© Angelika Schwaff

Backen Über alle Jahre

Manchmal kennt man jemanden, den man nur selten sieht und trotzdem nicht vergisst. Dieses Keksrezept mit Marzipan und Pistazien hilft zwei Menschen, einander zu behalten. Von

Mein Herzklopfen war ohrenbetäubend laut, als er mich seinen Eltern vorstellen wollte. Sein Vater war nicht zu Hause, wohl aber seine Mutter. Sie hatte dunkelrot gefärbte Haare und ich weiß noch, dass sie mich anlachte, als würden wir uns schon ewig kennen. Das war der Moment, in dem ich Mama Leifheit zum ersten Mal traf.

Auf die Plätzchen, fertig, los

In Selbstgebackenem stecken häufig die schönsten Erinnerungen. Vor jedem Adventssonntag veröffentlichen wir deswegen ein Backrezept, das mehr ist als nur eine Anleitung. Es ist ein Rezept mit Geschichte, ob von der Uroma oder der Mutter des Ex-Freundes. Liebe ist immer in der Teigschüssel, und Zucker auch.

Die Familie meines ersten Freundes wohnte in einem kleinen Stadthaus, das ganz anders war als unser bäuerliches Fachwerkhaus auf dem Land. So modern eingerichtet mit edlem Design und hellen Farben. Ikea suchte man dort vergeblich. In der Ecke stand eine Musikanlange, wie ich sie in meinem Leben noch nicht gesehen hatte. Und wäre ich Landschaftsarchitektin gewesen, hätte mir ihr Garten wohl Tränen in die Augen getrieben. Ich aber war 14 und sehr verliebt. Nicht nur in den Sohn der Familie, sondern auch ein bisschen in seine Mutter. Eine echte Dame, dachte ich damals ehrfürchtig.

Ich bewunderte ihre feine Kleidung und ihre aufrechte Haltung, denn Mama Leifheit hörte wirklich zu, gab weise Ratschläge – und machte Yoga. Mama Leifheit schwor damals schon darauf. Und sie konnte kochen. Sie hatte die kleinste Küche der Welt, man konnte sich darin nur einmal um die eigene Achse drehen, zu zweit konnte man sich dort nur aufhalten, wenn man sich nicht bewegte. Zum klassischen Sonntagsbraten der 80er Jahre gab es bei ihr keine schnöden Kartoffeln, sondern "Kartöffelchen". Ihrem Sohne kochte sie Nudeltöpfe, die er sich auftauen konnte, wenn seine Eltern nicht zu Hause waren. Nie hab ich die so hinbekommen. Ich habe es jahrelang versucht.

Auch als ich nicht mehr mit ihrem Sohn zusammen war, traf ich mich jedes Jahr zu Weihnachten mit Mama Leifheit. Zum jährlichen Report: "Wie geht es dir, wie war dein Jahr?" Noch immer gibt sie mir jedes Jahr eine Tüte mit den besten Weihnachtskeksen der Welt mit. In ein paar Tagen stehe ich wieder vor ihrer Tür. Dieses Mal habe ich ihre Kekse im Gepäck – von mir gebacken. Ich hoffe, sie mag sie. 


Für Mama Leifheits Weihnachtskekse brauchen Sie:

Für den Teig

  • 250 g  Mehl   
  • 1 Messerspitze Backpulver
  • 1 Ei (Größe M)
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 1 Prise Salz
  • 100 g Zucker
  • 125 g Butter

Für den Belag

  • 500 g Marzipan Rohmasse
  • 250 g Schokolade (entweder Kuvertüre oder andere Schokolade, die sich leicht schmelzen lässt)
  • ein halbes Glas Aprikosenmarmelade oder jede andere Marmelade, die Ihnen schmeckt
  • 50 g gehackte Pistazienkerne

Zucker, Vanillezucker und Butter mit den Eiern schaumig rühren, Mehl mit Backpulver mischen und hinzufügen. Alle Zutaten mit einem Handrührgerät zu einem glatten Teig verkneten und anschließend 30 Minuten ruhen lassen. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ausrollen, mit Formen Herzen ausstechen und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech setzen. Die Plätzchen im vorgeheizten Backofen (E-Herd: 175 Grad/ Gas: Stufe 2) 12-15 Minuten backen. Sie dürfen auf keinen Fall zu braun oder gar knusprig sein. Also lieber ein wenig früher aus dem Ofen holen.

In der Zwischenzeit das Marzipan ausrollen und mit den gleichen Formen ebenfalls Herzen ausstechen. Die noch warmen, aber nicht mehr heißen Kekse dünn mit der Marmelade bestreichen. Nun die Marzipanherzen vorsichtig auflegen und leicht andrücken. Die Schokolade schmelzen und über die Kekse geben und zwar gern so, dass die Seiten der Kekse etwas bedeckt sind. Das macht man am besten etappenweise, denn noch bevor die Schokolade wieder hart wird, streut man ein paar Pistazienstücke auf jeden Keks und drückt diese leicht ein, damit sie auch wirklich in der Schokolade haften.

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