Gesellschaftskritik Über Umbenennungen

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ZEITmagazin Nr. 47/2017

Alles fing, soweit wir uns erinnern können, ziemlich harmlos an: Cassius Clay wollte eines Tages nicht mehr Cassius Clay heißen und nannte sich Muhammad Ali. Ähnlich wenig ambitioniert zeigte sich Jahre später auch Cat Stevens, als er sich über Nacht in Yusuf Islam umtaufte. Mehr Ehrgeiz entwickelte erst Prince, der eigentlich Prince Rogers Nelson hieß und sich Mitte der neunziger Jahre The Artist Formerly Known As Prince – oder kurz TAFKAP – nannte, um sich vorübergehend bescheiden The Symbol zu nennen, bevor er wieder Prince wurde.

Doch erst Sean John Combs, den die meisten als Puff Daddy kennen, erhob die Umbenennung seiner selbst zur Kunstform. Der Rapper, Musikproduzent, Unternehmer, Schauspieler und Modedesigner hieß schon Diddy, P. Diddy, Sean John, Puff Daddy, Puffy und Swag. In diesem Wirrwarr aus Tätigkeiten und Pseudonymen löste Combs die eigene Identität auf. Wer und was er gerade ist, weiß womöglich PiddiIddyPaddySwag nicht einmal selbst.

Jetzt, zu seinem 48. Geburtstag, schien sich Combs mit einem neuen Pseudonym beschert zu haben. Er heiße jetzt "LOVE aka Brother Love", ließ er seine Fans via Instagram wissen, nur um einen Tag später mitzuteilen, diese letzte Umbenennung in Bruder Liebe sei natürlich nur ein Scherz gewesen. Anscheinend hat Brother Love in seiner kurzen Lebenszeit schnell mal in sich reingeschaut und dabei festgestellt, dass dieses Mal jener Satz nicht zutrifft, mit dem Combs noch jede Namensänderung begründet hat: "Ich bin nun jemand anders."

Das Prinzip, sich auch mal einen neuen Namen zu gönnen, wenn man spürt, dass man nicht mehr derselbe ist, der man gestern noch war, überzeugt uns total. Wendete man es auf die Sozial- demokratische Partei Deutschlands an, so hieße sie nun nicht mehr SPD, sondern The Party Formerly Known As Volkspartei (TPFKAV). Und Martin Schulz, der ja mal sehr kurz Sankt Martin genannt wurde, hieße vielleicht Prince Puffy.

Muhammad Ali hat seinen Namen nur ein einziges Mal geändert, und alle konnten sich ihn merken. Puff Daddy hat sich so oft umbenannt, dass selbst er den Überblick verlor. Für die SPD ist der Schritt hin zur Sechsbuchstabenpartei eine große Chance. Sie müsste nur so cool sein, den Namen mindestens die nächsten 154 Jahre zu behalten.

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