Oprah Winfrey Über Tipps zur Berufswahl

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 7/2018

Für die meisten Menschen ist die DNA, die sie so tagein, tagaus mit sich rumtragen, nur ein Molekül, das zu befragen sich erst lohnt, wenn es eine Vaterschaft oder die Unschuld in einem Mordfall zu beweisen gilt. Für die amerikanische Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey bedeutet die DNA weit mehr. Sie hat sie vor ein paar Jahren schon analysieren lassen, um zu zeigen, aus welchen Gegenden der Erde ihre Vorfahren kamen. Und nun hat sie ihre DNA erneut zurate gezogen, als es um die natürlich immer knifflige Frage ging, ob sie als amerikanische Präsidentschaftskandidatin antreten solle.

Ihre DNA hat ihr gesagt: "Ich will dir nicht zu nahe treten, du bist schon toll, nicht nur dank mir. Aber das, nee, wirklich nicht ..." Natürlich hat die DNA das nicht gesagt, denn sie kann nicht reden. Deshalb wird sie ja analysiert. Das kennt man von Männern in Paarbeziehungen, die werden auch umso mehr analysiert, je weniger sie sagen. Jedenfalls, das ist verbürgt, hat Oprah Winfrey ihre DNA als Grund angegeben, dass sie nicht Präsidentin werden will, Zitat: "Ich hab nicht die DNA dafür."

Könnten doch nur auch Abiturienten solche Tests machen. Sie würden sich lästige Besuche in Berufsinformationszentren sparen, an deren Ende eh immer ein unsinniger Berufstipp steht. Sie gäben ein bisschen Speichel ab, und schon käme heraus: Systemgastronom, Schwerpunkt Fleisch.

Am besten sollten diese Testergebnisse dann auch bindend sein. Genetische Super-Systemgastronomen sollten Systemgastronomen werden und genetische Super-Präsidenten Präsidenten. Wahlen könnten dann komplett ausfallen, inklusive schwieriger Regierungsbildungen. Es wäre so wie schon in der absolutistischen Monarchie, nur dass damals, als die erfunden wurde, die Gentechnik noch nicht so weit war. Die genetische Monarchie wäre viel fairer, es regierte wirklich der oder die Beste.

Es gäbe natürlich auch Probleme: Was passiert, wenn bei den DNA- Analysen herauskäme, dass rein gar niemand Gene zum Hals-Nasen- Ohren-Arzt hätte? Oder wenn plötzlich alle super Hutmacher-Gene hätten. Es können doch nicht alle Hutmacher werden. Zum Glück also ist die Berufswahl per DNA-Test noch ferne Utopie. Mutig war es aber dennoch von Oprah Winfrey, ihre Säure zu analysieren. Denn wenn der Test ergeben hätte: 100 Prozent Präsidentschaftskandidatin!, dann hätte sie kaum mehr sagen können: Nö, mach ich nicht, ist mir zu viel.

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