Harald Martenstein Über benachteiligte Dealer

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ZEITmagazin Nr. 47/2017

Bei uns in Berlin-Kreuzberg plant das Bezirksmuseum eine Ausstellung über Dealer, speziell die Dealer aus Westafrika. Das sind auch die nettesten, man trifft sie zum Beispiel im Park Hasenheide, der allerdings zu Neukölln gehört. Da bin ich oft mit dem Kind. Kürzlich war der Spielplatz wegen Sturmschäden gesperrt. Wir haben den anderen Spielplatz gesucht, es gibt im Park zwei, aber ich wusste den kürzesten Weg nicht. Da ist sofort ein Dealer gekommen, der meinen suchenden Blick registriert hatte, und sagte: "Du suchst bestimmt den anderen Spielplatz, Daddy." Dann hat er uns den Weg erklärt. So muss ein guter Dealer sein. Diese serviceorientierte Haltung findest du im Einzelhandel nicht immer. Der Handel mit Drogen gehört zu den wenigen Dienstleistungen, die in Berlin stets schnell, unkompliziert und höflich erledigt werden. Ich frage mich, warum sie nicht Dealer die Berliner Standesämter und die Kfz-Anmeldestelle managen lassen und dafür zum Beispiel Politiker als Marihuanahändler in den Park stellen. Wir hätten eine funktionierende Verwaltung, ein soziales Problem wäre gelöst, und der Drogenhandel käme zum Erliegen, weil man sich für jeden Joint sechs Wochen vorher anmelden müsste.