John Carter Cash "Meine Mutter sagte zu mir: Vergiss nicht die geheimen Räume, bevor du gehst!"

© Timo Wirsching
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 16/2018

Nachdem meine Eltern Johnny und June Carter Cash vor fünfzehn Jahren verstorben waren, stellte sich die Frage, was mit ihrem Wohnhaus geschehen soll. Meine Eltern hatten dort lange gelebt, und ich bin in dem Haus aufgewachsen, es hingen also eine Menge Erinnerungen an dem Ort. Aber es passte einfach nicht in mein Leben, dort wieder zu wohnen. Ich war gerade mit meiner Familie umgezogen. Mir war das alles zu viel.

Wir haben das Haus dann an Barry Gibb von den Bee Gees verkauft. Vorher haben wir noch drei Jahre lang das Haus leer geräumt, was sehr anstrengend war, weil das Gebäude riesig war und meine Eltern ungeheuer viele Dinge angehäuft hatten. Wenige Tage bevor wir das Haus schließlich an Barry Gibb übergeben wollten, erschien mir meine Mutter nachts im Traum.

Sie stand auf einmal da und schaute mich mit diesem besonderen Blick an, mit dem sie mich, als ich klein war, immer mal wieder angesehen hatte. Er besagte, dass sie ein Geheimnis hat, das ich sicher gerne kennen würde – dass sie es mir aber nicht verraten wird, weil ich es selbst herausfinden soll. Im Traum sagte sie zu mir: Vergiss nicht die geheimen Räume, bevor du gehst! Dann lächelte sie und verschwand wieder. Ich bin aufgewacht und war ziemlich aufgewühlt. Ich wusste von vier Geheimräumen im Haus. Das waren gut versteckte Zimmer, die nur schwer zugänglich waren, versteckt hinter Schrankwänden und unter dem Dach. Meine Eltern bewahrten in ihnen besondere Dinge auf. In einem dieser Räume fand ich viele unveröffentlichte Gedichte und Texte meines Vaters, aus denen ich dann mit anderen Musikern zusammen ein Album gemacht habe.

Ich bin jedenfalls am nächsten Morgen sofort in das Haus gegangen, um nach einem weiteren Raum zu suchen. Ich habe das ganze Haus noch mal auf den Kopf gestellt, konnte aber keine weitere Geheimkammer entdecken. Also übergaben wir das Haus an Barry Gibb. Ich hatte dabei ein komisches Gefühl. Barry Gibb hat das Haus dann für viel Geld umbauen lassen, er wollte mit seiner Familie von Miami nach Nashville umziehen. Doch kurz bevor sie einziehen wollten, ist das Haus abgebrannt. Es war ein Unfall, und danach war alles zerstört. Seitdem stelle ich mir oft meine Mutter im Himmel vor, wie sie lacht, weil ich diesen weiteren Geheimraum nicht finden konnte. Oder weil ich auf ihren Scherz hereingefallen bin und es überhaupt keinen weiteren Raum gab. Ich werde es nie herausfinden. Mein Vater ist mir seitdem noch in einigen Träumen begegnet, meine Mutter nie mehr.

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Kommentare

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Eine andere Interpretation wäre dass kein anderer dieses vermeintliche Geheimnis finden sollte außer ihm, auch wenn mir das eigentlich selbst schon ein bisschen zu esoterisch ist. Aber was wissen wir Menschen schon? Alles jedenfalls noch nicht.

Aus einer rein technischen Sicht wäre es übrigens leicht gewesen versteckte Hohlräume aufzuspüren.