der Simpsons-Familie ein Sofa stehen muss?

Al Jean: Ja, es war ihre Heimat von Anfang an.

ZEITmagazin: Warum ist die Couch in der ersten Staffel der Serie so klein, dass nicht alle Familienmitglieder darauf sitzen können?

Jean: Budgetprobleme.

ZEITmagazin: Wer hat das Design entworfen?

Jean: Matt Groening.

ZEITmagazin: Hat Matt Groening selbst eine Couch?

Jean: Niemand weiß das.

ZEITmagazin: Wurde jemals erwogen, das Design der Couch zu ändern? So wie ja auch der Fernseher irgendwann durch einen Flachbildschirm ersetzt wurde?

Jean: Fernseher kommen und gehen, aber die Couch ist immer stilvoll.

ZEITmagazin: Warum ist die Couch so wichtig?

Jean: Sie ist einfach wichtig für die wichtigste Gemüse-Ernte: die der Couch-Potatoes.

Kommentare

9 Kommentare Kommentieren

Wie um alles in der Welt kommt der Autor auf die Idee, die Simpsons seien eine dysfunktionale Familie? Wer das dort gezeigte für Dysfunktionalität hält lebt wirklich in einem bürgerlichen Tagtraum und hat familiäre Dysfunktionalität nie kennengelernt. Die Simpsons sind doch mehr als alles andere das Hohelied auf die trotz aller Widrigkeiten und individueller Schwäche funktionierende Familie, in deren Schoß jeder Charakter trotz allen Fährnissen, allen unerreichbaren Träumen oder allem zwischenzeitlichen "die Anderen im Stich lassen" am Ende reuig und geläutert wieder Zurückkehrt...