© Molly Yeh

Sonntagsessen Unsere kleine Farm

Bauernhof gegen Singleleben in New York: Molly Yeh liebt das Landleben und zeigt auf "My Name Is Yeh", wie man chinesische und jüdische Familientraditionen vereint. Von

Schon während des Studiums in New York hat Molly Yeh gern gekocht. Aber erst seitdem sie der Liebe wegen von Brooklyn nach North Dakota zog, dreht sich der Alltag der 25-Jährigen von morgens bis abends fast ausschließlich ums Essen. Denn ihr Verlobter, ein Amerikaner mit norwegischen Wurzeln, führt hier, im Norden des Mittleren Westen der USA, in fünfter Generation die Farm der Familie. Während er die Felder bearbeitet, bereitet sie das Mittagessen zu, weckt ein oder überlegt sich neue Namen für die Hühner. Und genießt es dabei – ganz anders als in New York – nicht gleich als Hipster zu gelten.

In der ruhigen Welt des Farmlebens verbringt Yeh viel Zeit in ihrer Küche und probiert am liebsten regionale Spezialitäten aus. Erst letztens traute sie sich an ein Familienrezept ihres Verlobten für Lefse, ein norwegisches Fladenbrot aus Kartoffeln und Roggen- und Weizenmehl, das in der Nachbarschaft oft an Feierlichkeiten gereicht wird. So auch vergangene Woche an Thanksgiving. Für ihren ersten Versuch stand ihr kein Geringerer als Restaurant- und Food-Kritiker der New York Times Sam Sifton zur Seite.

Den Entschluss, ihre Freude am Kochen mit anderen zu teilen, fasste Yeh vor fünf Jahren. Seitdem sie schreiben kann, führt sie Tagebuch, da war ein eigenes Blog nur konsequent. Auch wenn Yeh vorwiegend alleine kocht, trifft man in ihren Posts nicht selten auf Eggboy, ihren Verlobten, der seinen Spitznamen wegen seiner Vorliebe für Eier trägt. Da er zusätzlich auch auf Gluten verzichtet, gibt es manch Leibgericht Yehs heute seltener. Wie zum Beispiel ihre heißgeliebten Shengjian Bao, chinesische Teigbällchen mit Fleischfüllung, die sie als Kind schon oft gegessen hat. Wenn sie richtig Lust darauf hat, macht sie sie trotzdem. Dann muss sie eben alle alleine aufessen. Statt sie traditionell mit Schweinefleisch zu füllen, bevorzugt Yeh eine Mischung aus Speck, Ei und Parmesan. Außerdem werden die sonst nur gedünsteten Bällchen noch einmal scharf angebraten.

Als Jüdin weiß Molly Yeh auch wie Challah, ein traditionell jüdischer Hefezopf geht. Weil sie gern experimentiert und deutsches Essen liebt, macht sie mit etwas Lauge einen fluffigen Laugenzopf daraus. Wenn es einmal schnell gehen muss, vertraut sie auf Falafelbällchen, die wunderbar zu Salat mit Sesamdressing schmecken.

Auch wenn man meinen könnte, auf einem Hof alle Zutaten vor der Haustür zu haben, geht Yeh oft auf den Farmer's Market, um sich von den Farben inspirieren zu lassen. Die Kartoffeln für ihre Salt and Vinegar-Galette nimmt sie aber vom eigenen Feld. Erst werden sie in Essig und Salz gekocht, bevor sie in der Pfanne kurz angebraten werden. Zu ihrem säuerlich-salzigen Geschmack gesellen sich karamellisierte Zwiebeln. Diese Geschmacksexplosion von Süßem und Salzigem wird im buttrigen und knusprigen Galetteteig aufgefangen.

Da Chanukka kurz vor der Tür steht, empfiehlt Yeh als süße Mahlzeit ihre Suganiyots, die man aus dem Hebräischen ins Deutsche mit Krapfen oder Berliner übersetzen kann. Dafür wird Biskuitteig zu einer Kugel geformt, frittiert und mit Marmelade gefüllt. Anschließend kommen sie ins Zuckerbad.

Auch wenn Yeh das Farmleben über alles liebt, Besuch schafft es eher selten auf ihren abgelegenen Hof. Haben Verwandte oder Freunde die lange Reise doch auf sich genommen, versucht die leidenschaftliche Köchin, ihren Aufenthalt unvergessen zu machen. Dazu gehören auch die Brownies, mit einer Glasur aus Matchapulver, Butter, Honig und Vanille.

Shengjian Bao à la Molly Yeh: Teigbällchen gefüllt mit Speck, Ei und Parmesan © Molly Yeh
Challah als Laugenzopf © Molly Yeh
Falafel auf Salat mit Sesamdressing © Molly Yeh
Kartoffel-Galette Salt and Vinegar © Molly Yeh
Matcha-Brownies © Molly Yeh

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Bei dem Versuch die Suganiyots nachzubacken sollte man allerdings bedenken das amerikanischer Biscuit mit deutschem Biskuit wenig gemeinsam hat. Der amerikanische ist (eher) vergleichbar mit einem Teig für Scones und hat daher auch nur 1 Ei auf 325g Mehl, während der deutsche auf ca. 250g Mehl (und Stärke) ganze 6 Eier braucht und damit weder ausrollbar noch zu Kugeln formbar ist (zumindest nicht vor dem Backen).