© Kaja Hengstenberg

Sonntagsessen Ein Koffer voller Rezepte

Kaja Hengstenberg ist ein Globetrotter und die Liste ihrer Reiseziele noch lang. Auf "The Recipe Suitcase" teilt sie ihre Entdeckungen. Von Churros bis Grilled Cheese. Von

Es gibt nur wenige sympathische Futterneider. Kaja Hengstenberg ist eine von ihnen. Wenn die 24-Jährige erst mal anfängt, über Essen zu schreiben, scheint es, als wolle sie gar nicht mehr aufhören. Egal ob sie von einem einfachen Käsesandwich spricht oder einer aufwendigeren Rhabarber-Baiser-Torte, ihre Texte leben vor allem von dem Genuss, den ihr das Essen bereitet. Auch wenn man von ihrem Teller nur selten probieren darf, teilt sie doch gerne: Auf ihrem Blog The Recipe Suitcase bekommt man neben Rezepten auch persönliche Restaurantempfehlungen aus aller Welt.

Weil Kaja während ihres Auslandssemesters in Barcelona schnell keine Lust mehr auf die Restaurantempfehlungen ihres Reiseführers hatte, machte sie sich selbst auf die Suche. Ihre Geheimtipps veröffentlichte sie auf ihrem eigenen Blog. Einfach weil sie dachte, anderen ginge es vielleicht ähnlich. Was als persönlicher kulinarischer Städteguide begann, vermischte sich schnell mit ihren eigenen Rezepten. Zu gern wollte sie all die Neuentdeckungen nachkochen. Am Savoury Wednesday, also am herzhaften Mittwoch, kocht sie meist salzige Gerichte. Am Freitag, dem Restaurant Friday empfiehlt sie kulinarische Entdeckungen in der Stadt. Inzwischen wohnt die Rheinländerin, nach Aufenthalten in Buenos Aires, Barcelona, London und New York, in Berlin. Aber schon bald wird es sie für ein Jahr nach Paris verschlagen. Auf die vielen guten Baguettes und Croissants freut sie sich jetzt schon.

Unser Sonntagsessen ist wie Kajas Blog ein Sammelsurium aus ihren Lieblingsgerichten, die ihr in den letzten Jahren auf der ganzen Welt begegnet sind. Kaja ist nicht wählerisch. Ihr einziger Wunsch? Dass es schmeckt.

Ein Gericht, bei dem das bisher immer der Fall war, sind Pimientos de Padrón, die Kaja in Barcelona eigentlich immer zu ihren Tapas dazu bestellte. Dieser Klassiker der spanischen Küche bedarf tatsächlich nur drei Zutaten: kleine grüne Paprikas (Pimientos), Olivenöl und Meersalz. Hat man die Schoten in einer Pfanne braun gebraten, streut man nur noch das grobe Salz darüber. Gäbe es jetzt noch Patatas Bravas und frittierte Tintenfische, wäre die kulinarische Reise nach Barcelona für die junge Köchin perfekt.


Hin und wieder überkommt Kaja die Lust auf gegrilltes Fleisch. Dann macht sie Choripán, ein argentinisches Sandwich, das mit Chorizo, der scharfen spanischen Wurst belegt ist. Dafür bereitet sie Chimichurri zu, eine grüne Sauce, die man in Argentinien zu gegrilltem Fleisch isst. Petersilie, Oregano, Knoblauch, Schalotten und Chili in einer Schüssel anrühren und anschließend mit einer Mischung aus Rotweinessig, Maiskeim- oder Sonnenblumenöl und frischem Zitronensaft vermengen. Danach in den Kühlschrank stellen. Dann das angeröstete Brot mit der abgekühlten Sauce bestreichen und mit der von beiden Seiten angebratenen Chorizo belegen.

Ebenfalls gegrillt, aber doch ganz anders, schmeckt Kajas Variante des Grilled Cheese mit Feigen, Speck und Thymian, die sie von den Londoner Streetfood-Märkten mitgebracht hat. Der Belag kann natürlich nach persönlichem Geschmack variiert werden. Kaja, die die Kombination aus Süßem und Salzigem liebt, entscheidet sich für französischen Weichkäse mit Honig-Feigen, Thymian und Speck. Den besonderen Geschmack bekommt das Sandwich aber vor allem durch den zerlaufenen Käse, der ins Brot einzieht und am Rand ausläuft.

In New York lud Kajas kleine Küche nicht gerade zum Kochen ein, also probierte sie fast jedes Angebot um die Ecke aus. So entdeckte sie ihren Lieblings-Bagel-Laden, dessen rundes Gebäck sie zurück in Europa nicht missen wollte. Ihre Variante mit Sesam sei lecker, aber noch nicht ganz so gut wie das amerikanische Original, sagt sie. Ein anderes kulinarisches Mitbringsel ist der Cronut, die legendäre Kreuzung zwischen Donut und Croissant, die der Franzose Dominique Ansel in New York erfand. Mit Ahornsirup und Speck gewürzt ist diese Kalorienbombe ganz nach ihrem Geschmack: pikant-süß.

Etwas leichter ist der Orangen-Polenta-Kuchen, für den sich Kaja ganz auf ihr Gefühl verließ, und mit dem Ergebnis überraschend zufrieden war. Für den Teig mixte sie jeweils 100 g Mehl, 100g geriebene Mandeln mit 100 g Polenta. Dazu kamen noch vier Eier, Butter, brauner Zucker sowie Backpulver, und natürlich Saft und etwas Schale von einer Orange. Nach 40 Minuten im Ofen ist der saftige Kuchen fertig.

Soll es nur süß sein, macht die Studentin gerne Churros. Das recht fettige Gebäck aus Spanien wird erst frittiert, bevor es anschließend im Zuckerbad gewendet wird. Dann tunkt man es in Schokosauce oder in Dulce de Leche, eine Karamellcreme, die die Argentinier erfunden haben. Dafür muss man lediglich eine Dose süße Kondensmilch für vier bis fünf Stunden im Wasserbad kochen lassen, damit sich die Milch in eine karamellbraune Masse verwandelt. Mit einem Handmixer kurz aufgeschäumt, in Einmachgläser füllen und jederzeit genießen. Seitdem Kaja sie das erste Mal gekostet hat, ist sie davon überzeugt, dass dieser süßen Creme keiner widerstehen kann. Wenn eine süße Verführung doch immer so einfach wäre.

Pimientos de Padrón: Kleine gebratene grüne Paprika mit Meersalz © Kaja Hengstenberg
Grilled-Cheese-Sandwich mit Honig-Feigen, Speck und Thymian © Kaja Hengstenberg
Selbst gemachte Sesam-Bagel © Kaja Hengstenberg
Cronuts: ein Mischgebäck aus Croissant und Donut, mit Ahornsirup und Speck © Kaja Hengstenberg
Orangen-Polenta-Kuchen © Kaja Hengstenberg
Churros: süßes Gebäck, das man vor allem gern in Spanien isst © Kaja Hengstenberg
Dulce de Leche: Karamellige Creme aus Kondensmilch, aus Argentinien © Kaja Hengstenberg

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