© Jenny Ha

Sonntagsessen Du süßes Ding

Das Blog "Laced with Sugar" der Bäckerstochter Jenny Ha sammelt nicht nur originelle Rezepte, sondern feiert euphorisch ein verschmähtes Industrieprodukt: den Zucker. Von

Wächst man wie Jenny Ha in einer Backstube auf, ist es fast unmöglich, Süßes nicht zu lieben. Als kleines Mädchen schon rannte die Neuseeländerin zwischen den Kunden der Bäckerei und den mehlbefleckten Angestellten hin und her und spielte mit allem, was sie in die Finger bekam. Drehte ihre Mutter aus einer Teigrolle wieder ein Croissant, faszinierte sie das ebenso wie die Momente, in denen das Brot aus dem Ofen kam und noch dampfte. Trotz ihrer Begeisterung durfte sie ihren Eltern nur selten zur Hand gehen. Zu oft habe sie im Weg gestanden und Chaos verursacht.

Selbst an den Herd fand Jenny Ha erst, als sie sicher auf eigenen Beinen stand. Mit 18 Jahren nahm sie einen Job als Babysitterin an und hatte viel Zeit, während die Jungs in der Schule waren. Diese Stunden brachte sie am liebsten herum, indem sie all das backte, worauf sie schon immer Lust gehabt hatte. Und im Gegensatz zu den anspruchsvollen Kunden in der Bäckerei ihrer Eltern verziehen die Kleinen Anfängerfehler und waren dankbare Testesser.

Ihr Blog Laced in Sugar ist eine Hommage an den Zucker. Als Ha einen Artikel über die üblen Seiten des Industrieprodukts las, dachte sie sich: "Jetzt erst recht!" Auch wenn sie weiß, dass Zucker ungesund ist, arbeitet sie nur hin und wieder mit alternativen und natürlichen Süßungsmitteln. Zu gut schmecke es einfach, wenn etwas mit Zucker gebacken wurde.

Zur richtigen Sünde wird Süßes vor allem dann, wenn man es frittiert. Aber genau das müsse manchmal einfach sein, findet Ha und meint damit ihre Donuts. Damit diese richtig schön fluffig werden, gibt Jenny Ricotta in den Backteig, den sie mit Mehl, Backpulver, Zimt, Eiern, Vanille, Salz und Zitronenabrieb anrührt. Man könne auch Joghurt oder saure Sahne nehmen, aber nur Ricotta mache die Teigbällchen so luftig. Dann in einem tiefen Topf Rapsöl erhitzen und mit einem Thermometer auf knapp 75 Grad bringen. Anschließend die Teigkugeln mit einem Schöpflöffel in das Öl gleiten lassen und nach 4-5 Minuten herausnehmen. Leicht abgekühlt kommen sie ins Puderzuckerbad. Man kann sie gleich genießen oder mit einer salzigen Karamellcreme füllen. Dann seien sie erst richtig unwiderstehlich, sagt Jenny. Die Creme bereitet man am besten am Abend vorher zu, weil sie über Nacht hart werden muss.

Bringt Jenny ihren Himbeer-Birnen-Kuchen mit saurer Sahne mit zur Arbeit, ist die Stimmung immer gut. Schon allein der schwammartige Teig sei ein Traum, aber die Kombination aus ihrer Lieblingsfrucht, Himbeeren, und reifen Birnen runde das Kuchenerlebnis ab. Weil Jenny in ihrer Kindheit Unmengen an Kuchen verdrückte und oft Zahnprobleme hatte, müssen ihre eigenen Kreationen heute etwas leichter sein. Deshalb ist die Obstschicht auch doppelt so dick wie der Boden. So gehe er fast als Frühstückskuchen durch, findet sie. Während der Ofen auf 180 Grad vorheizt, ist der Teig aus Mehl, Butter, Zucker, Vanille, Eiern und saurer Sahne schnell zubereitet. Dann den Teig in eine Springform geben, mit den schmal geschnittenen Birnenscheiben belegen und die Lücken mit gefrorenen Himbeeren befüllen. Nach einer Stunde im Ofen ist der fluffige Kuchen fertig und kann mit Puderzucker bestreut und serviert werden.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen lässt Schokolade Jenny völlig kalt. Dass sie dennoch einen Schokokuchen zaubert, der zu ihren Lieblingsrezepten zählt, ist wohl ihrem Backtalent geschuldet. Das Rezept des Chocolate Chiffon Cake ist einfach, aber eine Herausforderung gibt es für Jenny dennoch: Eier trennen. Trotz jahrelanger Backerfahrung landet bei ihr immer etwas Schale oder Eigelb im Eiweiß. Da der Kuchen aber einfach zu gut schmeckt, stellt sie sich regelmäßig diesem zugegeben nicht ganz dramatischen Risiko. Hat man den Teig aus Kakaopulver, Mehl, Backpulver und -triebmittel, Butter, Eigelb, Zucker, Wasser und Vanille zusammengerührt, vorsichtig den Eisschnee unterheben. Während der Kuchen im Ofen backt, ist Zeit für die Schokoganache. In einem Topf erst Sahne erhitzen, die dunkle Schokolade unterrühren und anschließend abkühlen lassen. Über den gestürzten Kuchen die Ganache verteilen, mit Schokoflocken bestreuen und genießen.

Bei so viel Nascherei bevorzugt man zu besonderen Anlässen durchaus mal was Herzhaftes wie Shakshuka. Für die in Tomatensoße pochierten Eier werden als erstes Zwiebeln und Knoblauch in einer Pfanne in Olivenöl angedünstet, dann kommen Dosentomaten und Tomatenmark dazu. Leicht einköcheln lassen und mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker würzen. Dann kommen die Eier hinzu. Einfach eines nach dem anderen in die Tomatensauce schlagen, so dass jedes genug Platz hat zu garen. Nach guten fünf Minuten mit frisch gehackter Petersilie und etwas Feta bestreuen, letzter verschmilzt dann mit der noch heißen Soße.  Am besten serviert man Shakshuka, indem man einfach die ganze Pfanne mit etwas Baguette auf den Tisch stellt. So kann jeder so oft zugreifen, wie er möchte.

Vor ein paar Jahren hatte die Neuseeländerin eine Low-Carb-Phase. Auf Kohlenhydrate zu verzichten, bedeutete aber nicht, dass sie sich deshalb gesünder ernährte. Anstatt ihren Menüplan ausgewogen zu halten, aß sie Unmengen an Käse und sobald sie zu Hause war, steckte der Löffel schon in einem Glas Erdnussbutter. Abends war das Durchhaltevermögen dann meist ausgereizt und sie griff doch zum Brot. Ein Gericht, das sie an diese "vielleicht ungesunde, aber doch so glorreiche Zeit" erinnert, ist der in Blätterteig gebackene Camembert. Er kommt immer dann auf den Tisch, wenn sie das Gefühl hat, sie ernähre sich zu gesund. Man braucht dafür nur ein Stück fertigen Blätterteig, auf den mittig der Käse gelegt wird. Einen Klecks Himbeer- oder Aprikosenmarmelade sowie ein paar Mandeln darauf geben, die Ecken des Teigs um den Camembert schließen, festdrücken und bei 200 Grad durchbacken. Nach 25 Minuten ist der Teig knusprig und der Käse geschmolzen genug, dass er nach dem ersten Gabelstich verführerisch aus der Kruste läuft.

Himbeer-Birnen-Kuchen mit saurer Sahne © Jenny Ha
Chocolate Chiffon Cake © Jenny Ha
Selbstgemachte Donuts mit salziger Karamellfüllung und Puderzucker © Jenny Ha
Shakshuka mit Baguette © Jenny Ha
In Blätterteig gebackener Camembert mit Aprikosenmarmelade und Mandeln © Jenny Ha

Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Man sollte Industriezucker auch verschmähen, aber nicht, weil er fett macht, sondern weil sich der entmineralisierte Zucker die Mineralien aus den Zähnen ausgleicht. Kurz: Er macht die Zähne kaputt.

Besser geht es mit Rohrohrzucker, da ist alles noch drin, die Zähne gehen nicht so schnell kaputt (trotzdem putzen), der Kuchen backt gut zusammen, schmeckt gut und man wird davon auch sehr schnell fett ;)