© Samuel Nyholm

Fleischlose Ernährung Her mit der Wurst!

Fleischlose Ernährung soll besser sein: für die Umwelt, die Gesundheit, die Moral. Das stimmt nur leider nicht. Sieben Gründe, warum Vegetarier und Veganer falsch liegen. Von

1. Die Annahme: Man darf Tiere nicht töten, nur weil sie Tiere sind.

Das ist eine Meinung, eine völlig legitime Meinung, aber keine, die auf Fakten beruht. Es gibt wenige Untersuchungen und wenige empirische Ergebnisse zur Gefühlswelt von Tieren. Was der Tod für ein Tier bedeutet – darüber gehen die Auffassungen auch unter den Tierethikern weit auseinander. Es gibt durchaus einige, die sagen: Man darf Tiere essen, sofern sie getötet wurden, ohne gelitten zu haben.

2. Die Annahme: Den Nutztieren in deutschen Ställen geht es nicht gut. Wenn ich auf Fleisch verzichte, ist das ein Boykott.

Die Wirklichkeit: eine Geste. Verständlich. Und sehr praktisch für den Bundeslandwirtschaftsminister. Zusammen mit Veganern und Vegetariern schiebt er die Schuld für die Tiermisere dem verfressenen Verbraucher in die Schuhe. Das bewahrt ihn davor, sich mit der milliardenschweren Lebensmittelindustrie über den absurd niedrigen Fleischpreis in diesem Land auseinanderzusetzen.

3. Die Annahme: Vegan is the future

Die Wirklichkeit: Wären alle Menschen Veganer, gäbe es keine Bauernhoftiere mehr, und also keinen Kuhmist, keine Kuhmistdüngung und keine biologisch-dynamische Landwirtschaft mehr – immerhin die nachhaltigste Landwirtschaftsform, die wir derzeit kennen. Stattdessen gäbe es noch mehr Phosphatdünger auf den Feldern, wie er in der konventionellen Landwirtschaft in großen Mengen eingesetzt wird. Der ist leider giftig. Könnte man durch Düngung mit Pflanzenresten und durch Anbau von stickstoffbildenden Zwischenfrüchten Erträge erwirtschaften und die Bodenfruchtbarkeit erhalten? Nein. Zumindest nur in sehr wenigen Weltgegenden.

4. Die Annahme: Wenn man Fleisch isst, ist man Schuld am Welthunger, weil Nutztiere den Menschen das Getreide wegfressen.

Die Wirklichkeit: Zwei Drittel der weltweit landwirtschaftlich genutzten Flächen sind Grasland, das man nicht in Ackerland umwidmen kann. Menschen können kein Gras essen, Wiederkäuer schon: Sie machen hochwertige Proteine daraus, die uns ernähren.

5. Die Annahme: Für den Anbau von Futtermitteln wird der Regenwald gerodet, was dem Klima schadet.

Die Wirklichkeit: Das ist EU-Politik. Gefördert wird die Einfuhr von Futtermitteln aus Brasilien und Argentinien, indem keine Zölle erhoben werden. Nicht gefördert werden dagegen die Weidehaltung und die Tiergesundheit. Billiges Futter macht das Fleisch und die Milch billig. So lässt sich viel Geld verdienen. Es wäre offensichtlich wirkungsvoller, diese Politik infrage zu stellen und nicht den Fleischkonsum.

6. Die Annahme: Fleischlose Ernährung ist gesünder.

Die Wirklichkeit: Bislang hat noch keine Studie nach wissenschaftlichen Kriterien nachweisen können, dass die vegane oder vegetarische Ernährung gesünder wäre als die abwechslungsreiche Vollwertkost, wie sie zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt.

ZEITmagazin Nr. 30 vom 17. Juli 2014 @ ZEITmagazin

7. Die Annahme: Die meisten Leute machen sich doch überhaupt nicht bewusst, dass sie ein totes Lebewesen verspeisen.

Die Wirklichkeit: Es stimmt. Wenn Fleischesser mal ehrlich sind, graut es ihnen vor dem toten Tier genauso wie den Vegetariern. Deshalb gibt es nur noch Filets und appetitliche Fleischstücke in den Auslagen und auf den Tellern – und kaum noch Innereien. Deshalb hat das Masthuhn heute einen so niedrigen Fettanteil, dass es nach fast nichts schmeckt. Der Ekel vor Blut, Tod und Körpern, ein Zeichen von Zivilisation? Oder ein Zeichen von Entfremdung und ein großer Verlust? 

Den Essay "Ran an die Buletten" von Elisabeth Raether lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des ZEITmagazins, die Sie am Kiosk oder online erwerben können.

Kommentare

215 Kommentare Seite 1 von 34 Kommentieren

Wie wäre es denn einfach mal mit ein paar Argumenten?

1. Mit dieser Argumentation müssten Sie jedem Raubtier das Jagen verbieten.

2. Das in der modernen Massentierhaltung vieles schief läuft, wird niemals ernsthaft bestreiten, aber es gibt ja durchaus Alternativen, man muss sich halt nur informieren.

6. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass eine vegane Ernährung gesünder ist. Eine Ernahru , die nicht ohne Nahrungsergänzungsmittel auskommt, finde ich alles andere als gesund.
7. Bei diesem Punkt stimme ich Ihnen sogar ausnahmsweise einmal zu. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sich zukünftig alle vegan ernähren müssen...

Ein derart komplexes Thema kann so knapp nicht mit falsch oder richtig beantwortet werden.
Betrachtet man mal den deutschen Fleischkonsum, ist es tatsächlich gesünder, kein Fleisch zu essen, als in welchem Maße es sonst hierzulande geschieht. Würden die Menschen nur 1-2 mal die Woche Fleisch konsumieren, könnte auch der Fleischpreis steigen.

Wie wollen Sie die Politik in Frage stellen ohne selbst großartig politisch aktiv zu werden? Sie ändern Ihr Kaufverhalten. Bei größerer Nachfrage von vegetarischen Lebensmitteln und einem Sinken der Nachfrage von Fleisch könnten die Politiker ihre Schwerpunkte der Subvention mal überdenken, ohne, dass es aufgezwungen wird wie beispielsweise der Veggie-day in den Kantinen, der so vehement abgelehnt wird.

Und nur weil Landfläche nicht bebaut werden kann heißt das nicht, dass dort Tiere weiden. Die stellen wir lieber in den Stall und füttern sie mit billigem Sojamehl aus Brasilien und dafür wird leider wirklich der Regenwald abgeholzt.
Trick dabei: Gefördert wird nur "Regenwaldfreies Soja", das nicht auf extra gerodetem Land angebaut wird. Dafür werden einfach die Viehwirte mit ihren Rindern von ihren Grundstücken weg gekauft und dort Soja angebaut. Dass diese Fläche mal gerodet wurde und die Bauern nun woanders roden fällt der EU nicht auf.

Wirklich absurd, dass einem solchen hanebüchenen Gereder hier eine Plattform geboten wird. Wer wurde denn da von wem geschmiert, dass so ein Artikel veröffentlicht wird? Und das auch noch in der Druckausgabe?

Und zur "Argumentation" braucht man nicht mehr zu sagen als: Haben Sie mal darüber nachgedacht, dass man nicht für jede Handlung oder Einstellung rationale oder objektive Gründe benötigt, sondern dass man auch einfach etwas nicht mehr tut, weil man sich ekelt, weil es es einem dabei nicht gut geht oder weil man schlicht und einfach nicht mehr will? Ist das noch erlaubt, oder sind wir alle Computer, die auf rationales Handeln programmiert sind? Angenommen, es gäbe möglicherweise tatsächlich keinen einzigen rationalen Grund dagegen, Fleisch zu essen, bin ich dann dazu verpflichtet oder bleibt mir trotzdem doch das Recht auf freie Wahl?

"Angenommen, es gäbe

"Angenommen, es gäbe möglicherweise tatsächlich keinen einzigen rationalen Grund dagegen, Fleisch zu essen, bin ich dann dazu verpflichtet oder bleibt mir trotzdem doch das Recht auf freie Wahl?"

Natürlich bleibt Ihnen die frei Wahl, aber gestehen Sie diese freie Wahl den Fleischessern auch zu? ;-)

Ach ja, es gibt übrigens in der Tat keinen einzigen rationalen Grund nicht mal gelegentlich Fleisch zu essen.