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Sonntagsessen Die Küchenbummler

Salate von der Seidenstraße, Lamu-Kuchen und Guacamole aus Myanmar – Gabi Zanzanaini und Nicolas Petit haben sich fast um die ganze Welt gekocht. Ein Menü für Mutige. Von

Brasilien, China, Äthiopien, Frankreich, Kenia, Marokko, Großbritannien, das sind die Länder, in denen Gabi Zanzanaini und Nicolas Petit bereits gelebt haben. Zum ersten Mal sind sie sich in Petits Heimatstadt Brüssel begegnet, was bei zwei derart Rastlosen ein Glücksfall war. Aus einem Jahr gemeinsamen Reisens wurde ein Lebenskonzept. Mittlerweile haben sich die beiden mit Kind in Hongkong niedergelassen, wo Zanzanainis Wurzeln liegen. Noch immer reisen sie, sooft es geht und entdecken die Welt von ihrer kulinarischen Seite. Der Name ihres Blogs Funnelogychannel erzählt vom Spaß, gemeinsam unterwegs zu sein. Das englische Wort funnel heißt Trichter und steht für die individuelle Wahrnehmung des Erlebten. Zu Hause, in Hongkong, kommt bei den Dreien eine Mischung aus lokalen Spezialitäten und Erinnerungen an die europäische Heimat auf den Tisch. Etwa ein Menü aus Dim Sum, gebratenem Pak Choi und fangfrischem Fisch mit Saltimbocca und Pasta. Als Halbitalienerin liebt die 33-jährige Zanzanaini Gnocchi mit Pesto. Neben der italienischen Küche schätzen sie und ihr 43-jähriger Partner besonders die griechische und osttürkische Landesküche. Auf Reisen hingegen probieren sie fast alles, außer Austern und grüne Chilis.

Ein besonderes Anliegen ist den beiden der Kontakt zu Einheimischen. "Die Sprache des Essens ist universal", sagt Zanzanaini. Wenn möglich, kaufen sie ihre Zutaten auf lokalen Märkten und verarbeiten sie über offenem Feuer, in Garküchen oder auf dem Herd von Menschen, die sie eben erst kennengelernt haben. Das Sonntagsessen von Funnelogychannel ist Street Food, mit dem Unterschied, dass es nicht von bärtigen Tättowierten aus Foodtrucks heraus serviert wird, sondern von einem Paar, das notfalls auch im Waschbecken kocht.

Hoi An Mango-Kurkuma-Smoothie © Funnelogychannel

Mit der vietnamesischen Stadt Hoi An verbindet Zanzanaini vor allem ein spezielles Ocker – die Farbe von Rührei, einer frisch geschnittenen Mango oder Kurkuma. Aus den letzten beiden macht sie einen Mango-Kurkuma-Smoothie. Dazu Mango, Bananen und Drachenfrucht zusammen mit Ingwer, Kurkuma und Kokosmilch im Mixer pürieren. Für eine dickere Konsistenz die Bananen im gefrorenen Zustand verwenden.

Der gute Ruf der Avocado leidet derzeit hierzulande. Zu hoch sei ihr Wasserverbrauch, zu lang ihr Transportweg ins Avocado-freie Mitteleuropa. Unbeschwert genießen kann man sie hingegen in Myanmar. Nach einigen Wochen ohne Zugang zu einer Küche, sehnten sich Zanzanaini und Petit während ihres Aufenthalts in Kyaingtong danach, ihr eigenes Essen zuzubereiten. Für ihre burmesische Reisfeld-Guacamole braucht es weder Herd noch Besteck. Im Prinzip nicht einmal einen Teller, sofern eine Tageszeitung zur Hand ist. Eine Avocado halbieren und den Kern mit der Messerspitze und einer Neunzig-Grad-Drehung entfernen. Limettensaft, Chili, Knoblauch und Frühlingszwiebeln auf die beiden Hälften verteilen und mit einer Gabel zerdrücken. Mit frischem Koriander, Salz und Pfeffer verfeinern. Zum Dippen eignen sich Cracker, Nachos oder Karotten.

Burmesische Reisfeld-Guacamole © Funnelogychannel

Das nächste Rezept entwickelte das Paar während eines Aufenthalts in der usbekischen Stadt Samarkand. Anders als in Myanmar hatten sie dort nicht nur ein Bett, sondern auch eine voll ausgestattete Küche. Sie blieb trotzdem kalt. Zu verführerisch war die Auswahl an frischen Kräutern und Salaten. Für den Seidenstraßen-Kräutersalat Gurken, Tomaten, Karotten und Zucchini klein schneiden und in eine Schüssel geben. Mit Thaibasilikum, Koriander und Frühlingszwiebeln bestreuen. Aus Olivenöl, Dattelessig, Salz und Pfeffer ein Dressing anrühren und über den Salat gießen. 

Abel Tasman Muschelspaghetti © Funnelogychannel

Mit dem nächsten Gang verbindet Zanzanaini die Erinnerung an einen Neuseelandtrip mit ihren Eltern. Zunächst versuchten sie ihr Glück beim Kayakfahren, dann beim Muschelsuchen. Kein Wunder, dass ihre italienische Mama daraus Pasta machte. Benannt sind die Abel-Tasman-Muschelspaghetti nach dem neuseeländischen Abel-Tasman-Nationalpark. Nachdem die Muscheln gesäubert wurden, kommen sie ohne Flüssigkeit in eine heiße Pfanne. Mit Deckel solange garen, bis sich die Schalen öffnen. Einen Teil der Brühe für die Sauce beiseite stellen. Wer schon Appetit hat, kostet die Muscheln mit einer Vinaigrette aus Salz, Pfeffer, Zitronensaft und Olivenöl. Vom Rest etwa die Hälfte aus ihrer Schale befreien, die andere ganz lassen. In einer Pfanne Olivenöl erhitzen, Knoblauch, Chili und Kirschtomaten zugeben, dann die Muschelbrühe und Butter. In der Zwischenzeit Spaghetti al dente kochen. Zusammen mit den Muscheln zur Sauce geben, alles gut vermengen und mit Petersilie und etwas Olivenöl servieren.

Lamu Gewürzkuchen © Funnelogychannel

Chai heißt übersetzt nichts anderes als Tee. In Kenia wird eine besondere Teemischung zu jeder Tageszeit getrunken. Er schmeckt scharf nach Ingwer und schwarzem Pfeffer, herb nach Anis, mit einer milchigen Cremigkeit und einer süßen Note durch braunen Zucker. Zanzanaini macht daraus einen Gewürzkuchen, benannt nach der im indischen Ozean gelegenen Insel Lamu. In einer Pfanne Butter bräunen, beiseite stellen. Für die Chai-Buttermilch in derselben Pfanne Milch, Schwarztee, Muskat, schwarzen Pfeffer, Nelken, Kardamom und Zimt erhitzen. Nach ungefähr fünf Minuten vom Herd nehmen und abkühlen lassen. Ingwer entfernen und mit Limettensaft verfeinern. In einer Schüssel Eier mit Honig, braunem Zucker, Vanilleessenz und Apfelsauce verrühren, dann die Buttermilch und braune Butter einrühren. Mit Mehl, Salz und Backpulver glattrühren. In eine Kastenform füllen, mit braunem Zucker bestreuen und backen. Der Kuchen schmeckt noch warm aus dem Ofen oder am nächsten Tag getoastet und mit salziger Butter bestrichen.

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