Sonntagsessen Boogie-Woogie am Herd

An Sonntagen kann man sich zurücklehnen oder endlich mal richtig aufdrehen. Wir empfehlen, überschüssige Energie in dieses euphorisierende Sonntagsmenü zu investieren. Von
Toasted Oats mit Heidelbeeren und Apfel

Die fünfziger Jahre, das waren Petticoats, Swing, Wirtschaftswunder und Himbeerbiskuit. Carolin Strothe denkt gerne an diese Zeit, ohne sie selbst erlebt zu haben. Gut möglich, dass man die 37-Jährige in ihrer Freizeit Charleston tanzend im pastellfarbenen Twinset antrifft. Hübsch angezogen bereitet sie in ihrer Küche turmhohe Milchshake-Torten, Rosmarin-Cupcakes und herzhafte vegetarische Gerichte zu. Ohne Herzblut geht das nicht und konsequenterweise heißt so auch Carolins 2012 gegründeter Blog. Von ihrer Großmutter "Ami" bekam Carolin schon früh die nötige Freude und Wärme mit, die es zum Kochen braucht.

Unser heutiges Sonntagsessen beginnt früh und endet spät. Für die Toasted Oats mit Heidelbeeren und Apfel röstet Carolin Haferflocken, Fenchelsamen, Vanille und Zimt in einer Pfanne, bis sie duften. Dazu passt Naturjoghurt, am besten aus Schafsmilch. Als Topping kann alles herhalten, was das Herz begehrt, zum Beispiel Heidelbeeren, Äpfel oder Kakaonibs.

Kürbis-Dal mit Spezialspiegeleiern

Von Jamie Oliver lässt sich Carolin seit ihrer Studentenzeit inspirieren. Auch das Kürbis-Dal mit Spezialspiegeleiern geht auf den britischen Koch zurück. In einem Topf Senfsamen, Kreuzkümmelsamen, Curryblätter, Knoblauch und Chilischeiben anrösten. Gehackte Zwiebel, Ingwer, Korianderstiele und Butternusskürbis mitsamt Schale dazugeben, anschließend rote Linsen und Wasser. Nach etwas 35 Minuten Kochzeit die Mischung zerstampfen und mit Salz abschmecken. Aus Koriandergrün, Joghurt, Meersalz und dem Saft einer halben Limette ein Dressing machen. Serviert wird das Dal mit gestockten Eiern, indischem Papadam und frischem Spinat.

Nach einer kurzen Verschnaufpause folgt das Mittagessen. Die Vorspeise, ein Antipasto aus Feigen und Büffelmozzarella, erinnert die Bloggerin an ihre Hochzeitsreise in die Toskana, wo sie gemeinsam mit dem Bräutigam die Früchte vom Baum pflückte. In Scheiben geschnittene Feigen und Mozzarella mit Olivenöl beträufeln und mit etwas Salz, rosa Pfefferbeeren und Rosmarinnadeln bestreuen.

Frühlingstarte mit grünem Spargel, Spinat & Tomaten

Weiter geht es mit einer Frühlingstarte mit grünem Spargel, Spinat & Tomaten. Aus Mehl, Butter, Salz und Wasser einen Mürbeteig herstellen, in eine Tarteform geben und kaltstellen. Anschließend vorbacken und mit blanchiertem grünem Spargel, Babyspinat, Tomaten und einer Mischung aus Milch, Eiern, Ricotta, Pecorino und Knoblauch übergießen. Carolin rät, den Strunk der Tomate nicht wegzuschneiden, so entfaltet die Tomate ein herrliches Aroma. Nach einer halben Stunde Backzeit mit Rosmarinnadeln und Pinienkernen bestreuen und weitere 15 Minuten backen.

Crème brûlée mit Blüten & Beeren

Den Teig für die Artischocken-Pizza mit Dinkelmehl bereitet man am besten schon am Vortag zu. Tomaten, Knoblauch, Basilikumblätter, Olivenöl, Salz und Pfeffer zu einer Sauce pürieren. Belegt wird die Pizza mit in Olivenöl gedünstetem und mit Oregano, Salz, Pfeffer und Muskatnuss abgeschmecktem Babyspinat. Dazu kommen noch halbierte Artischockenherzen, Büffelmozzarella und Pecorino. Vor dem Servieren mit Mangoldblättern, Sakurakresse und Chili bestreuen.

Auch der Nachtisch, Crème brûlée mit Blüten & Beeren, darf eine Nacht ruhen, bevor er auf den Tisch kommt. Dazu Schlagsahne mit Eigelb, Puderzucker und dem Mark einer Vanilleschote mischen, in Förmchen geben und in einer mit kochendem Wasser gefüllten Auflaufform backen. Über Nacht abkühlen lassen. Am nächsten Tag mit Rohrohrzucker bestreuen und mit einem Gasbrenner karamellisieren. Wer mag, bestreut die fertige Crème noch mit frischen Beeren und getrockneten Blüten.

Mandelbiskuitrolle

Zu einem perfekten Sonntag gehört auch ein Kuchen, in unserem Fall eine Mandel-Biskuitrolle mit weißen Johannisbeeren & Tonkabohnen. Für den Biskuitteig mischt Carolin Dinkelmehl und gemahlene Mandeln. In einer zweiten Schüssel schlägt sie Eigelb mit Wasser, Rohrohrzucker und Vanillepulver schaumig, gibt das mit Zucker steifgeschlagene Eiweiß und die gesiebte Dinkelmehl-Mandel-Mischung darüber und verbindet alles vorsichtig mit einem Schneebesen. Den gebackenen Teig erst auf ein Blech, dann auf ein mit Zucker bestreutes Küchenhandtuch stürzen, aufrollen und auskühlen lassen. In der Zwischenzeit Sahne steif schlagen und Vanillezucker, Tonkabohnenabrieb und Sahnestand einrieseln lassen. Den Teig ausrollen, mit Johannisbeermarmelade bestreichen, Schlagsahne und weiße Johannisbeeren darüber geben. Ohne Küchenhandtuch vorsichtig zusammenrollen, die Enden begradigen und mit Puderzucker bestäubt servieren.

Roggen-Dinkelvollkornbrot

Am Sonntagabend bleibt selbst bei Carolin die Küche kalt. Das Wichtigste für ein gutes Abendbrot ist selbst gebackenes Roggen-Dinkel-Vollkornbrot. Das braucht nicht viel – außer Sauerrahmbutter. Die Herstellung des Sauerteigs ist etwas aufwändiger, lohnt sich aber. Wichtig ist es, regelmäßig Wasser und Mehl hinzugeben, damit die Milchsäurebakterien aktiv bleiben. In Schweden, erzählt Carolin, gibt es dafür spezielle Hotels, die sich bei eigener Abwesenheit um den Teig kümmern. Dinkel, Dinkelvollkorn- und Roggenvollkornmehl in einer Schüssel mischen. In einer zweiten Schüssel Wasser, Salz, Essig, Honig und frische Hefe zusammenrühren und mit dem Roggenvollkornsauerteig zu den Mehlsorten geben. Über Nacht ruhen lassen. Am nächsten Tag aus dem Teig einen Laib formen, mit Mehl bestäuben und in einem gusseisernen Topf backen. Abkühlen lassen, in Scheiben schneiden und mit Butter bestreichen.

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