© Anne Gabriel Jürgens

Kuchen Man findet keine Freunde mit Salat

Kuchen macht das Leben schön. Das wusste Barbara Halter schon als Kind und setzte sich durch. Zum Glück! Als Erwachsene verrät sie nun die besten Schweizer Kuchenrezepte. Von

"Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen", dieser Satz wurde Marie Antoinette fälschlicherweise in den Mund gelegt und oft zitiert. Doch was soll man tun, wenn das Kind nichts anderes als Kuchen mag? Man erinnert sich an die französische Königin und backt. Vor allem, wenn der Großvater des geschmackssicheren Kindes als Pâtissier arbeitet, Albert heißt und berühmt ist für seine Kirschstängeli. Der Blog von Barbara Halter und Pirmin Beeler heißt diesem Pâtissier zu EhrenAlbertines.

Während das kleine Mädchen auf seine tägliche Süßration bestand, sagt die erwachsene Barbara Halter über ihren Lebensgefährten Pirmin: "Er wurde als Kind von seiner Familie gelobt, weil er einfach alles gerne gegessen hat." Gegensätze ziehen sich an, seit fast 15 Jahren sind die beiden Schweizer ein Paar. Die Enkelin von Albert arbeitet als Redakteurin und Autorin, Pirmin als freier Illustrator. In ihrer Freizeit bloggen sie über gemeinsame Reisen und Rezepte. Ihre Herangehensweisen sind auch hier unterschiedlich: Barbara hält sich beim Kochen streng an die Vorgaben, Pirmin bevorzugt die Methode Freestyle. Von ihm kommen auch die Illustrationen auf dem Blog, Barbara ist für die meisten Texte und den Fokus auf vegetarische Gerichte verantwortlich, die mit saisonal verfügbaren und möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln auskommen. Angesichts der Rezeptauswahl für ihr Sonntagsessen ist klar, wer von beiden sich bis heute gut durchsetzen kann.

Nicht nur Kinder, auch Festivalbesucher freuen sich über eine Extraportion Zucker. Wer tanzen will, braucht Energie. Dementsprechend schnell waren die Brownies mit Himbeeren ausverkauft, die Barbara aus einem Kafiwagen heraus auf einem Schweizer Open Air verkaufte. Dazu die Schokolade in grobe Stücke brechen und mit Butter im Wasserbad schmelzen. Eier, Zucker und Vanillezucker schaumig schlagen, Schokoladenmischung zugeben, Mehl und Salz darüber sieben. In eine Brownieform geben, mit Himbeeren garnieren und solange backen, bis eine Kruste entsteht.

Ist Barbara nicht gerade auf Musikfestivals unterwegs, holt sie sich Musik in die Küche ihres Hauses am Zugersee. Beim Backen dieser Zwetschgengalette hört sie am liebsten Joni Mitchel. Während sie aus Mehl, Zucker, Salz, Butter und Wasser eine Teigkugel formt, summt sie leise mit. Nach einer Ruhezeit rollt sie die Kugel zu einem Kreis aus und lässt den Teig noch mal ruhen. In der Zwischenzeit mischt sie entsteinte und geviertelte Zwetschgen mit Zucker und Mehl. Den ausgeruhten Teig bestreut sie mit gemahlenen Mandeln und gibt dann die Zwetschgen darüber, lässt aber einen fingerbreiten Rand frei. Dieser wird anschließend mit Zucker bestreut. Dann kann die Galette etwa 45 Minuten in den Ofen.

Ob sie beim Backen ihres Mohnkuchens mit Erdbeeren wohl die Beatles hört? Inspiriert ist er jedenfalls von Strawberry Fields, auf denen Barbara die Früchte gemeinsam mit ihrer Schwester pflückt. Für diesen Kuchen Mohnsamen in warmer Milch quellen lassen und Butter und Zucker schaumig schlagen. Vier Eigelb werden nach und nach hinzugefügt. Nun Backpulver, Speisestärke, Mandeln, Rum, abgeriebene Zitronenschale und die Mohn-Milch-Masse unterziehen. Zum Schluss Eischnee unterheben, die Masse in eine Springform füllen und eine halbe Stunde backen. Aus Zitronen und Puderzucker einen Guss herstellen und den abgekühlten Kuchen damit überziehen. Wer am Ende noch Erdbeeren darauf stapelt, darf zuerst probieren.

Auch die Engadiner Schokoladentorte ist mit einer besonderen Erinnerung verbunden. Vor einer Reise fand das Paar auf Airbnb die Wohnung einer Fotografin, die mit ihren drei Katzen im Schweizerischen Engadin lebt. Gastgeberin und Gäste verstanden sich so gut, dass sie sich am Herd versammelten, um diesen Schokoladenkuchen ganz ohne Mehl zu backen. Die Zubereitung ist einfach: 200 Gramm dunkle Schokolade mit der gleichen Menge Butter im Wasserbad schmelzen und mit Zucker mischen. Nach und nach fünf Eier unterziehen und den Teig in eine gefettete Form füllen. Nach 20 Minuten ist der Kuchen innen feucht, außen aber schon fest. Wer das nicht mag, backt die Torte weitere 15 Minuten.

Ein weiterer Aufenthalt im Engadin inspirierte Barbara zu diesem Marmorgugelhupf. Wieder war es eine fremde Küche, in der sie sich so wohl fühlte, dass sie ihrer Leidenschaft frönte, als wäre sie zu Hause. Zimmerwarme Butter schaumig schlagen, erst Zucker, Vanillezucker und Salz dazugeben, dann nach und nach vier Eier. Ist eine helle, feine Masse entstanden, den Rum einrühren. In einer zweiten Schüssel Mehl und Backpulver mischen und mit einer Kelle unter die Butter-Zucker-Masse heben. Zwei Esslöffel Milch dazugeben und zwei Drittel des Teiges in eine Gugelhupfform füllen. Den restlichen Teig mit Kakaopulver, Zucker und Milch mischen und mit einer Gabel nach und nach in die Form mischen, bis ein Marmormuster entsteht. Nun im vorgeheizten Ofen backen.

Wenn Barbara langweilig ist, probiert sie die schrägsten Rezepte aus Kochbüchern aus. In diesem Fall stammt es vom US-amerikanischen Model Amber Rose. Sie ersetzt Butter durch Rote-Bete-Püree. In der Schweiz ist Rote Bete als Randen bekannt, daher heißt das Gebäck Schokoladen-Randen-Kuchen. Rote Bete schälen und pürieren. Die Masse mit Eiern, Honig, Kakaopulver, Backpulver und Salz verrühren. Gemahlene Mandeln hinzugeben. Schokolade im Wasserbad schmelzen, Öl unterrühren und zum restlichen Teig geben. Im vorgeheizten Ofen backen, auskühlen lassen.

Und weil man nach so viel Zucker wieder etwas Herzhaftes braucht, kommt Pirmin zum Einsatz. Allerdings verzichtet auch er nicht auf eine süße Note – Konsequenz muss sein. Im Originalrezept des Ofengratins verwenden die beiden Kürbis, jetzt im Frühsommer schlagen sie als Alternative Süßkartoffeln vor. Diese werden geschält und in Scheiben geschnitten, ebenso der Sellerie. In einer ofenfesten Form die Süßkartoffeln aufschichten, salzen, pfeffern und mit Feta und Thymianblättchen bestreuen. Dann den Sellerie darübergeben, ebenfalls mit Salz und Pfeffer, Feta und Thymian würzen. Die restlichen Süßkartoffeln darübergeben, salzen, pfeffern und mit Sahne übergießen. Etwa eine Stunde im Ofen backen. Nach Verzehr dem Bauch eventuell eine Pause gönnen oder noch ein Stück Kuchen nachlegen.

Brownies mit Himbeeren © Barbara Halter
Zwetschgengalette © Barbara Halter
Mohnkuchen mit Erdbeeren © Barbara Halter
Engadiner Schokoladentorte © Barbara Halter
Schokoladen-Randen-Kuchen © Barbara Halter
Kürbis-Sellerie-Gratin © Barbara Halter

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