© Sarah Britton

Sonntagsessen Ein Hoch auf Selbstgemachtes

Sarah Britton ist überzeugt, dass Selbstgemachtes nicht nur gesünder ist, sondern auch besser schmeckt. Ihrem Blog "My New Roots" möchte man das sogar glauben. Von

Sarah Britton würde nichts essen, was sie nicht auch selbst in ihrer Küche zubereiten könnte. Denn die 32-Jährige verzichtet so gut es geht auf industriell verarbeitete Lebensmittel, vor allem auf Zucker, Milchprodukte und Fleisch. Das Schlüsselerlebnis zu dieser radikalen Veränderung hatte die Fotografin und Designerin vor zehn Jahren, nachdem sie ein paar Monate auf einem Biobauernhof in Arizona verbrachte und sich nur von dem ernährte, was dort angebaut wurde. Ihr Gewicht kam ins Gleichgewicht, die schlechte Haut verschwand und, für Sarah das Entscheidende, sie hatte viel mehr Energie für den Tag. Die Erlebnisse, die sie seit der Ernährungsumstellung macht, teilt sie auf ihrem Foodblog My New Roots. Neben den Rezepten zu den Gerichten bloggt sie dort auch über die Wirkung einzelner Zutaten. Denn bevor sie 2007 ihr Blog gründete, machte Britton eine Ausbildung zur Beraterin für ganzheitliche Ernährung. Seither bestimmt das Credo "Du bist, was du isst!" ihre Einkaufsliste.   

Die Kanadierin, die seit sechs Jahren in Dänemark lebt, probiert viel Neues aus, macht etwa aus Mandeln ihre eigene Milch oder kreiert sojafreien Tofu aus Kichererbsen. Als Britton sich als 16-Jährige entschied, Vegetarierin zu werden, ersetzte sie Fleisch häufig durch Weißbrot, das zwar für einen Moment satt macht, aber nicht lange vorhält. Sie suchte nach einer Alternative, entdeckte Flohsamen, die in Form von Pulver und mit Wasser bindend wirken und das Mehl ersetzen. Das Rezept für ihr life-changing loaf of bread mit vielen Nüssen und Samen gehört zu den Dauerbrennern des Blogs. Sonntagmorgens geht Britton trotzdem zum Bäcker, denn die Dänen machen in ihren Augen einfach das beste Brot. Und als Kanadierin weiß sie natürlich, wie man aus zwei Scheiben Brot ein leckeres Sandwich macht. In die Mitte kommen in Sojasauce gebratenes Tempeh (fermentiertes Soja), etwas reife Avocado und ein selbst gemachtes rotes Pesto.

Dass eine bewusste und gesunde Ernährung nicht bedeuten muss, auf Süßes zu verzichten, zeigen ihre Desserts. Aus nur fünf Zutaten macht Britton einen saftigen Raw-Brownie. Selbstverständlich sollten die Medjool-Datteln, der Kakao, die Mandeln, Walnüsse und die Prise Meersalz von bester Qualität sein. Denn jede Zutat hat hier ihre Bedeutung. Für schnelle Abkühlung sorgt ein selbst gemachtes Eis am Stiel. Die Cashewnüsse mindestens vier Stunden einweichen, pürierte Pfirsiche, Ahornsirup, Wasser und den Inhalt einer halben Vanilleschote in die Form geben, gefrieren lassen und auf dem Balkon genießen. Bei einem Picknick kommen auch weniger Kochbegeisterte nicht um Selbstgemachtes herum. Mit nur wenigen Zutaten (Rotkohl, Karotten, getrockneten Feigen) ist Brittons Powersalat schnell gemacht, der mit Kumin, Zimt, Minze und einem Teelöffel Rosenwasser würzig-süß schmeckt. Perfekt für einen langen Sonntag im Park.

Gebratenes Tempeh mit Avocado und selbstgemachtes rotes Pesto auf getoasteten Roggenbrot © Sarah Britton
Saftiger roher Brownie © Sarah Britton
Selbst gemachtes Eis am Stiel aus Pfirsichen und Cashewnüssen © Sarah Britton
Purple Power Salat aus Rotkohl, Karotten und getrockneten Feigen © Sarah Britton

Kommentare

3 Kommentare Kommentieren

Egal ob es gesund ist oder nicht, Selbstgemachtes schmeckt einfach besser. Ich finde es ist es einfach nicht wert, zum Essen wegzugehen, zumindest in den meisten Restaurants.

Letztens in einem angesagten "asiatischen" Restaurant hatte ich Jiaozi / Gyoza bestellt. Es kamen 4 Stück, gefüllt mit pürierten Shrimps, ein paar Erbsen und etwas Karotten drin. Geschmack: ölig / fad. Preis: 4,50 Euro. Kein Salz, keine Sojasauce, keine Lauchzwiebel, keine Zwiebel, kein Sesamöl, keine Austernsoße, nichts haben die da reingemacht.

Soll ich darüber lachen, oder weinen? Erstens mache ich mir für den Preis privat 20 Stück, zweitens schmecken sie wenn ich sie selber mache einfach besser, weil ich weiss, wie ich sie machen muss.

Es ist einfach nur peinlich, wegzugehen und zu merken, wie schlecht die Köche sind, bzw. wie faul oder wie geldgeil. Aber die meisten Kunden scheinen das gar nicht zu merken, die wollen einfach nur gesehen werden.

Selbermachen... hat schon was. Allerdings wäre es interessant zu wissen, wie ein Biobauernhof ohne Tiere wirtschaften. Elisabeth Raether hat dazu gerade einen tollen Artikel im aktuellen gedruckten Zeitmagazin veröffentlicht. Wir machen auch immer mehr selbst: Fonds, Pestos, Chutneys, Salzzitronen... Solange man im Rahmen bleibt, macht es Spaß und es schmeckt natürlich viel besser als der Fertigkram, weil man Herr über die Zutaten bleibt (in welchem Industriepesto "á la Genovese" sind wirklich nur teure Pinienkerne, keine billigen Cashewkerne enthalten?) und natürlich gemäß eigenem Geschmack variieren kann. Aber so radikal wie im Artikel beschrieben würde ich nicht vorgehen, zumal ich auch nicht die Zeit habe, meinen Energie- und Nährstoffbedarf ausschließlich vegan zu decken.