Gesellschaftskritik Über Trennungen

© Dimitrios Kambouris/Getty Images
ZEITmagazin Nr. 41/2017

Wie konnte das passieren? Wer hat Schuld? Hätte man es vorhersehen können? Wie geht es weiter? Und: Ist alles vielleicht doch nicht so schlimm? Weil man ja jetzt wenigstens Klarheit hat?

Das waren Fragen, die am vorvergangenen Montag viele beschäftigten. Warum hat er auf so überaus peinliche Weise die Fassung verloren? So weit hat er sich vergessen, dass er sich nicht nur in aller Öffentlichkeit von ihr trennte, sondern ihr Verhalten auch noch als skandalös bezeichnete. Sie dagegen war sichtlich getroffen, versuchte seine Angriffe zunächst wegzulächeln, bekannte dann aber doch, ungewohnt angefasst: dass sie traurig sei und dass man ja morgen noch mal darüber sprechen könne. So klingt es, wenn man sich eigentlich nicht trennen will – lass uns noch mal drüber schlafen, wir hatten doch auch gute Zeiten und haben gemeinsam viel durchgestanden. Er dagegen ließ kein gutes Haar an ihr, ging sogar so weit, zu prophezeien, dass sie wahrscheinlich niemals eine bessere Beziehung finden werde.

Übrigens: Wir sprechen hier keineswegs von Heidi Klum und Vito Schnabel, falls dieser Eindruck entstanden sein sollte. Die trennten sich zwar zur selben Zeit, aber extrem professionell. Mit den nüchternen Worten "Ich glaube, es ist wichtig, sich Zeit für eine Pause zu nehmen und zu reflektieren" gab Klum das Ende ihrer Beziehung mit dem Kunsthändler bekannt. Keine Schuldzuweisungen, keine Beschimpfungen, keine Gefühlsausbrüche. Vernünftig, aufgeräumt, ziemlich unemotional klang das. Zudem hatte PR-Königin Heidi Klum auch noch den besten Moment abgewartet, um die unangenehme Nachricht zu verkünden, den Moment, in dem ganz Deutschland, auch die "Bild"-Zeitung und vielleicht sogar für ein paar Minuten die "Bunte" – nicht nach L.A. schaute, sondern nach Berlin, wo sich das eingangs genannte Trennungsdrama abspielte. Die unangenehmen Fragen: Wie konnte das passieren? Wer hat Schuld? Hätte man es vorhersehen können? Wie geht es weiter? Und: Ist alles vielleicht doch nicht so schlimm? Weil man ja jetzt wenigstens Klarheit hat? blieben Klum und Schnabel erspart. Angela Merkel und Martin Schulz waren diejenigen, die sie gestellt bekamen.

Echtes Beziehungsdrama liefern heute nicht mehr die Stars der Unterhaltungsindustrie. Echtes Drama gibt es heutzutage in der Berliner Runde, der Elefantenrunde.

Und vielleicht bald auch im Bundestag.

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