Unter Strom Mirko Borsche fragt sich, ob ein elektrisches Skateboard wirklich zu ihm passt

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ZEITmagazin Nr. 46/2017

Auch wenn ich nie gut darin war, finde ich Skateboardfahren cool. Die Variationen des klassischen Boards, die es heute gibt, die Longboards und die Snakeboards zum Beispiel, finde ich hingegen eher schwierig. Ich will niemanden verurteilen, aber ob es mit über 35 noch so cool ist, damit durch die Stadt zu fahren, weiß ich nicht.

Ich will deshalb gleich zu Beginn klarstellen: Die Idee, ausgerechnet ein Elektro-Skateboard zu testen, kam aus der Redaktion, von meiner Kollegin Margit Stoffels. Meine erste Reaktion war: Nur über meine Leiche! Margit fand die Idee aber lustig und ließ mir spaßeshalber ein Board in mein Münchner Büro schicken. Also gut, ich gab der Sache eine Chance.

Ich kann nur raten, sich einen Helm und Knieschoner zu besorgen, denn das Elektro-Skateboard ist echt schnell, und die Verletzungsgefahr ist ziemlich groß. Es gibt eine Bluetooth-Fernsteuerung; die Verbindung ist manchmal allerdings etwas wacklig. Wenn sie erst mal steht, kann man das Board sowohl vorwärts als auch rückwärts fahren lassen. Das ist ein bisschen albern, aber, zugegeben: lustig. Nach einer Weile haben wir hier im Büro eine schöne Verwendung für das Skateboard gefunden: Einer unserer Praktikanten legte sich flach mit dem Bauch darauf, sodass man das Brett unter ihm von oben nicht mehr sehen konnte. Es sah aus, als fliege er durchs Büro. Wir sind begeistert vom Phänomen des fliegenden Praktikanten.

In das Skateboard ist ein Griffloch eingelassen, man könnte es wie einen Aktenkoffer ins Büro tragen. Ich frage mich, wie die Kollegen reagieren würden, wenn ich mit dem Elektro-Skateboard zum nächsten Meeting bei der ZEIT erschiene. Aber ich bleibe doch lieber beim Fahrrad.

Technische Daten

Höchstgeschwindigkeit: 15 km/h

Gewicht: 6,8 kg

Max. Traglast: 80 kg

Preis: 199 Euro

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Wenn man mit einem elektrischen Skateboard mit 15 km/h einen übersehenen kleinen Stein (bei amerikanischen Skatern ,,Pebble`` genannt) erwischt, der eine Rolle blockiert wie ein Bremsklotz und einem so in voller Fahrt unvermutet das Skateboard unter den Füßen wegreißt während man kurz zuvor schön senkrecht auf dem Board stand und sich sicher fühlte, dann sind die Handgelenke oder gar die Unterarme mit hoher Wahrscheinlichkeit gebrochen, wenn man versucht alleine mit den Händen/Armen den Sturz abzufangen.

Schon bei einem Sturz aus dem senkrechten Stand von einem nur 1 Meter erhöhten Standpunkt auf Asphalt verstaucht oder bricht man sich als untrainierter, normalgewichtiger Erwachsener für gewöhnlich die Handgelenke, wenn man sich wirklich nur mit den Händen abzufangen versucht und in den Armen halbwegs Kraft hat, so das die nicht einfach unter einem zusammenklappen.

Ich fahre zwar für gewöhnlich auch nur wenn ich neue Tricks im Skatepark übe mit voller Schutzausrüstung, aber das liegt daran, dass ich seit über 30 Jahren skate und früher als Kind bestenfalls mal billige, dünne Knieschoner von meinen Eltern spendiert bekommen habe, aber ansonsten kein Geld für eine Schutzausrüstung hatte und Helme zum Skaten damals, meiner Erinnerung nach, gar nicht erst angeboten wurden.

Ich weiß daher seit meiner Kindheit instinktiv, wie ich in welcher Situation fallen muss um mir auch ohne Schutzausrüstung nicht ernsthaft wehzutun -- erst recht, wenn ich nur durch die Fußgängerzone...

...zu meiner Kinderzeit als altmodisch geltenden und weniger Geschick erfordernden Tretroller -- heute natürlich im denglischen Marketing-Jargon ,,Scooter`` genannt -- zu interessieren, als für Skateboards oder Inline-Skates.

Tretrollerfahrende Kinder sieht man doch einige und sogar in Gruppen in der Stadt. Keine Ahnung, was die an dem sperrigen Unsinn finden. Man muss bei einem Scooter natürlich keinen von Bewegungsablauf und Timing anspruchsvollen Skateboard-Ollie können um damit einen Bürgersteig heraufzukommen und hat bei Gleichgewichtsproblemen immer einen Griff an dem man sich festhalten kann. Dafür kann man dann beim Tricks üben und den dabei unvermeidlichen Stürzen im Skatepark in das Gestänge fallen und sich mal so richtig wehtun. Da falle ich lieber auf ein flaches Skateboard.

Diese ,,Scooter`` zu bewegen finde ich persönlich recht anspruchslos (Es gibt natürlich auch Jugendliche, die damit Saltos auf Ramps oder im Pool im Skatepark zelebrieren, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel.), aber Hauptsache die heutigen Kinder trainieren ihren Körper und ihre Koordinationsfähigkeit überhaupt mit irgendwas.

Ich habe im Bekanntenkreis einige Beispiele von Kindern im Grundschulalter, die schon beim Laufen so unsicher wirken, dass ich meine Skateboards lieber wegräume wenn die zu Besuch kommen, da ich keine Lust habe mit denen die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses näher kennenzulernen und ihren überbesorgten Eltern erklären zu müssen, wie das passieren konnte.