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Sonntagsessen Ohne Trut, aber mit Hahn

Thanksgiving ist eines der wichtigsten Feste in den USA. Man schenkt sich nichts, aber ist dankbar. Diese Rezepte machen einem das auch hierzulande sehr leicht. Von

Im Jahr 2002 schrieb ein kochbegeisterter Leser eine E-Mail an eine Bloggerin in Chicago. Die beiden trafen und verliebten sich. Neun Jahre später heirateten sie. Heute leben Shanna und Tim in Nashville, Tennessee, sind Eltern und noch immer leidenschaftliche Autoren und Fotografen. Einfach ist das nicht, vor allem Shanna zweifelt oft an ihrer Tätigkeit: "Es gibt genug Gründe, nicht zu schreiben." Der seit 2008 gemeinsam mit ihrem Ehemann betriebene Blog Food loves writing ist für sie auch Ansporn zur Selbstdisziplin.

Ehrgeiz hin oder her, es muss auch eine Zeit des Nichtstuns geben. Während das Erntedankfest hierzulande kaum mehr ist als ein in Kirchen ausgelegter Getreideteppich, gehört Thanksgiving in den USA zu den wichtigsten Feiertagen im ganzen Jahr. Am vierten Donnerstag im November kehren längst erwachsen gewordene Kinder nach Hause zurück, übers ganze Land verstreute Familien versammeln sich an einer üppigen Tafel. Weil es überall wichtiger ist denn je, zusammenzuhalten, ist das Sonntagsessen von Shanna und Tim ein Thanksgiving Dinner.

Im November ist das Wetter in Nashville ähnlich ungemütlich wie bei uns. Statt trüben Gedanken nachzuhängen, kochen Shanna und Tim als ersten Gang ihres Sonntagsessens eine Süßkartoffel-Tatsoi-Suppe. Tatsoi ist ein asiatisches Blattgemüse, ähnlich dem Pak Choi. Für die Suppe Zwiebeln, Knoblauch, Chilipulver und Cayennepfeffer in Olivenöl anschwitzen. Sellerie, Süßkartoffeln, Thymian und Salz zugeben und drei Minuten sautieren. Mit Wasser auffüllen und köcheln lassen, bis das Gemüse gar ist. Jetzt den Tatsoi zur Suppe geben, kurz kochen lassen. Salzen, pfeffern, Thymian entfernen und sofort servieren.

Mit selbstgemachten Gnocchi verhält es sich wie mit dem Schreiben: Es gibt viele Gründe, es sein zu lassen. Shanna rät jedoch auch hier, sich mal wieder zu überwinden. Weil einen das Teigkneten zwinge, im Moment zu sein, fern von iPhone, To-Do-Listen und Problemen. Für die Süßkartoffel-Gnocchi in brauner Salbeibutter Süßkartoffeln halbieren, mit Öl einreiben und im Ofen backen, bis sie weich sind, anschließend pürieren. Süßkartoffelpüree mit Muskat, Salz und Pfeffer würzen. Mehl einarbeiten, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. In sechs Portionen teilen, zu Rollen formen und in gleichgroße Stücke schneiden. Portionsweise in Salzwasser kochen, bis die Gnocchi an die Wasseroberfläche treiben, eine weitere Minute im Wasser lassen, dann abschöpfen. Salbei in Butter anbräunen, gekochte Gnocchi darin schwenken. Mit Pecorino bestreut servieren.

Geschenke gibt es keine zu Thanksgiving, aber diese Hühnchenroulade ist genauso hübsch verschnürt. Für die Füllung Zwiebeln und Knoblauch in Öl dünsten. Nüsse – am besten schmecken Pinienkerne oder Mandeln – zugeben, dann getrocknete Cranberries. Von Spinat oder Mangold zunächst die Stiele, dann die Blätter unterheben und kurz erhitzen, dann abkühlen lassen. In der Zwischenzeit flachgedrückte Hähnchenbrüste mit Pecorino oder Mozzarella bestreuen und das Gemüse darauf verteilen. Das Geflügel fest zusammenrollen und mit Küchengarn verschnüren. In Mehl wenden, erst in der Pfanne braten und dann im Ofen garen. Vor dem Servieren zehn Minuten ruhen lassen.

Neben Mashed Potatoes und Apple Pie zählt der Pot Roast, den wir als Schmorbraten kennen, für Tim und Shanna zu den typischsten Gerichten ihrer US-amerikanischen Heimat. Für diese Version raten sie dringend zu Fleisch von Rindern, die mit Gras gefüttert wurden. Rindfleisch salzen und pfeffern und in eine mit Olivenöl benetzte ofenfeste Form geben. Ist das Fleisch gleichmäßig gebräunt, Zwiebeln, Knoblauch, Sellerie und Zweige von Rosmarin und Thymian in die Form geben. Mit Rotwein übergießen und mit dem Deckel wieder in den Ofen geben. Nach einer Stunde das Fleisch drehen und Pilze hinzufügen. Nach einer weiteren Stunde die Temperatur zurückschalten und noch eine Stunde backen.

Zum Nachtisch gibt es einen klassischen Pumpkin Pie. In Deutschland fristet Kürbiskuchen ein Nischendasein. Doch das könnte sich mit diesem Rezept ändern. Wer einmal die cremig-vanillige Süße eines Kürbisses in Kuchenform gekostet hat, will nie etwas anderes. Aus Mehl, Salz, Butter und Wasser einen Teig herstellen, kalt stellen. Den gekühlten Teig in eine Pie-Form geben, dabei die Ränder nach oben ziehen. Für die Füllung Eier aufschlagen, dann Kürbispüree, Mehl, Salz, Muskat, Rohrzucker, Zimt, Ingwer, Nelkenpulver und Sahne einrühren. Die Mischung auf dem Teig verteilen und im Ofen backen.

Süßkartoffel-Tatsoi-Suppe © Food loves writing
Süßkartoffel-Gnocchi in brauner Salbeibutter © Food loves writing
Pot Roast © Food loves writing
Pumpkin Pie © Food loves writing

Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Die Hühnchenroulade muss ich gar nicht erst ausprobieren. Meine Lieblingsbar in Istanbul hatte das vor 25 Jahren fast identisch, allerdings mit Gorgonzola-Soße. Schmeckt wirklich gut. Nur das Rouladen-Binden haben die auf dem Blog nicht wirklich drauf: 3 Schnüre, echt? Das ist nicht nur nicht «hübsch» sondern unpraktisch. Eine Schnur, am Anfang, Mitte und Ende der Roulade umgelegt und dann nur ein Knoten. Zum Öffnen reicht dann ein Schnitt.

Da Sie offensichtlich über einen Internet-Anschluss verfügen, hätten Sie zumindest die Mengenumrechnung auch selbst finden können.

Butter und Zucker: 1 cup 225g
Mehl und Puderzucker: 1 cup 110g

Als Backform nimmt man eine Standard-Springform, Temperatur und Backzeit kann man von einem herkömmlichen Kuchen übernehmen, zwischendurch mal mit nem Zahnstocher reinpieksen tut man ja sowieso, weil die Backzeit nie zu 100% stimmt.