Stil Jetzt aber Bewegung!

© Peter Langer
ZEITmagazin Nr. 45/2017

In diesem Herbst trägt man eher Jacke als Mantel. Das ist erstaunlich, denn Jacken sind lediglich zweckmäßige Kleidungsstücke. Mäntel dagegen überformen den Körper, sie verleihen ihm eine besondere Silhouette. Wer als Mann einen Mantel trägt, wirkt darin breiter, stämmiger und größer, was durchaus von Vorteil sein kann. Noch immer würde man einen Mantel wohl nicht für einfache Arbeiten anziehen, eher schon, um anderen zu imponieren. Die Jacke ist weniger repräsentativ als der Mantel. Daran hat sich seit Jahrhunderten nichts geändert.

Der Mantel war schon immer die Überbekleidung des Bürgers, die Jacke trug der Bauer. Der Mantel gehörte jenen, die hoch zu Pferde saßen und warm gehalten werden wollten – die Jacke dagegen sah man bei der Feldarbeit, wo ein langes Gewand nur hinderlich gewesen wäre. Auch das Militär fand die Jacke höchst praktisch: In der kurz geschnittenen Uniformjacke, dem Waffenrock, war der Soldat im Gefecht beweglich. Kurzum – wer eine Jacke trug, der hatte stets etwas anderes zu tun, als repräsentativ irgendwo herumzustehen. Er musste arbeiten, ackern oder töten.

Bis heute haben Jacken diese Aura des Zupackenden, und das machte sie zum designierten Kleidungsstück der Rebellion. Wer jemals gegen ein Establishment aufbegehren wollte, musste das natürlich in einer Jacke tun. So trugen die Autoren der Beat-Generation gern Pilotenjacken mit Lammfellbesatz, die eigentlich dafür gemacht worden waren, Kampfflieger in ihren Pilotenkanzeln vor Unterkühlung zu bewahren. Die Rocker der fünfziger Jahre trugen selbstverständlich Motorradjacken, die Punks der siebziger Jahre bevorzugten Lederjacken mit Nietenbesatz.

Auch die jüngste Rebellion in der Mode kommt in Jacken daher. So hat Demna Gvasalia, Kopf des Pariser Designer-Kollektivs Vetements, die Bomberjacke zum Vetements-Markenzeichen gemacht. In der Bomberjacke kann man sich als Rebell gegen das Mode-Establishment fühlen – wie in der Trainingsjacke, die zurzeit ebenso häufig getragen wird. Sportlich und mobil will man auftreten. Ein schwerer Mantel steht allerdings für das Gegenteil: In ihm kann man nur stillhalten und versuchen, dabei einigermaßen elegant zu wirken. In einer Jacke hingegen sieht man so jugendlich und agil aus, dass man es kaum mehr nötig hat, sich zu bewegen.

Darin wird man nicht übersehen: Orangefarbene Jacke von Stone Island

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"Der Mantel gehörte jenen, die hoch zu Pferde saßen und warm gehalten werden wollten – die Jacke dagegen sah man bei der Feldarbeit, wo ein langes Gewand nur hinderlich gewesen wäre. Auch das Militär fand die Jacke höchst praktisch: In der kurz geschnittenen Uniformjacke, dem Waffenrock, war der Soldat im Gefecht beweglich. "

So sauber ist die Unterteilung aber in Wirklichkeit nicht möglich, siehe Trenchcoat und seine Verwandten.