Unter Strom Mirko Borsche rüstet auf Analog um

© Polaroid Originals
ZEITmagazin Nr. 49/2017

Ich habe vor einem Jahr geheiratet. Es gibt Fotos davon, aber keins habe ich je entwickeln lassen. Sie liegen noch immer alle auf meiner Festplatte herum. Mittlerweile fotografiere ich schon nicht mehr so viel mit meinem Handy, weil ich weiß, dass die Fotos letztlich eh nur auf meinem Computer versauern. Dasselbe gilt für Fotos meiner Kinder – es gibt vielleicht fünf Bilder, die ich je habe entwickeln lassen.

Im Frühjahr habe ich als Gegenmaßnahme eine Polaroid-Kamera ausprobiert, bei der die Fotos sofort ausgedruckt werden, war aber unzufrieden damit. Das echte Polaroid-Gefühl kam bei der neuen Kamera nicht auf, sie hatte ein Display, und man konnte vor dem Ausdrucken entscheiden, ob einem das Foto gefällt, und sogar Filter drüberlegen.

Umso erfreulicher finde ich die Polaroid OneStep 2 i-Type, die ich die vergangenen Wochen bei mir im Büro hatte. Sie ist etwa ein Drittel kleiner als die sehr klobigen von früher. Man kann auf "plus" oder "minus" drücken für die Helligkeit, es gibt einen Auslöser-Knopf, einen Selbstauslöser, den On/Off-Schalter – das war’s. Die Fotoqualität ist so, wie ich sie von ganz früher bei den Polaroids kannte: okay. So wie es sein soll. Als ich die Kamera hier im Büro ausgepackt hatte, geschah der Klassiker: Wir machten Fotos voneinander. Wir legten die ausgedruckten Fotos auf den Tisch und warteten. Das schöne Überraschungsgefühl war wieder da: Bleibt das Bild so überbelichtet, oder gewinnt es noch an Zeichnung? Habe ich ein Doppelkinn? Schiele ich?

Als wir hier im Büro abends Musik hörten, fotografierten wir weiter. Irgendwie stresst es ja, wenn jedes Foto nach so einem Abend in den sozialen Medien landet. Das ist ein weiterer Vorteil der Polaroid: Die Fotos zieren seit einigen Wochen unsere Toilette.

Technische Daten

Größe: 150 x 110 x 95 mm

Gewicht (ohne Film): 460 g

Brennweite: 106 mm

Blitz: integriert

Laden: USB-Kabel

Preis Kamera: 119,99 Euro

Preis Film (8 Bilder): 15,99 Euro

Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

" aber keins habe ich je entwickeln lassen. ... es gibt vielleicht fünf Bilder, die ich je habe entwickeln lassen. "
Wie kann man denn ein digitales Bild entwickeln oder entwickeln lassen? Man kann es drucken oder drucken lassen und das, vielleicht, sogar auf chemischem Photopapier machen lassen, aber entwickeln?

"Wir legten die ausgedruckten Fotos auf den Tisch und warteten. Das schöne Überraschungsgefühl war wieder da: Bleibt das Bild so überbelichtet, oder gewinnt es noch an Zeichnung?"
Wenn es ausgeruckt ist wird es sich wohl kaum mehr aendern - wenn es der alte Polaroid Prozess ist wird es nicht gedruckt. Was denn nun?

Wenn er das ernst meint, dann hat er die Fotos zu einem Profi geschickt, der dann alle möglichen Techniken der Bildverbesserung und Manipulation angewendet hat. So wie früher, nur halt schneller und besser dank digitaler Technik. Vermutlich übernahm das hier aber eine schnöde Automatiksoftware.
Bei raw-Dateien ergibt der Begriff Entwickeln übrigens durchaus noch Sinn, die Datei ist ohne digitale Bearbeitung nicht am Bildschrim darstellbar. (Selbst wenn's Standardeinstellungen sind, ist trotzdem eine Art Bearbeitung.)
Bei jpeg muss man zugeben, der analoge Vergleich zur digitalen Bearbeitung wäre ein bestehendes Foto neu aufzunehmen und dann neu zu entwickeln.