Günther Jauch Über die Taten der Vorfahren

Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 16/2018

Kapitalismus und Sozialismus stehen sich näher als gemeinhin angenommen. Das zeigt das Beispiel von Günther Jauch und Karl Marx. Der Moderator teilte gerade der Bild stolz mit, dass niemand anderes die Geburtsurkunde von Karl Marx unterzeichnet habe als sein eigener Ururururgroßvater, Emmerich Grach hieß der Mann. "Selbst das Karl-Marx-Haus in Trier wusste das nicht." Nun aber, da es das weiß, wird Jauch am 5. Mai, dem 200. Geburtstag von Marx, nicht nur Gast bei der Gedenkfeier in Trier sein. Er darf den Festakt sogar mit der Verlesung der Geburtsurkunde eröffnen.

Dass der Moderator Jauch längst Multimillionär geworden ist, während der Ökonom Marx als armer Schlucker endete, würde Marx als Degenerationserscheinung des Kapitalismus deuten. Die wahre Lehre daraus lautet aber: Mit RTL an der Seite kommt man im Leben weiter als mit Friedrich Engels.

Emmerich Grach, der eine von 32 Ururururgroßvätern Jauchs, war Zweiter Bürgermeister von Trier und hat nicht nur die Geburtsurkunde von Karlchen unterschrieben, er hat auch mal Napoleon getroffen. Da ist sicher noch mehr drin für Jauch, ein paar Termine in Frankreich oder ein One-Way-Ticket nach Elba. Als Napoleon am 6. Oktober 1804 in Trier eintraf, überreichte ihm Grach Wein in einem Pokal aus vergoldetem Silber. Der Wein stammte von Grachs Weingütern, eins davon, von Othegraven, gehört seit 2010 Günther Jauch. Es ist jenes Gut, das Grach 1805 von Reichsgraf Philipp von der Leyen-Hohengeroldseck erwarb. Von der Leyen? Führt die Jauchsche Linie nicht nur direkt zu Karl Marx und Napoleon, sondern sogar zu Ursula von der Leyen? Und welche Großtaten haben die 31 weiteren Ururururgroßväter vollbracht? Ob Jauch seine Quizfragen-Redaktion schon darauf angesetzt hat?

Wir hätten schon mal eine Frage an Sie. Warum stieg Günther Jauch 2015 aus dem Polit-Talk aus? a) Weil er damals von der Marx-Geschichte erfuhr und er keine dekadente Sendung fürs Bürgertum mehr moderieren wollte. b) Weil er nicht nur mit Karl Marx quasi verwandt war, sondern auch mit Dauergast Ursula von der Leyen. c) Weil er Zweiter Bürgermeister von Potsdam werden wollte. d) Weil er möglichst ungestört 200 Jahre alt werden wollte. Die Antwort schicken Sie bitte an das Günther-Jauch-Haus in Münster. Und falls Sie in Münster 1956 einen Job im Standesamt hatten, hinterlassen Sie Ihrem Ururururenkel die Botschaft, er möge den 13. Juli 2156 freihalten. Da wird groß gefeiert.

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