© Joshua Weissman

Sonntagsessen Radikal rustikal

Mit dem gesunden Kochen begann Joshua Weissman, weil er als Teenager gemobbt wurde. Mittlerweile hat der 20-Jährige aus seiner Leidenschaft ein Paläo-Kochbuch gemacht. Von

Als Joshua Weissman mit 16 Jahren sein Foodblog Slim Palate gründete, wollte er in erster Linie kein Foodblogger sein. Ihm ging es darum, die Geschichte zu erzählen, wie aus ihm, dem gehänselten Teenager, ein Kochbuch-Autor wurde. In Kalifornien aufgewachsen stand Joshua schon als Kind gern in der Küche. Der Geruch, der das ganze Haus durchzog, wenn seine Mutter kochte, hatte für ihn etwas von Magie. Er war erst drei Jahre alt, als er zum ersten Mal die Cranberrys für Thanksgiving vorbereitete und auch sonst ließ ihn seine Mutter gerne mithelfen. Ein Gefühl dafür, was gesund ist und was nicht, bekam Joshua allerdings erst als Teenager, vorher war er lange übergewichtig.

Als er die Sprüche seiner Mitschüler endgültig satt hatte, fing er an, seine Ernährung umzustellen. Joshua ging nicht mehr in den Supermarkt, sondern erledigte seine Einkäufe auf den Wochenmärkten der Stadt. Dort entdeckte er das Privileg, zu wissen, wo die eigenen Nahrungsmittel herkommen. Und dem Bauern die Hand schütteln zu können, der einem täglich frische Eier bringt. Seitdem er weiß, wie viel Arbeit hinter einem guten Produkt steckt, schätzt er das Kochen noch mehr. Ausschließlich frische Zutaten zu verwenden, wurde zur Routine, das eigene Blog sein Weg, anderen Menschen in einer ähnlichen Situation Mut zu machen.

Dass ihn zwei Jahre später ein Verlag fragte, ob er nicht ein Kochbuch schreiben wolle, findet er bis heute surreal. Joshua nutzt seine Chance, verfeinerte in der Küche seiner Eltern in Texas Ideen und Gerichte, bis er schließlich über hundert Rezepte beisammen hatte. Slim Palate ist kein Diätbuch, aber die Rezepte folgen der Paläo-Ernährung. Er fühle sich einfach besser, seitdem er auf Zucker, Getreide und Milchprodukte verzichtet, sagt Weissman.

Für unser Sonntagsessen hat der heute 20-Jährige seine Lieblingsrezepte zusammengestellt, angefangen bei Grünkohl-Chips. Unbeeindruckt vom allgegenwärtigen Kale-Trend kann er die herben Blätter eigentlich bis heute nicht leiden. Trotzdem probiert er sie immer wieder und im Ofen gebacken schmecken sie ihm tatsächlich. Durch das Garen würden sie ihren bitteren Geschmack verlieren, sagt er. Vom Stiel befreit und in einer Marinade aus Tahini, Olivenöl, Kreuzkümmel, Knoblauch und Paprikapulver gewendet, kommen sie für zwanzig Minuten in den Ofen. 

Kommt bei Joshua Fleisch auf den Tisch, versucht er aus Respekt vor dem Tier, möglichst alles zu verwenden. Deshalb gibt es Sweet Chili Chicken Wings nur dann, wenn zuvor um die zehn Hühnchen verputzt wurden. Anstatt die Flügel beim Metzger zu kaufen, friert er die Reste lieber ein, wenn es mal wieder Hühnchen zu Hause gab. Das Wichtigste bei dem amerikanischen Klassiker sei die Marinade, die er aus Tamari, Honig, Tamarindenpaste, Melasse (Zuckersirup), Knoblauch, Ingwer und Limettensaft zusammenrührt. Die Hähnchenflügel darin zwei bis drei Stunden im Kühlschrank ziehen lassen, aber nicht länger, sonst werden sie zu salzig. Dann die Schenkel von der Sauce befreien und auf ein mit Backpapier belegtes Blech verteilen. Die restliche Marinade wird nun in einem Topf erhitzt. Sie soll nicht kochen, aber unter ständigem Rühren etwas eindicken. Anschließend die Hähnchenschenkel für ein paar Minuten unter den vorgeheizten Grill legen und noch warm mit der eingekochten Marinade übergießen. Darüber gehackten Koriander geben und gleich genießen.

Ein Dessert, das noch ein bisschen nach Winter schmeckt, aber schon Lust auf den Frühling macht, ist Joshuas Bourbon Birne. Dafür halbiert er der Länge nach ein paar reife Birnen und entkernt die Hälften mit einem Löffel. Parallel wird der Ofen vorgeheizt und in einer Auflaufform ein guter Whiskey zusammen mit Honig, Wasser, Butter oder Kokosnussöl, Limettensaft und Zimt verrührt. Während die eingelegten Birnen in der Whiskey-Mischung im Ofen durchbacken, kann man sich überlegen, ob man dazu lieber Mascarpone, Vanilleeis oder griechischen Joghurt isst. Nur die gerösteten Pekannüsse dürften nicht fehlen.

Um endgültig Frühlingsgefühle zu wecken, empfiehlt Joshua ein selbst gemachtes Rosmarin-Wasser. Das Getränk ist eine Alternative zu den übersüßen Sodas wie Sprite oder Cola und schnell zubereitet. Man braucht nur ein paar frische Rosmarinstängel sowie frische Minze und ein paar Spritzer Limettensaft. Nur mit Mineralwasser aufgegossen oder als Basis für einen richtigen Drink mit Vodka oder Gin – so oder so kann man mit ein wenig Ahornsirup nachsüßen.

Ein proteinreiches Abendessen sind Joshuas Egg Foo Young, kleine Ei-Frikadellen mit Schinken, Speck und Koriander. Für den besonderen Kick in diesem einfachen Gericht sorgt die Fischsauce, die im besten Fall nur aus Anchovis und Salzwasser besteht. Zusammen mit Kokosmehl und Apfelessig wird sie unter die geschlagenen Eier gerührt, anschließend kommen gewürfelter Schinken, Speck, Zwiebeln, Spinat, Koriander und ein wenig Backpulver hinzu. Die Mischung zu kleinen Kugeln formen und platt gedrückt in der Pfanne von beiden Seiten goldbraun braten.

Dazu isst Joshua am liebsten seine selbst gemachte Chili-Knoblauch-Sauce. Die vom Stiel befreiten und klein geschnittenen Chilischoten werden zusammen mit den Kernen in einem Mixer gehäckselt. Je mehr Kerne man dazu gibt, desto schärfer wird die Sauce. Anschließend die Knoblauchzehen sowie den Reisweinessig hinzugeben und noch einmal durchmixen. Dann die pürierte Chilimasse in einer Pfanne erwärmen und für fünf bis sieben Minuten köcheln lassen. Selbstverständlich kann man die Chili-Sauce gleich genießen, noch besser schmeckt sie aber, wenn sie mindestens vier Stunden ziehen durfte.

Ebenso einfach zuzubereiten, aber dafür weniger leicht sind Joshuas gebratene Radieschen mit Speck. Die gesündere Variante wäre natürlich, auf den Speck zu verzichten. Aber es sei ja gerade der Speck, der das einfache Gericht so schmackhaft macht. Deshalb gibt es sie bei Joshua nur selten. Den Bacon dazu erst in der Pfanne knusprig braten, anschließend herausnehmen und in dem übrig gebliebenen Fett die halbierten Radieschen schwenken. Anschließend frisch gehackten Rosmarin dazu geben und nochmals kräftig umrühren. Lassen sich die Radieschen mit einer Gabel leicht aufspießen, sind sie fertig und können zusammen mit dem gebratenen Speck und einem Spritzer Balsamico serviert werden. 

Grünkohl-Chips © Joshua Weissman
Sweet Chili Chicken Wings mit Koriander © Joshua Weissman
Joshuas beschwipste Birne mit Bourbon © Joshua Weissman
Joshuas Egg Foo Young - kleine Ei-Frikadellen mit Schinken, Speck und Koriander © Joshua Weissman
Knoblauch-Chili-Sauce © Joshua Weissman

Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Paläo - was für ein herrlicher Modehype. Die Rezepte sind ja tatsächlich oft recht lecker (wie bei allen anderen Ernährungsmoden auch). Aber ein Gericht mit Schinken und Speck als "Paläo" zu bezeichnen ist schon drollig. Das Haltbarmachen mittels Pökelsalz ist wohl eher nicht steinzeitlich und zudem ist der Konsum von exakt solchen Nahrungsmitteln jenseits aller Moden als gesundheitlich nicht gerade förderlich belegt.

Foodblogs finde ich ja klasse, gerne auch aus anderen Ländern. Aber einfach nur abschreiben ist, ehrlich gesagt, öde. Vor allem wenn's nicht so ganz klappt: "die Fischsauce, die im besten Fall nur aus Anchovis und Salzwasser besteht", besteht nämlich im Original aus "only 2 things; wild caught anchovy and sea salt". "Sea salt" mit "Salzwasser" zu übersetzen finde ich dann doch etwas sehr frei...

Abgesehen davon, dass im Blog eine spezielle Marke gemeint ist, und mal ganz ehrlich: Foodblogs, deren Zutaten ich bei Amazon kaufen kann, finde ich nun wirklich nicht unbedingt so "paläo".

"Tamari" musste ich übrigens auch nachschlagen. Um festzustellen: ist japanisch und heißt auf Deutsch schlicht Sojasauße. Wobei ich jetzt immerhin gelernt habe, dass es welche gibt die mit, und welche die ohne Weizen hergestellt wird.

Aber bei soviel eher weniger lokalen Zutaten, muss ich dann doch feststellen, kann ich es mir auch ersparen, erst zehn lokale Hähnchen zu vertilgen, bevor ich Hähnchenflügel machen kann.

Wie wäre es mit ein bißchen mehr regionaler Küche, oder wenn international, dann mit Angaben, was verwendet werden kann, ohne den Versandhandel bemühen zu müssen?