© Ye olde Kitchen

Sonntagsessen Leise rieselt der Grieß

Für viele ist Couscous nur eine öde Beilage. Doch in den Grießkügelchen schlummert Großes. Diese Rezepte holen das Beste aus der nordafrikanischen Spezialität heraus. Von

Ganz so ernst nehmen sich die Betreiber von Ye olde Kitchen nicht. Übersetzt bedeutet der Name ihres Blogs nämlich "die alte Küche". Alt im Sinn von "wie früher" ist gerade ziemlich schick, weswegen Cocktails in Marmeladengläsern und Kartoffeleintöpfe in Blechtellern serviert werden. Mit der Art ihrer Küche ist es Eva-Maria Hoffleit und Philipp Lawitschka hingegen ziemlich ernst. "Wie bei Omma" nennen sie ihre saisonalen Gerichte, für deren Zubereitung sie sich ähnlich viel Zeit nehmen wie ihre Großmütter.

Geordnet sind die Rezepte auf ihrem 2015 gegründeten Blog nach Jahreszeiten. Im Sommer wird geerntet, im Herbst eingeweckt, im Winter von den Vorräten gezehrt. Viele Zutaten stammen aus Fellbach, dem Wohnort der beiden, vom Waiblinger Wochenmarkt und der Gegend rund um das baden-württembergische Remstal. Idealerweise von kleinen Herstellern wie der Hegnacher Mühle, wo die 32-Jährige und ihr Partner bevorzugt ihr Mehl einkaufen. Bei so viel Idealismus kann einem schwindelig werden. Doch das Paar betont: "Wir sind keine Heiligen." Ihre kleinen Sünden sind exotische Früchte wie Mango oder Papaya. Und Nachos mit selbst gemachter Salsa und Käsesoße: "Da muss unbedingt Scheiblettenkäse rein."

Das Sonntagsessen von Ye olde Kitchen ist eine Liebeserklärung an ihre liebste Zutat. "Couscous ist vielfältig einsetzbar und eigentlich sehr einfach herzustellen", erklärt Hoffleit ihre Wahl. "Leider verbinden die meisten Menschen damit aber nur eine viel zu trockene, geschmacklose Beilage. Das wollen wir ändern."

Das erste Gericht zur Ehrenrettung einer unterschätzten Zutat ist ein Couscous-Salat mit Roter Bete. Dazu Rote Bete kochen und mit Schalotte anbraten. Mit Zucker, Salz und Pfeffer abschmecken. Einen Teil beiseite nehmen, Wasser zugießen, Couscous zusammen mit gesalzenem Gemüse unterrühren, quellen lassen. Anschließend Meerrettich unterheben und mit den restlichen Rote-Bete-Würfeln, Zwiebelringen und Schafskäse bestreuen.

Couscous-Gewürzmischung

Ehrensache, dass Eva-Maria und Philipp bei Gewürzmischungen nicht auf Supermarktware zurückgreifen. "Unsere selbst gemachte Couscous-YOK-Gewürzmischung steht neben dem Herd und kommt auch in anderen Gerichten zum Einsatz", erklärt Hoffleit. Dazu Limettenabrieb trocknen lassen. Kreuzkümmelsamen, Korianderkörner und Kümmelsamen anrösten und im Mörser zu Pulver verarbeiten. Pfefferkörner und Pfefferbeeren dazugeben und mahlen, bis ein feines Pulver entsteht. Chiliflocken, Paprikapulver und getrockneten Limettenabrieb untermischen. In ein Glasgefäß geben und trocken lagern.

Couscous-Salat mit Rotkraut

Für den Couscous-Salat mit Rotkraut das Rotkraut salzen, dann mit Weißweinessig, Zucker und heißem Wasser verrühren. Mit Salz, Pfeffer und Distelöl abschmecken. Aprikosen und Stangensellerie in Olivenöl anbraten. Couscous zugeben und mit Gemüsebrühe aufgießen. Kurz aufkochen, dann vom Herd nehmen und quellen lassen. Mit der selbst gemachten Gewürzmischung, Salz und Pfeffer würzen und gehacktes Selleriegrün unterheben. Erdnüsse rösten, mit Ahornsirup beträufeln. Den Salat auf Tellern anrichten, den Couscous darüber geben und mit Erdnüssen dekorieren.

Karottencouscous

Ehrensache auch, dass Eva-Maria und Philipp einen Teil ihrer Zutaten selbst anbauen. Bei Karotten hatten sie bislang allerdings keinen Erfolg. Vergleicht sie ihre eigenen "mickrigen Möhrchen" mit den stattlichen Exemplaren in der wöchentlich vom Biohof Braun in Vaihingen gelieferten Biokiste, wird Eva-Maria neidisch. Wir finden: Abwarten und Karottencouscous kochen. Karotten und Sellerie in Butter anbraten, mit Wasser auffüllen und gar kochen. Einen Teil beiseite stellen, den Rest stampfen oder pürieren. Schalotte in Olivenöl anschwitzen, Couscous und Wasser dazugeben. Mit Couscous-Gewürz und eingesalzenem Selleriegrün würzen und quellen lassen. Karottenbrei unterheben und mit den übrigen Karottenwürfeln, Fetakäse und Sesam bestreut servieren.

Couscous-Salat mit gebratenem Blumenkohl

Noch etwas für durch eine Gemüsekindheit traumatisierte Erwachsene: Zum Abschluss reichen die beiden einen Couscous-Salat mit gebratenem Blumenkohl. Blumenkohl bissfest kochen, Champignons in Butter anbraten, salzen und beiseite stellen. In der gleichen Pfanne den Couscous mit Wasser und Tomatenmark aufkochen und quellen lassen. Mit Salz, Pfeffer, Couscous-Gewürzmischung und Zitronensaft würzen und gehackte Petersilie und Liebstöckel untermischen. Blumenkohl mit Mandelblättchen in Butter anbraten. Couscous auf Teller verteilen, Blumenkohl und Pilzen darauf anrichten und mit Mandelblättchen, Walnuss- und Granatapfelkernen bestreuen.

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