Harald Martenstein Über Vorwürfe und Unpersonen

#MeToo ist richtig, wenn es um gut belegte Vorwürfe geht. Aber auch richtige Ideen können furchtbar entgleisen. Regiert in der Filmbranche nun die Denunziation? Von
Aus der Serie: Martenstein ZEITmagazin Nr. 7/2018

Die Karriere des Regisseurs Woody Allen dürfte beendet sein. Allens Tochter Dylan hat, im Windschatten der #MeToo-Kampagne, ihren alten Vorwurf wiederholt, vom Vater missbraucht worden zu sein. Damals war sie sieben. Der Vorwurf war eine Waffe im Scheidungskrieg zwischen Allen und Mia Farrow, 1992. Er wurde vom Staatsanwalt geprüft. Das Verfahren wurde eingestellt. Diese Tatsache nützt einem Beschuldigten in Hollywood heute gar nichts mehr. Allens Sohn Moses, damals 14, sagt im Interview: "So oft habe ich mitbekommen, wie meine Mutter versucht hat, Dylan vom Missbrauch zu überzeugen – sie hat es geschafft." Auch das nützt nichts. Schauspieler spenden ihre Gage, die bei Allen nie hoch ist, weil sie nicht von einem Film dieses Satans profitieren wollen. Zu den wenigen, die ihn verteidigen, gehört Alec Baldwin. Er hat Mut.