Stil Rote Hosen blühn

© Peter Langer
ZEITmagazin Nr. 49/2017

Die Mode beschäftigt sich traditionell gerne mit Blumenmustern. Von Zeit zu Zeit tauchen sie mit zuverlässiger Gewissheit plötzlich wieder als Motiv auf. In dieser Saison beispielsweise sind besonders oft Rosen zu sehen. Bei Louis Vuitton und Alexander McQueen etwa wurden Rosen in barocker Manier auf starre Brokatstoffe gestickt. Bei Acne Studios, Balenciaga und Isabel Marant sieht man Kleider mit der Anmutung von Botticelli-Gemälden aus der Renaissance. Bei Simone Rocha, Balenciaga und Prada gibt es Blumen in Form von Applikationen oder Aufdrucken, die an traditionelle osteuropäische Folklore erinnern. Und bei MSGM und Off-White prangen übergroße Rosen auf Kleidern und Anzügen.

Es gäbe natürlich auch andere Möglichkeiten, um dekorative Muster zu gestalten. Man könnte Elefanten oder Vögel nehmen, Lamas oder Schmetterlinge. Aber die Mode kehrt immer wieder zur Blume zurück. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass wir uns immer weiter von der Natur entfernen. Wenn wir die Blumen nicht mehr im Garten haben, höchstens Basilikum auf dem Balkon, dann wollen wir sie wenigstens auf unseren Hosen sehen, um uns noch als Teil der allumfassenden Umwelt fühlen zu können.

Was die Rose allerdings darüber hinaus mit der Mode verbindet, ist ihre Vergänglichkeit. Die Blüte symbolisiert den Höhepunkt der Schönheit und gleichzeitig ihr Ende. Denn wie prächtig die Dinge auch sind – unweigerlich werden sie welken, und hernach geht es nur noch weiter bergab. Deshalb bezogen die alten Meister in ihre Vanitas-Stillleben so gerne Schnittblumen mit ein. Schnittblumen rufen dazu auf, den Augenblick zu genießen, weil wir von der Zukunft leider nichts anderes zuverlässig wissen, als dass sie uns irgendwann das sichere Ende bringt.

So gesehen sind frische Blumen die Antithese zur Nachhaltigkeit. Das gilt ganz besonders für die empfindliche Rose, die Königin der Blumen. Rosen gelten seit dem Altertum als Symbol von Liebe, Freude und Jugendfrische. Nur die alten Germanen haben den Kreislauf von Jugend und Vergänglichkeit zu Ende gedacht: Sie assoziierten die Rose mit dem Tod und pflanzten sie deshalb auf Grabstätten oder Opferplätzen.

Auf Stoff gebannt können Rosen immerhin nicht verwelken. Aber wenn man die Halbwertszeit von Kleidungsstücken im Zeitalter der Fast Fashion betrachtet, muss man zu dem Schluss kommen, dass eine Rose auf einer Hose kaum länger hält als eine, die ins Wasser gestellt wird.

Foto Peter Langer / Ohne Stacheln immerhin. Hose von Moncler Grenoble

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