© Regula Ysewijn

Sonntagsessen Auf einen Tee mit der Queen

Am Donnerstag stimmt Großbritannien über einen Austritt aus der EU ab. Die Frage ist: Wie bewegt man austrittswillige Briten zum Bleiben? Vielleicht mit diesen Kuchen. Von

Regula Ysewijn ist im Herzen Britin. Schon als Kind wollte die gebürtige Flämin jeden Urlaub in Cornwall oder Canterbury verbringen. Mittlerweile ist sie 32 Jahre alt und verhält sich angeblich "britischer als ihre britischen Freunde". Regula assimilierte sich hauptsächlich über ihren Magen. Seit sie Englands Nationalheiligen Jamie Oliver entdeckte – der sie übrigens seine liebste Bloggerin nennt – kocht sie ausschließlich Gerichte aus jenem Land, das viele mit Fish and Chips gleichsetzen. Historische Kochbücher sind Regulas guilty pleasure. In Vergessenheit geratene Rezepte wie Ochsenschwanzsuppe oder Plum Pudding teilt sie auf ihrem Blog Miss Foodwise. Dass viele Menschen britisches Essen verachten, kann Regula nicht verstehen. Ebenso wenig, dass Großbritannien aus der EU austreten will.

Ihr Sonntagsessen widmet Regula dem Oberhaupt der britischen Monarchie: Long live the Queen! Zwar wurde Queen Elizabeth bereits im April neunzig Jahre alt, doch gefeiert werden darf immer. Regulas Toast: "Möge der Tee in geblümte Tassen fließen und die Diskussion um die richtige Anordnung von Scone, Jam und Clotted Cream niemals enden." Diese werden nämlich traditionell zum 5-Uhr-Tee gereicht. Für die Scones aus Mehl, Butter, Zucker, Eiern und Milch einen Teig herstellen. Ausrollen und Kreise ausstechen. Mit Ei bestreichen, goldgelb backen und noch warm servieren – traditionell mit Clotted Cream und selbst gemachter Marmelade, in welcher Reihenfolge auch immer.

Das Rezept für Regulas Queen Cakes stammt aus einem Kochbuch aus dem 18. Jahrhundert. Sie mischt Butter und Zucker, gibt Muskatblüte, Orangenblütenwasser, Eigelb und Mehl hinzu. Dann knetet sie Rosinen in den Teig und hebt Eischnee unter. Anschließend füllt sie den Teig portionsweise in eine Backform. Wer keine spezielle Queen-Cake-Form hat, nimmt einfach ein Muffinblech. Nach einer halben Stunde Backzeit die Küchlein mit Puderzucker bestreuen und sofort servieren.  

Queen Elizabeths Geburtstag ist für Regula ein willkommener Anlass, ihrer Anglophilie freien Lauf zu lassen. Die englische Flagge weht bei ihr auf Teller, Pyjamas und Kuchen. Sie mischt dazu Butter, Zucker, Mehl, Eier, Vanilleessenz und Milch, verteilt den Teig in zwei Formen und backt ihn im Ofen. In der Zwischenzeit schlägt sie Crème Double oder ersatzweise Mascarpone mit Vanilleessenz auf. Den ersten gebackenen Kuchenboden bestreicht sie mit Himbeer- oder Erdbeermarmelade, belegt ihn mit Erdbeerscheiben und bedeckt ihn mit der Hälfte der Creme. Darauf kommen der zweite Boden und der Cremerest. Aus Erdbeerscheiben und Blaubeeren wird der Union Jack.

Ihren Dinnergästen serviert Regula einen Sweet Lamb Pie nach einem Rezept aus dem Jahr 1727. Muskatnuss, -blüten und -kraut, Nelken und schwarzen Pfeffer mahlen. Die Hälfte der Gewürzmischung auf einer Lammkeule verreiben, die andere Hälfte mit Lammhack mischen. Das Hack mit Rindertalg, Rosinen und frischer Petersilie zu Bällchen formen. Nun jeweils eine Schicht Fleisch, Fleischbällchen, Süßkartoffeln und Artischocken in eine Auflaufform geben und mit Rosinen und Orangenschale bestreuen. Mit Teig bedecken, im Ofen backen. In der Zwischenzeit aus Weißwein, Zitronensaft, Zucker, Eigelb und Butter eine Sauce herstellen und über den gebackenen Pie gießen. Die Mischung aus Lammfleisch und Weihnachtsgewürzen ist erst gewöhnungsbedürftig und anschließend sehr lecker.

Regula ist ausgebildete Biersommelière. Für den Fall, dass ihre Gäste nicht schon von der Bierbegleitung beschwipst sind, serviert sie ihnen zur Sicherheit als Dessert einen Cabinet Pudding. Eine ofenfeste Form fetten und kandierte Kirschen hineingeben. Entweder man kauft fertigen Sponge Cake oder macht einen Biskuitteig, den man mit Cognac oder Rum tränkt. Den Teig scheibchenweise in die Form legen, mit Amarettini bestreuen. Weitere Lagen aus Kirschen, Biskuit und Amarettini schichten, bis die Form über die Hälfte gefüllt ist. Aus Eiern, Milch, Sahne, Rohzucker, Lorbeer und Zimt eine sogenannte Custard herstellen. Mit dieser lauwarmen Englischen Creme die Form aufgießen, diese in eine weitere, mit Wasser gefüllte Form geben und im Ofen backen. Regula empfiehlt, den fertigen Pudding mit einer Sack Sauce zu servieren, die zu gleichen Teilen aus Butter, Zucker und Sherry oder Madeira besteht. Cheers!

Scones © Regula Ysewijn
Queen Cakes © Regula Ysewijn
Sweet Lamb Pie © Regula Ysewijn
Cabinet Pudding © Regula Ysewijn

Kommentare

3 Kommentare Kommentieren

"Dass viele Menschen britisches Essen verachten, kann Regula nicht verstehen."
ich übrigens auch nicht. Die Vorstellung vieler Menschen hier in Deutschland, ist in der Vergangenheit gefangen und bedarf einer Korrektur. Auch hier isst man doch nicht mehr alles mit einer undefinierbaren braunen Sauce, oder kocht das Gemüse, bis man es lutschen kann. Es war doch durchaus üblich, den Spargel so lange zu (ver)kochen, bis sich die beiden Enden auf einer Gabel berührten.
Es kommt auf die richtige Zubereitung eines qualitativen , am besten noch regionalen Produkts an, dann ist jede Küche eine gute. Dann sind auch Fish & Chips ein absolutes Gedicht, wie z. B. hier http://www.thefishclub.com/